Einloggen nicht vergessen oder Gratistest nutzen!

Sie können nur als eingeloggter User auf die Inhalte des Wissenspools zugreifen. Bitte loggen Sie sich deshalb mit Ihren Zugangsdaten ein oder bestellen Sie die VersicherungsPraxis24 über unser Registrierungsformular - selbstverständlich mit der Möglichkeit zum 4-Wochen-Gratistest!

November 2016: Stolperfallen im Maklergeschäft mit digitalen Lösungen begegnen

Auf der letzten DKM wurde von Wolters Kluwer der neue Smartlaw-Branchentarif vorgestellt. Vermittler können über diesen digitalen Service rechtssichere Vertragsdokumente erstellen und verwalten. Der Rechtsexperte hinter dem Smartlaw-Branchentarif ist Rechtsanwalt Norman Wirth, Gründer und Mitinhaber der Kanzlei Wirth Rechtsanwälte in Berlin. Im Gespräch mit VersicherungsPraxis24 erläuterte er die Beweggründe für diese Zusammenarbeit und die besonderen Vorteile einer digitalen Lösung für das Maklergeschäft.

Was reizt Sie als Anwalt, bei diesem digitalen Angebot von Wolters Kluwer mitzumachen?

Wirth: Aus meiner täglichen Arbeit sehe ich, dass viele Makler, insbesondere wenn sie Einzelkämpfer sind, mit veralteten Verträgen arbeiten. Sie haben sich vielleicht vor zehn Jahren einen Mustervertrag professionell erstellen lassen. Der fatale Fehler ist jedoch, dass sie noch heute mit dem Muster arbeiten. Ein erneutes Update bzw. eine Überprüfung des Mustervertrages hat es nie gegeben. Durch unsere Spezialisierung in der Kanzlei begleiten wir die Branche schon seit vielen Jahren sehr intensiv. Wir bekommen täglich solche veralteten Maklerverträge vorgelegt. Wir hatten uns deshalb schon länger überlegt, eigene Maklerverträge anzubieten und dafür z.B. eine App zu entwickeln. Da kam von Smartlaw die Anfrage für eine Zusammenarbeit sehr passend. Die Smartlaw-Technologie hat uns von Anfang an überzeugt. Warum also etwas neu erfinden, wenn es bereits etwas Gutes am Markt gibt, was wir durch unsere Expertise wirkungsvoll ergänzen können. Der Bedarf für eine digitale Lösung zur Erstellung von Rechtsdokumenten ist eindeutig da und wir können uns jetzt auf die fachlichen Inhalte konzentrieren.

Könnte ein Makler auch gänzlich auf einen schriftlichen Vertrag verzichten, um so der Gefahr, mit veralteten Verträgen zu arbeiten, zu entgehen?

Wirth: Grundsätzlich ist die Schriftform der Verträge nicht vorgeschrieben. Aber wenn nichts Schriftliches vorliegt, gilt das Gesetz mit sehr umfassenden Ansprüchen der Kunden. Der Vermittler hat bei einem schriftlichen Vertrag die Möglichkeit, seine Rechte und Pflichten präzise zu definieren und auf bestimmte Sparten und Dienstleistungen einzuschränken. Damit kann er auch seine Haftung begrenzen, die ohne schriftlichen Vertrag definitiv umfassender ist. Ich rate deshalb immer zu einem schriftlichen Maklervertrag.

Was sind die Folgen, die Vermittlern aus der Verwendung unzureichender Rechtsdokumente entstehen können?

Wirth: Im Sommer dieses Jahres gab es zum Beispiel eine große Abmahnwelle. Es ging dabei oft um scheinbare Kleinigkeiten, wie ein nicht formgerechtes Impressum. Dutzenden Maklern wurde die gelbe Karte gezeigt. Diese Abmahnungen sind in der Branche keine Seltenheit. Vermittler müssen sich darauf einstellen, dass ihre öffentlich zugänglichen Dokumente wie Impressum, Signatur oder Erstinformation im Rahmen einer gesteuerten Abmahnwelle unter die Lupe genommen werden. Denn Abmahnungen werden leider oftmals zur Gewinnerzielung missbraucht. Das dient nur den Anwälten und Vermittlern oder Beratern, die das lostreten. Ich selbst verurteile dieses Vorgehen sehr und finde es wirklich unnötig, sich wegen so etwas gegenseitig anzugehen. Man sollte zum Telefonhörer greifen und den Kollegen darauf hinweisen, wenn man wirklich einen Fehler entdeckt.

