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29. KW: Der Weg der Lebensversicherungen

chon im letzten Jahr stand die Branche kurz vor dem endgültigen Untergang der klassischen Lebensversicherung. Der Höchstrechnungszins sollte vollständig der Vergangenheit angehören und abgeschafft werden. Das wurde abgewendet - jetzt wird der Rechnungszins zum 01.01.2017 auf 0,90 % gesenkt - und dies wird noch einmal den Druck auf die Kosten in der Lebensversicherung erhöhen.

Selbst eine reine Beitragsgarantie, die bei vielen neuen Produkten vorgesehen wird, lässt sich angesichts von Negativzinsen nur als höchst optimistisch und eventuell - wenn sich, wie überwiegend erwartet wird, die Niedrigzinsphase weiter fortsetzt - extrem belastend bezeichnen.

Wie sollen selbst niedrige Garantien von 1,25 % und 1,75 % der letzten Jahre zukünftig bedient werden, wenn die Zinsen weiter so niedrig bleiben und Reserven dahinschmelzen bzw. bereits aufgebraucht sind?

Hier einige Lösungsansätze:

  • Kosten senken - insbesondere Vermittlungskosten Die Lebensversicherer werden bei den klassischen Tarifen, die immerhin im letzten Jahr noch 59 % der Neuvertragsabschlüsse erzielten, an den Abschlussprovisionen drehen müssen - ansonsten werden noch nicht einmal die 0,9 % zu schaffen sein. Allerdings müssen sich die Lebensversicherer auf Konflikte mit ihren Vertrieben einstellen, die schon durch neue Vergütungsmodelle aufgrund des Lebensversicherungsreformgesetzes belastet worden sind.So mussten die kalkulatorischen Abschlusskosten um 2,5 % der Beitragssumme gesenkt und ein höherer Anteil der Vergütung auf die gesamte Laufzeit des Vertrages verteilt werden. Das bedeutet gerade für die kleineren und mittleren Lebensversicherer zusätzliche Unruhe und Druck auf die Kosten, denn große Anbieter haben sich schon weitgehend aus dem Geschäft mit den klassischen Garantieprodukten zurückgezogen - die anderen noch nicht.

  • Neue Produkte generieren Wer es nicht schafft die Kosten zu senken und keine hohen Reserven im Hintergrund besitzt oder diese schon abgeschmolzen sind, der muss sich besser früher als später mit dem Thema neue Produkte ohne belastende und teure Garantien beschäftigen und gleichzeitig Kompetenz im Investmentbereich aufbauen. Einige große Anbieter haben es in den letzten Jahren und Monaten bereits richtungsweisend vorexerziert: Allianz, Axa, Ergo, HDI, Generali, Zurich, mit alternativen Garantieformen bzw. weitgehend ohne traditionelle Garantien, zuletzt die Debeka, Gothaer und Alte Leipziger mit Produkten, die der "Neuen Klassik" zuzurechnen sind. Letztere arbeiten weiterhin mit einem kollektiven Deckungsstock.Die Folge wird sein, dass nun immer mehr kleinere Anbieter solche Produkte in ihr Produktangebot aufnehmen müssen, da sie keine Kostensenkungspotenziale besitzen. Bei vielen dürfte der Anteil von klassischen Rententarifen am Neugeschäft noch deutlich über den o.g. 59 % liegen. Ziel muss es vielmehr sein gegenüber den Banken konkurrenzfähige Produkte anbieten zu können, die insbesondere bei der Wiederanlage von Einmalbeiträgen aus ablaufenden Kapitallebensversicherungen attraktiv erscheinen können. Denn klassische Garantien sind teuer und kaum mehr bezahlbar. Viele werden sich dabei noch die Parallelwelten Klassik und Neue Klassik bzw. Beitragsgarantie leisten müssen oder wollen, da der Kunde Garantieprodukte gewöhnt ist und die Veränderung Zeit benötigt.

  • Aufgabe der Altersvorsorgeprodukte Andere wiederum werden sich unauffällig aus dem Altersvorsorgemarkt verabschieden und ihre Produkte aus dem Markt nehmen. Auch der Run-Off von Beständen und der Verkauf von Marktanteilen an die ehemalige Konkurrenz ist dabei anzunehmen.

  • Lebenslange Rentengarantien aufgeben Das Langlebigkeitsrisiko ist - neben dem Zinsrisiko - eine große Herausforderung. Die Lebenserwartung steigt weiter an, die Lebensversicherer müssen dementsprechend ihre Kalkulation darauf ausrichten und anpassen. Das klassische Kalkulationsmodell der Lebensversicherung funktioniert bei diesen Niedrigzinsen nicht mehr. Das Alleinstellungsmerkmal "lebenslange Rentengarantien", das als Alleinstellungsmerkmal insbesondere den Unterschied zu Bankangeboten ausmachte, ist zunehmend unattraktiv geworden, da sie zu viel kostet. Es ist also an der Zeit eine Umgestaltung der Garantien auch für die Rentenphase vorzunehmen. Auch dies ist kein einfaches Unterfangen, da die jahrzehntelangen Selbstverständlichkeiten aufgegeben werden müssen - und dies gilt für den Kunden ebenso wie für die Vermittler und Anbieter.

  • Zinszusatzreserve Die Zinszusatzreserve belastet die Lebensversicherer, andererseits reduzieren die Zuführungen die Garantieverpflichtungen. Aber wenn sich die Entwicklung so darstellt wie von Standard & Poors als mögliches Szenario prognostiziert, dann wird unter gleichbleibenden Rahmenbedingungen ein Absinken des Referenzzinses auf 1,08 % im Jahr 2021 erwartet. Bis 2022 würde er sogar auf unter 0,9 % fallen. Denkt man diese Prognose weiter, dann würden die neuen Garantiezinsen ab 01.01.2017 bereits nach fünf Jahren in 2012 nicht mehr zu erfüllen sein. Gleichzeitig würde die Zinszusatzreserve bis 2021 auf rd. 80 Mrd. EUR ansteigen - derzeit beträgt sie rd. 32 Mrd. EUR. Spätestens bis zu diesem Zeitpunkt dürfte der feste Garantiezins ausgedient haben. Assekurata kommt sogar zu noch dramatischeren Erwartungen von 125 Mrd. bis 225 Mrd. Euro Zinszusatzreservebedarf bis 2025. Auf der Aktivseite der Lebensversicherer stehen derzeit aber nur rd. 70 Mrd. EUR an stillen Reserven.

Die ersten Geschäftsberichte der Lebensversicherer weisen heute schon keine Überschussbeteiligung bis zur Tarifgeneration mit einer Garantieverzinsung von 2,75 % aus. Und in den folgenden Jahren werden auch noch die Tarifgenerationen mit den geringeren Garantiezinsen betroffen sein.Anbieter und Vermittler suchen in solchen Zeiten insbesondere ihr Heil in Fondspolicen, Indexpolicen, neuen Produkten - es stellen sich hier aber die gleichen Herausforderungen wie schon bei den Klassiktarifen. Die Kosten müssen niedrig, das Produkt sollte aus Kunden- und Vermittlersicht transparent und verständlich sein. Wird kein Kapitalertrag erwirtschaftet, kann auch kein Geld mehr in die Index-Beteiligung oder die Fondsanlage fließen. Hier ergibt sich ein grundlegendes Dilemma: Was soll man dann noch empfehlen?