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24. KW: Wie sich die Versicherer die Kreativität Dritter zu Eigen machen

Autor: Yvonne Becker und Stefan Höhn

Die Gothaer stellte sich im Rahmen der InsurTech Cologne Mitte Mai dem Format "Disrupt me!". Das Modell aus den USA fordert die Teilnehmer heraus, Ideen zu erarbeiten und zu präsentieren, um die heutigen (klassischen) Geschäftsmodelle mit etwas "Neuem" anzugreifen. Ist das ein genialer Schachzug, um neue Anstöße für Veränderungen im Unternehmen zu bekommen?

Die Gothaer hatte für den "revolutionären Denkprozess" das Thema Absicherung der Berufsunfähigkeit gewählt. Nach einer allgemeinen Vorstellung des Konzepts von "Disrupt me!", der Versicherungsart und der bisherigen Geschäftsmodelle durften die Teilnehmer in 90 Sekunden erste Ideen für innovative Erneuerungen vorstellen. Darauf basierend wurden dann Teams für den großen Pitch gebildet. Die einzelnen Teams konnten dann ca. 4 Stunden an ihren Präsentationen arbeiten.

Zusammengesetzt aus Studenten, Beratern, Maklern und Mitarbeitern von Versicherungsunternehmen gab es insgesamt sieben Teams. Beim nachfolgenden Pitch konnte sich das Team mit dem Geschäftsmodell "SmartBU" durchsetzen und bei der abendlichen Preisverleihung als Gewinner hervorgehen.

Disrupt me! - Aber bitte nicht zu sehr

Innovation lebt natürlich immer mit der Umsetzung. Deshalb schließen sich auch die wichtigen Fragen an: Was passiert mit den Ideen? Was passiert, wenn 195 Jahre Versicherungserfahrung der Gothaer Startup-Kultur trifft? Die Ideen der Teams präsentieren sich eher evolutionär als revolutionär. Leider zeigte sich auch bei Disrupt.me! das Hauptproblem der Branche: Kreativität sprudelt bei einer Herausforderung wie dem Disrupt.me! natürlich ohne Schranken. Bei einer mehr als regulierten Branche fällt die Umsetzung wirklich neuer Ideen natürlich schwer.

Bei der Gothaer ist die Motivation für den Innovations-Workshop vielschichtig. Sie reicht von purer Neugierde, über nette PR-Aktivität bis hin zu der Aussage eines Mitarbeiters: "Wir haben die Unterstützung des Vorstands und wollen Gas geben". Es zeigt sich auch im Laufe der InsurTech Cologne, dass die Gothaer bereit ist, den richtigen Weg zu gehen. Denn bei der InsurTech-Konferenz am Folgetag greift der Versicherer das schöne Bild vom Startup als Schnellboot auf. Den Schnellbooten aus der Szene ein sicherer Hafen sein, das ist das erklärte Ziel.

Networking, Blockchain und hybride Beratung

Im Rahmen der InsurTech-Konferenz konnten rund 100 Teilnehmer in interaktiven Vorträgen und Paneldiskussionen mehr über aktuelle Erkenntnisse und den Status-Quo der InsurTech-Szene erfahren. Zu den Highlights zählte der Keynote Speaker, InsurTech-Treiber und -Gründer Dominik Groenen. Sein Versicherungs-Startup "Flypper" wird demnächst durch die Bafin zugelassen. Der Fokus des digitalen Versicherers liegt auf den Sparten Haftpflicht und Hausrat. Mithilfe eines Handwerkernetzwerks will er zum Beispiel die Kostenquote niedrig halten, um so seine Versicherungsprodukte kostengünstig anbieten zu können. Zur Zukunft der Maklerschaft hat Groenen ein klares Bild: "Der Kunde ist nicht 100 % digital, auch wenn in der Interaktion der Erfolg steckt. Er will einen menschlichen Ansprechpartner, sodass der Makler seine Berechtigung behält."

Die ARAG widmete sich zusammen mit ubirch, einem "Internet-of-Things"-Startup, sowie STARTPLATZ, Ausrichter der InsurTech Cologne, dem spannenden Thema "Blockchain". Veranschaulicht wurde der Einsatz in der Versicherungsbranche anhand einer Gruppenversicherung für alle Teilnehmer: Für jede Minute, in der die Luftqualität unter ein definiertes Niveau fiel, sollte jeder Teilnehmer 10 Cent bekommen. Die Daten der beiden Luftsensoren wurden in die Blockchain geschrieben, um unveränderlich zu sein. Letzter Zwischenstand bei der Konferenz waren knapp 2 EUR, die jeder Teilnehmer bekommen kann.

Im Folgenden stellten verschiedene Startups ihre Geschäftsmodelle vor. Neben Moneymeets, die mit Kunden ihre Provision teilen, präsentierte sich das Unternehmen AppSichern mit seinem Angebot, Mikroversicherungen wie z.B. eine Unfallversicherung für den Ausflug ins Stadion über eine App abschließen zu können.

Der Erfolg heißt Bewegung, egal wie!

Die InsurTech Cologne hat gezeigt, dass sich auch die klassische Versicherungsbranche bewegt. Nicht so schnell, wie die junge Gründerszene mit ihren InsurTechs, aber sie bewegt sich. Das Bewusstsein ist geschaffen, dass ein Veränderungsprozess in Gang gesetzt werden muss. Und wenn im Haus keine eigene Kreativschmiede geschaffen werden soll, dann lohnt es sich immer, sich mit kreativen Dritten zusammenzuschließen und gemeinsam etwas zu bewegen - wie bei der InsurTech Cologne.

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