Sie nennen die Erstinformation oder das Impressum. Auf den ersten Blick erscheinen diese Dokumente ja sehr einfach. Was sind die typischen abmahnfähigen Fehlerquellen?

Wirth: Das können fehlerhafte Angaben zu den Schlichtungsstellen, zu der kostenpflichtigen Telefonnummer des DIHK oder zur Vergütung sein. Bei den Angaben der zuständigen Personen bei juristischen Personen wie GmbH oder GmbH & Co. KG sind auch vielfältige Fehlerquellen vorhanden, die leicht zu sehr kostenpflichtigen Abmahnungen führen können.

Vermittler haben ja schon vor der DKM auf digitale Lösungen zur Vertragsgestaltung zurückgreifen können. Wie unterscheidet sich Ihr bzw. das Smartlaw-Angebot von den übrigen Branchenlösungen?

Wirth: Smartlaw ist bereits im Jahr 2012 mit der Idee gestartet, Menschen dabei zu unterstützen, individualisierte Verträge und Rechtsdokumente einfach, schnell und sicher online erstellen zu können. Die Technologie ist also schon eine lange Zeit im Einsatz, entsprechend ausgefeilt und anwenderfreundlich. Inhaltlich haben wir den Branchentarif für Vermittler zunächst mit acht relevanten Dokumenten gefüllt. Vermittler können Maklervertrag, Maklervollmacht, Beratungs- & Dokumentationsverzicht, Datenschutzerklärung, Erstinformation, E-Mail-Signatur, Impressum sowie die Einwilligung in die Kontaktaufnahme über das Onlinesystem gestalten. Dabei sind wir mit einer absoluten Neuheit am Markt gestartet: Der Erstinformation, die auch den § 34i GewO berücksichtigt. Eine weitere Besonderheit findet sich im Smartlaw-Rechtsradar. Bei Rechtsänderungen, die für bereits erstellte Vertragsdokumente relevant sind, sendet das System eine entsprechende Benachrichtigung an den Vermittler. Damit kann er seine Vertragsdokumente überprüfen und eventuell notwendige Anpassungen vornehmen. Durch die Digitalisierung der Verträge ist der Vermittler also deutlich schneller informiert und gegen Abmahnungen oder Rechtsstreitigkeiten abgesichert.

Planen Sie einen Ausbau des Smartlaw-Angebotes?

Wirth: Ja. Die Präsentation des Branchentarifs auf der DKM war der Anfang. Wir haben seit Beginn der Zusammenarbeit zahlreiche Ideen zum Ausbau der Vertragsdokumente im Hinterkopf. Und auch die Präsenz auf der DKM hat dazu geführt, dass wir im Gespräch mit interessierten Vermittlern oder anderen Branchenteilnehmern zusätzlich Anstöße für die Weiterentwicklung bekommen haben. Details wollen wir aber natürlich erst bei entsprechender Reifung der Ideen kommunizieren. Wer uns mit seinen Ideen unterstützen möchte, kann mit Wolters Kluwer gerne Kontakt aufnehmen unter info@smartlaw.de.

Mit der Umsetzung der IDD-Richtlinie in deutsches Recht werden wir viel zu tun bekommen und das Angebot definitiv um wichtige Dokumente erweitern. So wird die Frage der Versicherungsanlageprodukte und die entsprechende Dokumentation eine wesentliche Rolle spielen. Grundsätzlich können wir sagen, dass alles zu den notwendigen Dokumenten für Makler mit der Zulassung nach § 34d Gewerbeordnung nach Umsetzung der IDD und für Vermittler mit der Zulassung nach § 34f Gewerbeordnung nach Umsetzung von MiFid2 eingearbeitet wird. Wir kennen die Notwendigkeiten von morgen!

Wirth_November.jpg

Norman Wirth ,
Gründer und Mitinhaber der Kanzlei Wirth Rechtsanwälte in Berlin