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30. KW: Futter für Umdeckungsspezialisten: Kürzung von Privatrenten

Die 27.600 Versicherten bei Generali und 80.000 Versicherten bei Talanx werden nicht lange allein bleiben als Betroffene von Kürzungen bei Privatrenten, die bereits in der Auszahlung sind. Begründet werden die Kürzungen durch die anhaltende Niedrigzinsperiode. Nun werden Rentenversicherungen in der Regel von besonders sicherheitsorientierten Anlegern abgeschlossen. Die Kürzungen dürften betroffene Versicherte deshalb eher überraschen. Das ist natürlich Futter für die Umdeckungsspezialisten der Branche, aber auch eine Herausforderung für Berater, die zum Gespräch beim Kunden gebeten werden.

Hintergründe - Kürzungen von Privatrenten

Es handelt sich in den beschriebenen Fällen um die Kürzung von Überschüssen. Bei der Generali sind Verträge betroffen, die eine Garantieverzinsung höher als 1,75 % aufweisen. Dieser Zins galt in den Jahren 2012 bis einschließlich 2014. Die Garantien sind nicht gefährdet. Wenn im Vertrieb aber einschließlich der Überschussrente verkauft wurde, wie leider recht häufig der Fall, werden die betroffenen Versicherten dem jeweiligen Berater/Vermittler die Kürzung anlasten.

Rentenversicherungen, die sich in der Auszahlungsphase befinden, werden kaum das Ziel von Umdeckungen sein. Die Nachricht über diese Kürzungen wird aber ausreichen, die Kunden zu verunsichern, wie alle negativ klingenden Nachrichten zu Lebensversicherungen. Und auch die sog. Umdecker werden diese aktuellen Bewegungen am Markt in Beratungsgesprächen gerne verwenden.

Offensive statt Defensive im Beratungsgespräch

Berater haben in der Regel ein gutes Gespür dafür, bei welchen Kunden solche Nachrichten Unsicherheiten schaffen. In diesen Fällen kann es sinnvoll sein, wenn Berater offensiv vorgehen und Kunden direkt ansprechen. Sie verhindern damit einen erfolgreichen Angriff von Umdeckern, erhalten sich ihren Nimbus beim Kunden als aufrichtiger und fachkundiger Berater und damit den Bestand.

Umdeckung ja, aber richtig

Umdeckungen finden insbesondere in andere Lebensversicherungsprodukte, in Investmentsparpläne und vor allem in Unternehmensbeteiligungen oder Anleihekonstruktionen vom sog. Grauen Kapitalmarkt statt. Letztere haben einen enormen Umfang angenommen, weil deren meist hohe Ausschüttungs- oder Zinsversprechen bei vielen Anlegern in der Niedrigzinsphase auf Widerhall stoßen. Dagegen hilft, die Zillmerung zu erklären, die Absicherung des Lebensrisikos anzuführen und vor allem auf den hohen Sicherheitsgrad der Lebensversicherungsprodukte im Vergleich zu den meist geradezu abenteuerlich riskanten Graumarktanlagen hinzuweisen.

Wenn bereits konkrete Umdeckungsabsichten bestehen, sollte der Berater beweisen können, dass er über die Folgen der Umdeckung eines Lebensversicherungsproduktes informiert hat.

Folgen und Risiken transparent aufzeigen

Der Bundesgerichtshof hat mit Urteil vom 13. November 2014 (Az: III ZR 544/13) einem Anleger recht gegeben, der sich über drei Instanzen hinweg (LG Ulm, OLG Stuttgart) hartnäckig, aber letztendlich erfolgreich, darauf berufen hat, dass er bei der stattgefundenen Umdeckung nicht ausreichend informiert worden sei. Der Leitsatz des Urteils formuliert das Gericht eindeutig:

"Bei einem Wechsel der Lebensversicherung muss der Versicherungsvermittler seinen Kunden insbesondere auf die Folgen und Risiken der vorzeitigen Kündigung einer bestehenden und des Abschlusses einer neuen Lebensversicherung hinweisen."

Der BGH sah auch eine Beweislastumkehr zulasten des Beraters. Nicht der Anleger musste in diesem Fall beweisen, dass er fehlerhaft beraten wurde. Der Vermittler musste den Nachweis erbringen, dass er fehlerfrei beraten hat, was dieser im vorliegenden Fall unterlassen hatte. Ihre Aufklärungspflichten im Detail In der Folge dieses BGH-Urteils bestehen bei Umdeckungen von Lebensversicherungen in Lebensversicherungen folgende Aufklärungspflichten für Vermittler:

  • Hinweis auf den zwischenzeitlichen Wegfall der Steuerfreiheit,

  • Hinweis auf das höhere Eintrittsalter mit der Folge höherer Prämien für die Absicherung des Lebensrisikos,

  • Hinweis auf den erneuten Anfall der Abschlusskosten,

  • Information über eine niedrigere Garantie.

Man darf sicher folgern, dass beim häufigeren Fall der Umdeckung von klassischen Lebensversicherungen in Fondspolicen auch das anders gelagerte Risiko der jeweiligen Investmentfonds und ggfs. deren Verwaltung thematisiert werden muss.

Fazit

Wer den Erfolg von Umdeckern in seinem Bestand verhindert, rettet damit häufig nicht nur Kundenbeziehungen, sondern auch die Altersversorgung seiner Kunden.

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