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20. KW: Armuts- und Krankheitsrisiko nach der Pflege von Angehörigen

Die Hauptlast der Pflege liegt in Deutschland, anders als beispielsweise in den skandinavischen Ländern, bei den Familien und hier primär bei den Frauen, den Ehefrauen, Töchtern und Schwiegertöchtern. Derzeit gibt es 2,9 Mio. Pflegebedürftige in Deutschland. Davon werden 73 % (2,12 Mio.) zu Hause in den eigenen vier Wänden und knapp 1,4 Mio. durch nahe Verwandte ohne eine professionelle Hilfe versorgt. Eine Studie zeigt die Wünsche und Ängste der Gesellschaft in diesem Zusammenhang.

Gemäß einer Forsa-Studie im Auftrag der DAK-Pflege gaben pflegende Familienmitglieder an, dass rund 50 % der Kranken eine Betreuung in den eigenen vier Wänden wünscht. Für die Pflegenden sei häufig das Pflichtgefühl der ausschlaggebende Grund, diesem Wunsch auch zu entsprechen. 13 % gaben zudem an, dass die hohen Kosten außerhäuslicher Pflege mit ausschlaggebend sind. So müssten für eine vollstationäre Pflege abhängig vom Pflegegrad über 1.000 EUR pro Monat, oft auch deutlich mehr, selbst aufgebracht werden.

Ehepartner, Kinder, Geschwister geben ihre Jobs teilweise oder ganz auf, reduzierten für die Pflege ihre Arbeitszeit, um so ihre Angehörigen pflegen zu können.

Das Armutsrisiko der Pflegenden

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) beispielsweise kritisiert das daraus erwachsende Armutsrisiko pflegender Angehöriger. Grund: Das gezahlte Pflegegeld ersetzt keinesfalls eine Berufstätigkeit. Zwar werden für die Pflegenden Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung geleistet, doch die Ansprüche daraus sind relativ gering.

  • Pflegegrad 2 : Für die Vollzeitpflege eines Angehörigen mit Pflegegrad 2 werden knapp 0,26 Rentenpunkte pro Jahr gutgeschrieben. Je höher der Pflegegrad, desto mehr Rentenpunkte werden gutgeschrieben.

  • Pflegegrad 5 : Bei der Pflege eines Angehörigen mit diesem Pflegegrad kann eine Rente in der Höhe eines durchschnittlich verdienenden Vollzeitarbeitnehmers erzielt werden. Nach 29 Beitragsjahren erhält ein Durchschnittsverdiener eine Nettorente von 790 EUR.

Zudem berechnet sich der Anspruch danach, ob man die Pflege komplett selbst übernimmt (Bezug von Pflegegeld), ob man die Leistungen vollständig für einen Pflegedienst verwendet (Sachleistungen) oder ob man beides kombiniert nutzt (Kombinationsleistungen). Die Folge daraus: Je höher der Pflegebedarf und der Pflegeaufwand, desto stärker wird man professionelle Pflegedienste in Anspruch nehmen müssen und desto weniger wird beim pflegenden Angehörigen verbleiben. Zudem sind noch Rentenanwartschaften aus einer Teilzeitbeschäftigung oder einem möglichen Hartz-IV-Bezug zu berücksichtigen. Die neue Pflegereform geht der AWO deshalb nicht weit genug. Sie lindere zwar das Problem, löse es aber nicht, denn die Versorgung in Heimen sei vom zweiten Pflegegrad an doppelt so hoch teuer wie die Pflege zu Hause. Die Pflegeversicherung fängt erst dort voll an zu wirken, wenn die Familie nicht mehr kann. Das sei eine Grundsatzeinstellung in Deutschland - und diese habe auch die Reform nicht verändert.

Die Pflegereform

Die neue Pflegereform ist seit Januar 2017 in Kraft und bietet Leistungen für Pflegebedürftige zu Hause in Höhe von 125 EUR bis maximal 901 EUR monatlich und bei stationärer Heimpflege zwischen 125 EUR und bis zu 2.005 EUR, immer in Abhängigkeit der Einordnung in die fünf Pflegegrade.

Dass bei der Pflege durch Angehörige keine Lohnersatzzahlung erfolgt, sondern eine als Pflegegeld bezeichnete Anerkennungsprämie gezahlt wird, läuft in einem familienbasierten Pflegesystem wie dem deutschen darauf hinaus, dass den sich sorgenden Angehörigen die Rolle eines billigen Pflegedienstes zugewiesen wird. Überwiegend sind es dabei die Frauen, die die Kosten privat zu tragen haben, die der Gesetzgeber der Gemeinschaft der Steuer- und Beitragszahler erspart.

Der demografische Wandel führt dazu, dass ein familienbasiertes System weit stärker unter Druck gerät als beispielsweise die servicebasierten Systeme Skandinaviens.

Steigendes Krankheitsrisiko der Pflegenden

Mit dem eigenen Rentenbezug wird ersichtlich: Manch Angehöriger ist arm geworden durch seinen Pflegeeinsatz und dazu oftmals psychisch und physisch stark angeschlagen. Vielfach gehen auch die sozialen Kontakte verloren, die Freizeit zur Erholung und Regeneration. Die Pflegenden müssen eigene Familie, Beruf, Pflege unter einen Hut bringen, alles organisieren und am Laufen halten.

Sowohl Belastung als auch Überforderung steigen nochmals deutlich an, wenn die gepflegte Person dement ist. Bei jedem dritten Befragten ist das der Fall. Pflege wird dann zur Zerreißprobe - Familien und Beziehungen können daran zerbrechen, Schuldgefühle und psychische Erschöpfung überhandnehmen (wen dieses Thema beschäftigt, der sollte sich eines der Bücher von Martina Rosenberg zu Gemüte führen).

Es ist daher nur eine logische Folge, dass sich viele Pflegende überfordert fühlen. Gemäß Forsa-Umfrage schätzt über die Hälfte der pflegenden Angehörigen die eigene Belastung als hoch oder sehr hoch ein. Viele fühlen sich manchmal körperlich (50 %), psychisch (68 %) oder zeitlich (71 %) überfordert von der Pflege. Jede sechste Pflegeperson musste 2014 wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen wie etwa Rückenschmerzen zum Arzt. Unter den nicht-pflegenden Personen war nur jeder Zehnte betroffen.

Für das Beratungsgespräch: Das kommt auf uns zu

In Deutschland wird die Zahl der über Sechzigjährigen von 2005 bis 2030 um 8 Mio. auf 28,5 Mio. Bundesbürger steigen. Das entspricht rund 36 % statt bisher 25 % der Gesamtbevölkerung. Entsprechend steigt nach den Prognosen des Statistischen Bundesamtes (www.destatis.de) die Zahl der Pflegebedürftigen in der sozialen Pflegeversicherung von rund 2,4 Mio. im Jahr 2011 auf rund 3,4 Mio. im Jahr 2030. 2050 könnten es dann 4,37 Mio. sein.

Unter diesen Prämissen sollten sich eigentlich genügend Ansätze zur Information und Beratung durch Makler zum Thema Pflege finden lassen. Das Thema wird in den kommenden Jahrzehnten in der Gesellschaft noch zu massiven Veränderungen führen - daher ist es nie zu früh, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen und einen erfolgversprechenden Beratungsansatz zu finden.

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