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OLG Hamm: Hohes Schmerzensgeld nach ärztlichen Behandlungsfehlern bei Geburtshilfe

News-Datum: 13.07.2017
Verfasst von: [keine Angabe]
Thema: [keine Angabe]
Referenz: JURION 2017, 362632

Das OLG Hamm hat einem Kind, das mit schweren Hirnschäden geboren wurde, mit Urteil vom 04.04.2017 - 26 U 88/16 ein Schmerzensgeld in Höhe von 250.000 EUR zugesprochen. Es handelt sich um ein weiteres Urteil des OLG Hamm, welches exemplarisch zeigt, dass die Höhe von Schadenersatzleistungen wegen ärztlicher Behandlungsfehler in den letzten Jahren erheblich zugenommen hat. Dies wiederum hat auch Auswirkungen auf die Arzt- bzw. die Krankenhaushaftpflichtversicherung.

Der Fall

Der heute neun Jahre alte Kläger wurde im Oktober 2007 im beklagten Klinikum unter geburtshilflicher Betreuung zweier mitverklagter Ärzte geboren. Nach einem mehrstündigen Aufenthalt im Kreißsaal, in dem die Kindesmutter und das ungeborene Kind u.a. zeitweise durch eine Cardiotocographie (CTG) überwacht wurden, entschlossen sich die Ärzte zu einer Sectio. Der Kläger wurde mit einer Nabelschnurumschlingung entbunden und zeigte in seiner weiteren Entwicklung die Folgen einer hypoxischen Hirnschädigung. Er leidet heute an einer allgemeinen Entwicklungsstörung, die seinen Intellekt, seine Sprache und seine motorischen Fähigkeiten dauerhaft einschränkt, außerdem an einer Epilepsie.

Vertreten durch seine Eltern nahm der Kläger die Beklagten auf Schadenersatz in Anspruch, insbesondere auf Zahlung eines Schmerzensgeldes.

Die Entscheidung

Die Schadenersatzklage war erfolgreich. Das Oberlandesgerichts Hamm setzte das Schmerzensgeld bei 250.000 EUR an.

Den beklagten Ärzten waren bei der geburtshilflichen Betreuung der Mutter des Klägers aus Sicht des Gerichts mehrere Behandlungsfehler unterlaufen. Sie hatten es behandlungsfehlerhaft unterlassen, das Geburtsgeschehen mittels einer Dauer-CTG zu überwachen. Bereits das erste CTG sei als pathologisch zu bewerten gewesen und habe für eine Sectio gesprochen. Ab dem zweiten pathologischen CTG hätten die Ärzte für eine ständige ärztliche Präsenz mit einer halbstündigen Kontrolle Sorge tragen müssen. Dann wäre die Indikation für die Sectio früher gestellt worden.

Außerdem sei die dann später vorgenommene Sectio nicht als Not-Sectio ausgeführt worden, was wegen der bereits vorliegenden pathologischen CTG-Befunde aber geboten gewesen sei.

Die genannten Behandlungsfehler bewertete das OLG als grob, sodass die Beklagten in vollem Umfang für die beim Kläger aufgetretenen Schäden haften musste. Dem Kläger kam insoweit eine Beweislastumkehr zugute.

Bei der Bemessung der Höhe des Schmerzensgeldes waren insbesondere die gravierenden gesundheitlichen Nachteile zu berücksichtigen, die der Kläger erlitten hatte. Der Kläger werde in seiner Entwicklung allenfalls die Stufe eines sieben- bis achtjährigen Kindes erreichen, nie allein leben können und später voraussichtlich auch feststellen, dass er gegenüber anderen Menschen ein geistiges Defizit habe, was nach Einschätzung des Sachverständigen zu einem besonderen Leidensdruck führe.