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28. KW: Mehr Unabhängigkeit durch ein Haftungsdach

Das Volumen der Kapitalanlagen, die von Haftungsdächern verwaltet werden, ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Das liegt vor allem daran, dass Bankmitarbeiter sich neuerdings lieber selbstständig machen.

Das Einzelkämpfertum ist bei Vermittlern im Versicherungs- und Finanzdienstleistungsbereich deutlich auf dem Rückzug, wie aktuelle Untersuchungen zeigen. So hat die Zahl derjenigen, die eine Anbindung an einen Maklerpool oder ein Haftungsdach gesucht haben, in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Dies dürfte sich eher noch verstärken, wenn im Januar 2018 die überarbeitete Finanzmarktrichtlinie Mifid II in Kraft tritt und voraussichtlich ein weiteres Mehr an administrativem Aufwand erforderlich ist.

Wenn ein Vermittler eine Zulassung nach § 34f Gewerbeordnung als Finanzanlagenvermittler hat, steht es ihm frei, Fonds ohne eine Anbindung an ein Haftungsdach zu vermitteln. Untersuchungen zeigen, dass die meisten Vermittler mit einer Zulassung nach § 34f die Zusammenarbeit mit einem Maklerpool bevorzugen, wenn sie Verwaltungsaufgaben auslagern wollen. Die Anbindung an ein Haftungsdach ist demnach für die Vermittler interessant, die eine solche Zulassung nicht haben oder ohne Einschränkungen auf die Fondsvermittlung ihre Kunden umfassend beraten wollen.

Lieber selbstständig: Die Wanderung der Bankmitarbeiter

Wie die Untersuchungen ferner zeigen, kommt der Zuwachs bei den Haftungsdächern deshalb auch nicht von freien Vermittlern, sondern von ehemaligen Bankmitarbeitern. Sie wollen damit einerseits der Unsicherheit entgehen, was in Zeiten von massivem Stellenabbau mittelfristig mit ihrem Arbeitsplatz geschieht, andererseits dem hohen Vertriebsdruck in den Banken und Sparkassen entschwinden. Unter einem Haftungsdach sind sie nicht auf die Produkte ihres Arbeitgebers bei der Beratung ihrer Kunden festgelegt, sondern können sie umfassender beraten.

Daneben gibt es im Bereich der Versicherungen Vermittler, die für den Verkauf von Fondsprodukten geschult werden. Hier kann ein konzerneigenes Haftungsdach den Erwerb der Zulassung nach § 34f überflüssig machen.

Haftungsdächer nehmen nicht jeden auf

Ganz ohne Voraussetzungen werden die in die Selbstständigkeit flüchtenden Vermittler und Banker aber von den Haftungsdächern nicht aufgenommen. Ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis und eine makellose Schufa-Auskunft werden ebenso selbstverständlich erwartet wie eine solide Berufsausbildung im Finanzdienstleistungsbereich - eine langjährige Berufserfahrung alleine reicht nicht aus. Für eine vergleichsweise günstige Monatspauschale und eine prozentuale Beteiligung an den Umsätzen ist der Vermittler dafür dann seine Sorgen los, im Falle einer falschen Beratung womöglich für einen Schaden in Millionenhöhe haften zu müssen.

Haftungsdach heißt nicht vogelfrei

Im Gegenzug dazu ist er aber unter einem Haftungsdach faktisch ein "gebundener Vermittler", das heißt, er ist auf die Produktauswahl beschränkt, für die das Unternehmen haftet. Deshalb sollte er vor der Anbindung genau prüfen, welches Haftungsdach zu ihm und seinen Vorstellungen von einer unabhängigen Kapitalanlagenvermittlung passt - ansonsten drohen ihm die gleichen Konflikte, die er bereits als angestellter Bankmitarbeiter hatte.

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