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5. KW: Psychische Erkrankungen nehmen dramatisch zu – BGM als Lösung?

Mehrere Studien belegen, dass die Zahl der an psychischen Erkrankungen leidenden Berufstätigen dramatisch zunimmt. Der Anstieg ist beispiellos, bei keiner anderen Krankheitsart gibt es eine vergleichbare Entwicklung. So hat sich die Anzahl der durch psychische Erkrankungen verursachten Fehltage seit 1997 verdreifacht (209 %). Möglicher Lösungsansatz: Die Verbesserung des betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM).

ADP-Studie

Eine europaweite Studie des IT-Service-Unternehmens ADP stellte jüngst fest:

  • 91 % der Beschäftigten in Europa leiden unter Stress.

  • 47 % leiden gelegentlich unter Stress.

  • 44 % der Befragten gaben an, dass Stress am Arbeitsplatz ein ständiger Faktor ist und sie sich oft oder sehr oft gestresst fühlen.

  • Das Stressempfinden der Deutschen liegt dabei auf Platz zwei, Spitzenreiter sind die Polen - am wenigsten gestresst sind Schweizer und Niederländer.

  • 25 % fühlen sich vom Arbeitgeber beim Umgang mit Stress nicht unterstützt.

  • 19 % meinen, dass sich ihr Arbeitgeber der Stressbelastung nicht bewusst ist.

  • 5 % erwägen angesichts der Belastung einen Arbeitsplatzwechsel.

DAK-Psychoreport

Wie ist die Lage in Deutschland? Der DAK-Psychoreport zeigt hierzulande recht dramatische Entwicklungen auf. Im vergangenen Jahr war jeder 20. Arbeitnehmer wegen eines psychischen Leidens krankgeschrieben.

  • Ausgehend von diesen Daten sind hochgerechnet 1,9 Mio. Berufstätige betroffen.

  • Die meisten Arbeitnehmer fehlten wegen Depressionen.

„Psychische Krisen sind keine Befindlichkeitsstörungen, sie können sich zu ernstzunehmenden Krankheiten entwickeln“, sagt Dr. Hans-Peter Unger, Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit, Asklepios Klinik Hamburg-Harburg, der die DAK-Auswertung fachlich begleitet hat. „Sie stellen nicht nur das Gesundheitssystem, sondern die ganze Gesellschaft vor eine große Herausforderung. Vor allem Unternehmen müssen sich auf diese Problematik einlassen und mit gezielter Prävention gegensteuern.“

Diagnosen wie Depressionen, Angststörungen und andere psychische Leiden verursachten im vergangenen Jahr knapp 17 % aller Fehltage. Auf 100 DAK-Versicherte entfielen 237 Ausfalltage.

Sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern gibt es einen deutlichen Anstieg bei den Fehltagen durch psychische Erkrankungen. Während im Jahr 1997 die Zahl der Ausfalltage pro hundert weibliche DAK-Versicherte 94 betrug, waren es 2014 bereits 303 Tage. Bei den Männern waren es 1997 lediglich 62 Fehltage pro 100 Versicherte (bis 2014 ist dieser Wert auf 181 Tage angestiegen). Trotz des unterschiedlichen Niveaus verläuft die Entwicklung bei beiden Geschlechtern also nahezu synchron.

iga.Report

Ein Bericht der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) führt auch solche Belastungsfaktoren an, die bisher noch nicht ausführlich untersucht wurden. Bei diesen vermuten die Wissenschaftler, dass sie ein Risiko für die Gesundheit darstellen können.

Zu den gesundheitsgefährdenden Belastungen zählen demnach:

  • hohe Arbeitsintensität,

  • geringer Handlungsspielraum,

  • Überstunden,

  • Schichtarbeit,

  • geringe soziale Unterstützung,

  • Rollenstress,

  • aggressives Verhalten am Arbeitsplatz,

  • Arbeitsplatzunsicherheit,

  • Ungleichgewicht zwischen geforderter Leistung und Wertschätzung bzw. Belohnung,

  • geringer Handlungsspielraum bei hoher Arbeitsintensität sowie

  • geringe soziale Unterstützung bei geringem Handlungsspielraum und hoher Arbeitsintensität.

Burden of Disease-Studie der WHO

Die „Burden of Disease-Studie“ der WHO belegt, dass im Vergleich der Volkskrankheiten in den Industrienationen die meisten Beeinträchtigungen durch Depressionen verursacht werden – noch vor Demenz oder Diabetes. Der Grund: Psychische Erkrankungen sind häufig und nehmen weiter zu, sie dauern vergleichsweise lange an und die Lebensqualität wird stark beeinträchtigt.

Arbeitgeber in der Pflicht?

Über den aktuellen eigenen Arbeitgeber sagen mehr als die Hälfte der Befragten laut einer Continentale-Studie aus dem Jahr 2013 , dass er sie bei der Vereinbarkeit ihres Arbeits- und Privatlebens zu unterstützen versuche. Maßnahmen des BGM haben sich aber noch nicht in jedem Betrieb fest etabliert.

Eine knappe Mehrheit der Arbeitnehmer hat zwar flexible Arbeitszeiten und einen ergonomisch gesund gestalteten Arbeitsplatz, aber medizinische Angebote, gesunde Ernährungsangebote, Seminare oder Trainings, Sportangebote, Suchtmittelentwöhnung sowie aktive Pausenangebote (Sport, Entspannungsübungen oder Massagen) stehen meist nicht zur Verfügung. Jeder achte Arbeitnehmer hat einen Arbeitgeber, der ihm gar keine der aufgezählten Maßnahmen bietet.

Das BGM ist zudem unterschiedlich verbreitet:

  • Große Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern generell mehr Maßnahmen als kleine.

  • Im Westen stehen Arbeitnehmern mehr Angebote zur Verfügung als im Osten.

  • Auch die Art der Berufstätigkeit macht einen Unterschied aus: Angestellte können von mehr Maßnahmen profitieren als Arbeiter.

BGM als Lösungsansatz

Arbeitnehmer wünschen sich mehr Angebote im Bereich BGM, finden sie in hohem Maße sinnvoll und wichtig. Die beliebtesten Maßnahmen bei den Arbeitnehmern sind flexible Arbeitszeiten, eine gesunde Arbeitsplatzgestaltung, medizinische Angebote und die Möglichkeit gesunder Ernährung. Zum Schutz vor Stresserkrankungen und Burnout wünschen sich viele Mitarbeiter darüber hinaus ein besseres Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben. Auch flexible Arbeitszeitregelungen und vielfältige Arbeitsaufgaben können entscheidende Faktoren zur Entlastung und Motivation von Mitarbeitern sein.

Oftmals wird letztendlich aber mehr gewünscht als tatsächlich genutzt wird. und einen großen Einfluss auf die Arbeitgeberwahl hat das BGM nicht.

Dennoch ist ein betriebliches Gesundheitsmanagement ein wichtiger Weg, den Unternehmen gehen können, um den Belastungen der Arbeitnehmer wirksam entgegenzutreten.