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9. KW: Sinn und Unsinn von geschlossenen Fonds

Geschlossene Fonds haben in den letzten 30 Jahren Vermögensverluste bei einer breiten Bevölkerungsschicht in Höhe von geschätzt 1 Billion EUR verursacht. Das ist einfach zu berechnen, wenn man die jährliche Schadensumme, wie sie z.B. auch von der Stiftung Warentest genannt wird, mit 40 Mrd. EUR annimmt und einen Abschlag berücksichtigt, weil es keine statistischen Erhebungen dazu gibt und weil auch einige andere Graumarktprodukte zum Schaden beigetragen haben. Kritik muss hier erlaubt sein…

Schadenhöhe

Der Schaden ist übrigens eher höher als hier geschätzt, weil ein großer Teil der geschlossenen Fonds "außen" fremd finanziert ist oder war - was bedeutet, dass bei einem Scheitern des Fonds der Anleger nicht nur seine Einlage verloren, sondern auch noch einen Kredit zurückzuzahlen hat. Viele Privatinsolvenzen in eigentlich mehrheitlich sehr solventen Bevölkerungs- bzw. Berufsgruppen waren in den letzten Jahrzehnten auf die Folgen gescheiterter geschlossener Fonds zurückzuführen.

Altersvorsorge

Der Schaden geht fast vollständig zulasten der privaten Altersvorsorge breiter Bevölkerungskreise. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Mittelstand, der als Systemträger bekannt ist, besonders betroffen ist. Handwerker, Kleingewerbetreibende und Freiberufler, die meist kaum Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung haben, sind in großem Umfang betroffen. Im Falle einer wirtschaftlichen Stagnation könnte sich das zu einer Katastrophe ausweiten. In guten Zeiten wird das überdeckt z.B. durch hohe Erlöse bei der Firmenübergabe.

Hauptproblem mangelnde Geeignetheit

Geschätzt rund 95 % aller Zeichnungen geschlossener Fonds führen für die jeweiligen Zeichner zu einer für sie ungeeigneten Investition. Bei den restlichen 5 % mag aufgrund eines bereits vorhandenen umfangreichen Vermögensmix und bewusst hoher Risikotoleranz gemixt mit Abenteuerlust eine Eignung zu erkennen sein.

Nichteignung wegen Intransparenz und Gestaltungsproblemen

Geschlossene Fonds sind eigentlich für fast jeden privaten Anleger ungeeignet. Das ergibt sich aus der Intransparenz bei der Zeichnung und im Zeichnungsverlauf, aus der mangelnden Fungibilität und aus dem unbestimmten Laufzeitende. Weiterhin ergibt sich dies aus der Wahl gesellschaftsrechtlicher Konstruktionen (KG, GBR, Genossenschaft usw.), die von vornherein nicht für Investitionen eines größeren Investorenkreises geeignet und vom Gesetzgeber so gedacht sind.

Geschlossene Fonds sind jedoch auch deshalb für private Anleger ungeeignet, weil es sich um eine Unternehmensbeteiligung handelt, die in aller Regel wegen der zusätzlichen Kostenbelastung im Wettbewerb am Markt kaum eine Chance hat. Ein Unternehmen, das in den Wettbewerb am Markt mit zusätzlichen Kosten, im Fachjargon "Weichkosten", i.H.v. 20 % aufwärts startet, wird in der Regel am Markt untergehen oder ungenügende Erträge bringen. So funktioniert nun mal Marktwirtschaft.

Fachkompetenz nicht prüfbar

Ein weiteres Problem der Produktlinie ist die nicht nachprüfbare Fachkompetenz und Seriosität der Fonds-Geschäftsführung. Das liegt auch daran, dass dort natürlich nur Personen auftauchen dürfen, bei denen es keine Diskussion zu diesen Themen geben kann, also weithin unbekannte Personen, die mit Qualifikationen vorgestellt werden, die von der beworbenen Anlegerzielgruppe nicht bewertet werden können, aber eindrucksvoll klingen. Häufig wird die Geschäftsführung ohnehin nicht von Personen, sondern von für die Anlageinteressenten anonym bleibenden Institutionen, meist GmbH`s ausgeübt, was betroffene Anleger offenbar frühestens dann stört, wenn sie merken, dass ihre Beteiligung an Wert eingebüßt hat.

Das von den geschlossenen Fonds angerichtete Schadendesaster in den Altersvorsorge-Vermögen deutscher Anleger ist schon mit diesen wenigen Aspekten gut erklärt. Gut erklärt ist aber auch das enorme Potenzial von Schadenersatzforderungen betroffener Anleger gegen ihre Berater.

