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20. KW: Die neue ImmVermV – Mehr Belastung als Entlastung?

Autor: Volker H. Grabis

In dem Wort „Verordnung“ steckt das Wort „Ordnung“. Laut Duden bedeutet Ordnung ein übersichtlicher Zustand. Doch was steckt eigentlich wirklich hinter der neuen Verordnung für Immobiliendarlehnsvermittler (ImmVermV) und welche Auswirkung hat dies auf den freien Finanzierungsberater?

Im Vorwort der ImmVermV wird u.a. erklärt, dass ausschließlich europäisches Recht zur Anwendung kommt und die „Bürokratiebremse“ keine Berücksichtigung findet. Auf der Homepage der Bundesregierung findet man hierzu folgende Aussage:

„Die sog. "One in, one out – Regel" gilt grundsätzlich für alle Regelungsvorhaben der Bundesregierung, die sich auf den laufenden Erfüllungsaufwand für die Wirtschaft auswirken. Kern dieses Ansatzes ist es, dass jedes Bundesministerium im gleichen Maße, in dem es durch neue Regelungen Belastungen für die Wirtschaft aufbaut, an anderer Stelle Belastungen abbaut.“

Im Klartext

Hier wurde eine Verordnung geschaffen, die mehr und mehr Belastung für die Wirtschaft bewirkt, ohne dass im gleichen Maße für eine Entlastung gesorgt wurde. Wie dieses von den verantwortlichen Politikern umgesetzt wurde, möchte ich an einem kleinen Beispiel verdeutlichen:

Die ImmVermV soll u.a. regeln, wer als sachkundig gilt und wer zusätzlich eine Prüfung vor der IHK abzulegen hat. Hierzu gibt es in Anlehnung an die schon regulierten Bereiche der gewerbsmäßigen Berufsausübung nach § 34 d, e, f und h GewO einen Bereich der gleichgestellten Berufsqualifikation. Zu dieser Berufsgruppe gehören z.B. alle Immobilienkaufleute und Bank- bzw. Sparkassenkaufleute.

Mit Sicherheit verfügen die Absolventen dieser Ausbildungsberufe auch über ein umfangreiches Fachwissen zum Thema der Baufinanzierung. Wie aktuell dieses Wissen und ob es noch zeitgemäß ist, wird hier nicht beurteilt. Es wird weiterhin als gleichgestellte Berufsqualifikation der Kaufmann/frau für Versicherungen und Finanzen mit der Fachrichtung „Finanzen“ genannt. Hierzu gibt es Hinweise, dass alle nach dem 01.08.2014 abgelegten Abschlussprüfungen nur anerkannt werden, wenn der Absolvent die Wahlmöglichkeit „Private Immobilienfinanzierung und Versicherungen“ gewählt hat.

Interessanterweise wird auf Grund einer Verwaltungsvorschrift im Gegenzug der klassische Versicherungskaufmann als Vorläufer dieser neuen Ausbildungsreihe per se als gleichgestellte Berufsqualifikation anerkannt. Die Sinnhaftigkeit einer solchen Regelung im Sinne des Verbraucherschutzes ist nicht nachzuvollziehen.

Aber es kommt noch besser…

Der Fachberater für Finanzdienstleistungen IHK hat seine heutigen Ausbildungsschwerpunkte u.a. auch im Bereich „Privatkundenberatung zu Immobilien und Finanzierungen“. Die Themen sind dem Wissenstand eines Bankkaufmanns oder Kaufmanns für Versicherungen und Finanzen mit der Wahlmöglichkeit „Private Immobilienfinanzierung und Versicherungen“ vergleichbar. Dennoch darf der Fachberater nur mit einer Berufserfahrung von zwei Jahren als gleichgestellte Berufsqualifikation anerkannt werden.

Nun fällt dem aufmerksamen Betrachter dieser Verordnung auf: wenn ich heute den Abschluss zum Fachberater mache, benötige ich zwei Jahre Berufserfahrung im Bereich der Immobiliardarlehnsvermittlung. Nur wie erhalte ich eine Zulassung nach § 34 i GewO, um diese Anforderung erfüllen zu können?

Während sich die Verantwortlichen beim Kaufmann für Versicherungen und Finanzen richtig ins Zeug legten und nur die Qualifikationen akzeptierten, welche über ein entsprechende Ausbildung verfügen, wurde hier ein sehr guter Ausbildungsgang mit dieser Berufspraxisregelung zum Tode verurteilt. Die Verantwortlichen wurden auf diesen Missstand frühzeitig hingewiesen und zur Nachbesserung aufgefordert, dennoch wurde dieser Missstand nicht beseitigt.

Dafür wurde aber im § 20 ImmVermV eine bemerkenswerte Ausnahmeregelung eingefügt. In diesem Paragrafen wird den deutschen Bausparkassen zu Liebe der nicht staatliche Abschluss einer Interessengemeinschaft einer Sachkundeprüfung ausschließlich zum Thema Bausparen und Bausparfinanzierung als gleichgestellte Berufsqualifikation anerkannt. Wer also noch im Februar 2016 schnell diese Prüfung ablegte und über keinerlei Berufserfahrung verfügt, darf sich sachkundig nennen.

Kuriose Sichtweise

Kurios die Wahrnehmung der Verantwortlichen dieser Verordnung zum Schutze des Verbrauchers. Auf der einen Seite werden Anforderungen wie beim Fachberater gestellt, die einer sachlichen Überprüfung nicht standhalten. Während auf der anderen Seite, eine „Schmalspurausbildung“ zur Vermittlung von Immobiliardarlehn ausreicht.

Dieses Unverständnis hat schon viele Vermittler an den Sachverstand der Verantwortlichen mit Recht zweifeln lassen. Doch wenn schon bei einer so kleinen Verordnung die Interessen einer Lobby den Sinn einer Verordnung verbiegen, was wird dann erst bei großen Abkommen wie dem TTIP?

Fazit

Wir Finanzdienstleister brauchen in Zukunft eine starke Lobby und dürfen nicht mehr den anderen das Spielfeld überlassen, wenn wir faire und gute Regelungen haben wollen. Vielleicht hat ein Teilnehmer meines Seminars zur Prüfungsvorbereitung für die Deutsche Makler Akademie mit seiner Aussage recht: „Alle Vermittler sollten diese Prüfung ablegen, denn auch er als „alter Hase“ hat durch den Kurs viel Neues erfahren und wertvolle Tipps für die praktische Arbeit erhalten.“

Dann würde zumindest Gleichheit für alle herrschen…