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Berateralltag: Hilfe, mein Kunde hat geschlossene Fonds geerbt

News-Datum: 27.09.2017
Verfasst von: Helmut Kapferer
Thema: [keine Angabe]
Referenz: JURION 2017, 366805

Der Fall, dass geschlossene Fonds vererbt werden, dürfte in den nächsten Jahren immer häufiger vorkommen. Schließlich ist der Exit bei dieser Anlageform eher selten und die Beteiligten aus den letzten zwanzig Jahren werden nicht jünger. Auf die Erben geschlossener Fondsbeteiligungen kommen Risiken zu, die wohl kaum einer erwartet haben dürfte und die teilweise knapp terminierte Reaktionen erfordern. Da kann sich der Berater als kompetenter Ratgeber darstellen.

Erbschaftsteuer

Die Erbschaftsteuer wird von den Finanzverwaltungen meist auf der Wertbasis einer Anfrage bei der Fondsgesellschaft/dem Initiator ermittelt. Dort werden dann verständlicherweise eher hohe Werte genannt, unabhängig davon, ob der Fonds überhaupt werthaltig ist oder nicht. Im negativen Fall bezahlt der Erbe Erbschaftsteuer auf eine wertlose Beteiligung.

Beteiligungsstand

Den tatsächlichen aktuellen Wert eines geschlossenen Fonds festzustellen, ist aufgrund der sehr weitgehenden vom Gesetzgeber aber geduldeten Intransparenz der geschlossenen Fonds so gut wie unmöglich. Deshalb kann sich der Erbe auch kaum ein Bild davon machen, was auf ihn zukommt, wenn er die Beteiligung endgültig übernimmt. Folgt er der Statistik, wonach, so die Stiftung Warentest, in der Vergangenheit nach Fondsauflösung nur 6 % der geschlossenen Fonds das prospektierte Ergebnis erreicht haben, ist die Erbschaft geschlossener Fonds eher mit Vorsicht zu genießen.

Aufteilung des Erbes

Viele geschlossene Fonds können nur an einen einzelnen Erben übertragen werden. Das kann bei mehreren Erben angesichts der oben dargestellten Intransparenz des Fonds und der daraus resultierenden weitgehenden Unmöglichkeit der korrekten Wertfeststellung inklusive Erbschaftsteuerproblematik den Familienfrieden nachhaltig stören.

Rettungsanker Zweitmarkt

Der Zweitmarkt für geschlossene Fonds wird immer wieder als Ausweg genannt, um Beteiligungen zu versilbern oder um den "echten" Wert festzustellen. Dieser Weg ist jedoch nur selten begehbar, denn nur wenige Fonds weisen regelmäßige Umsätze auf. Bei problematischen Fondskategorien wie den Schiffsfonds finden kaum Umsätze statt, sodass dort gelistete frühere Kurse oft Monate und Jahre "alt" sind. Außerdem ist die Liquidität an diesem Markt so gering, dass Kursmanipulationen mit geringstem finanziellem Aufwand möglich sind.

Rückzahlung erhaltener Ausschüttungen

Die derzeitige Rechtslage lässt keinen Zweifel daran, dass der Insolvenzverwalter ausgezahlte Ausschüttungen, die nicht aus Unternehmenserträgen stammen, sondern aus dem Kapital entnommen wurden, im Insolvenzfall zurückfordern kann. Das hört sich zwar alles sehr exotisch an, ist jedoch bei geschlossenen Fondsbeteiligungen eher der Normalfall. Bei vielen Fonds wurden/werden z.B. noch während der Emissionsphase Ausschüttungen bezahlt, die noch nicht verdient sein können. Wer also einen geschlossenen Fonds erbt, eventuell, gemessen am tatsächlichen Wert viel zu viel Erbschaftsteuern bezahlt und dann noch Ausschüttungen zurückzahlen muss, die er nie erhalten hat, für den kann sich ein solches Erbe zum Alptraum entwickeln.

Lösungsansätze & Termine

Im schlimmsten Fall hilft nur noch, das Erbe auszuschlagen. Dies ist jedoch immer nur für das gesamte Erbe möglich, weshalb auch dieser Weg selten sinnvoll ist. Der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Felix Fehrenbach, Waldshut und Freiburg verweist auf die Möglichkeit einer Nachlassverwaltung. So kann dafür gesorgt werden, dass sich die Haftung für Nachlassverbindlichkeiten auf den Nachlass beschränkt und nicht das eigene Vermögen betroffen ist. Vor allem aber rät er dazu, sich nach dem Erbfall sehr kurzfristig mit den geerbten geschlossenen Fonds zu befassen und ggfs. im Kreis der Erben Übereinstimmung über das weitere Vorgehen zu erzielen. Das Erbe kann nämlich nur innerhalb von sechs Wochen, gerechnet vom Zeitpunkt der Kenntnis, ausgeschlagen werden. Zumindest bei umfangreicheren Beteiligungen an geschlossenen Fonds sollte nach seiner Meinung sehr kurzfristig ein in den Sachgebieten Erbrecht und Bank- und Kapitalmarktrecht erfahrener Rechtsanwalt hinzugezogen werden.

Fazit

Erben muss nicht immer eine gute Nachricht sein.