Marktwirkung

Die Interessenlage der Initiatoren geschlossener Fonds orientiert sich fast immer nicht an den Marktchancen, obwohl in den Emissionsprospekten oft das Gegenteil behauptet wird. Die Initiatoren verdienen ihr Geld schließlich nicht mit eventuellen Erträgen der jeweiligen Fondsprojekte, sondern hauptsächlich mit der Auflage von möglichst vielen Fonds mit möglichst großem Volumen, weil sie den größten Teil ihres Profits bereits bei der Fondsemission vereinnahmen. Fonds werden also meist dann aufgelegt, wenn eine möglichst schnelle Zeichnung des Gesamtvolumens zu erwarten ist, also ein interessierter Vertrieb tätig werden will.

Der Fondsinitiator orientiert sich also nicht daran, ob ein Projekt, das es meist noch gar nicht gibt (Blind Pool), eine erfolgversprechende Entwicklung erwarten lässt, sondern daran, ob genügend Vertriebspotenzial vorhanden ist. Ist ein großer Vertrieb gewonnen, dann gibt es auch einen Fonds und dieser Vertrieb wird auch einen Nachfolgefonds fordern, egal wie die Aussichten in dem avisierten Marktfeld aussehen.

Alle Beteiligten, außer dem Anleger, sind also am wirtschaftlichen Erfolg des Fonds eher wenig interessiert. Das ist dann auch ein Hauptgrund für das angerichtete Anlagedesaster.

Deutsche Schiffsfonds verantwortlich für die Probleme global agierender Reedereien?

Was diese Verhältnisse an einem Markt anrichten können, ist gerade bei den Schiffsfonds zu besichtigen, bei denen die Investitionen deutscher Anleger zu riesigen Überkapazitäten und einem dadurch verursachten massiven Verfall der Frachtraten geführt haben. Inzwischen hört man fast wöchentlich immer neue Hiobsbotschaften von Insolvenzen von Schiffsfonds und neuerdings massiven Problemen von Reedereigesellschaften - zuletzt bei einem der weltgrößten Reeder, der dänischen Firma Maersk, und das obwohl die Nachfrage nach Kapazitäten allenfalls zeitweise und marginal zurückgegangen ist.

Ein aktueller Fall

Dazu passt ein Beitrag des Internet-Informationsdienstes "Gomopa"vom 28.02.2017. Berichtet wird von einem kostenlosen Fachvortrag, den ein Finanzvermittler aus Hamburg für seinen Produktpartner ThomasLloyd (TL) zur Mitte des Monats Februar dieses Jahres organisiert hat. Der Informationsdienst ging, offenbar angestachelt durch die vollmundigen Ankündigungen des Finanzvermittlers, auf Aspekte zu TL ein, die nach der Lektüre dieses Beitrages niemand mehr überraschen dürften. "Ein erschütterndes Bild mit großen Verlusten", "TL ist ein undurchsichtiges Schachtelkonstrukt" und sei „für Privatanleger ungeeignet“, sind die wohl markantesten Aussagen. Der Beitrag bezieht sich teilweise auf Aussagen der Zeitschrift "Finanztest", herausgegeben von der Stiftung Warentest.

TL warb schon in der "Leistungsbilanz 2014" mit 40.000 Investoren und 3 Mrd. USD verwaltetem Vermögen. Es können bei einigen TL-Fonds Beträge ab 50 EUR monatlich einbezahlt werden. Bei einigen Rateneinzahlungsvarianten entsteht eine langfristige Einzahlungsverpflichtung.

Die Zukunft

Im Interesse der Berater und deren Kunden ist zu hoffen, dass die rein deutsche Form eines Finanzproduktes, die Unternehmensbeteiligung, als "geschlossener Fonds" ausläuft. Da könnte sich der Verband Lorbeeren verdienen. Finanzvermittler, die geschlossene Fonds anbieten oder angeboten haben, waren oder sind entweder bei der Lektüre der Emissionsprospekte überfordert oder waren aufgrund der hohen Provisionen für Fakten nicht aufnahmefähig - "postfaktisch" sozusagen. Sie wurden jedoch reichlich mit Provisionen fürs Wegsehen belohnt.

Übrigens: Die Politik ist daran nicht unschuldig. Alle aus schwarzen, roten oder gelben Bestandteilen gestrickten Regierungen der letzten 30 Jahre haben die Entwicklung des deutschen Sonderweges "geschlossene Fonds" wohlwollend in wohl naiver Ignoranz mitgetragen.

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