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März 2016: Flexibler Schutz statt Einheitslösung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist aktuell in den Fokus der Kritik aus politischen Kreisen geraten. Gerhard Schick, der finanzpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, fordert eine grundlegende Reform und gesetzliche Standards, um zu verhindern, dass sich die Versicherer „undurchsichtiger Klauseln im Kleingedruckten“ bedienten, weil sie im Leistungsfall am liebsten überhaupt nichts zahlen möchten. Zu den Pionieren von alternativen Angeboten zur Berufsunfähigkeitsversicherung auf dem deutschen Markt gehört Canada Life. Sie ist seit dem Jahr 2000 in Deutschland präsent und brachte als erster Versicherer eine Grundfähigkeitsversicherung auf den Markt, bei der der Verlust von bestimmten Fähigkeiten wie Hände gebrauchen oder Hören versichert werden kann. Ebenfalls Vorreiter war die Canada Life bei den Dread-Disease-Versicherungen, mit denen das Eintreten von schweren Erkrankungen abgesichert wird. Mit Bernhard Rapp, dem stellvertretenden Niederlassungsleiter und Direktor Marketing und Produktmanagement, sprach Versicherungspraxis24 über die grundsätzliche Kritik an der Berufsunfähigkeitsversicherung und die möglichen Alternativen.

Herr Rapp, Gerhard Schick, der finanzpolitische Sprecher der Grünen im Deutschen Bundestag, hat vor kurzem gefordert, dass es gesetzliche Standards für die Berufsunfähigkeitsversicherung geben müsse, die den „juristischen Scharmützeln der Versicherer ein Ende setzen“. Können Sie diese Kritik nachempfinden?

Rapp: Eigentlich nicht. Es gibt natürlich Scharmützel. Aber doch nicht in dem Maße, dass man sagen müsste, die private Berufsunfähigkeitsversicherung hat versagt. Für die meisten Bürger ist hier eine Absicherung möglich und sinnvoll. Im Jahr 2000 hat der Gesetzgeber die gesetzliche Berufsunfähigkeitsversicherung drastisch zurückgefahren und für alle, die nach 1961 geboren sind, den Versicherungsschutz stark reduziert. Sie können heute höchstens noch 370 bis 662 EUR als Rente bekommen. Gerade deshalb ist eine Ergänzung durch eine private Absicherung dringend nötig.

Die Kritik an der Berufsunfähigkeitsversicherung zielt ja aber auch darauf ab, dass die Prämien zu hoch und für viele nicht mehr erschwinglich sind. Wie sehen Sie das?

Rapp: Das ist sehr unterschiedlich. Für akademische Berufe kann der Versicherungsschutz recht preisgünstig sein. Für andere dagegen, beispielsweise aus handwerklichen Berufen, ist er tatsächlich teurer. Dadurch entstand die Forderung nach Veränderungen, weil die Absicherung angeblich generell nicht mehr finanzierbar sei. Grundsätzlich hat sich die Berufsunfähigkeitsversicherung eher hin zu einer Versicherung für „sichere“ Berufe entwickelt, für körperlich fordernde Berufe können Alternativen sinnvoll sein.

Herr Schick äußert ja auch die Kritik, dass es zu viele Klauseln gibt und fordert, dass dies durch gesetzliche Regelungen verhindert werden sollte. Wie beurteilen Sie diese Kritik und Schlussfolgerung?

Rapp: Ich teile diese Kritik nicht. Der Staat wäre überfordert, wenn er alles regeln müsste – es ist besser, dies dem Markt zu überlassen. Unsere Aufgabe als Versicherer ist es, Alternativen zu einer staatlichen Absicherung zu schaffen. Und Aufgabe der Vermittler ist es, für Kunden das individuell richtige Angebot zu finden. Dafür sind Makler als unabhängige Berater prädestiniert. So ist es ja richtig, dass ein Handwerker, der darauf angewiesen ist, körperlich arbeiten zu können, viel schneller krank werden kann und deshalb umso dringender eine Absicherung braucht. Gleichzeitig muss er aber für eine BU-Rente von 1.500 EUR zwischen 100 und 200 EUR netto im Monat zahlen, was für ihn ziemlich viel ist. Ich will also nicht abstreiten, dass für körperlich Tätige höhere Beiträge ein grundsätzliches Thema sind, aber auch für den genannten Handwerker gibt es bereits gute Alternativen: Bei einer Grundfähigkeitsversicherung müsste er nur ca. 50 EUR zahlen, wenn er bis 67 Jahre mit 1.500 EUR Rente abgesichert sein will.

Was könnte die Versicherungswirtschaft von sich aus tun, um diesen Einwänden gegen die Berufsunfähigkeitsversicherung zu begegnen?

Rapp: Man kann die Entwicklung nicht zurückdrehen. Es ist Fakt, dass die Berufsgruppen hier auseinanderdriften, und dass sich das eher noch ausweiten wird. Die Branche reagiert hier durchaus mit Alternativangeboten, es ist nicht so, als würde sie warten, bis der Staat eingreift.

Wirkt sich die Niedrigzinsphase auch auf die Berufsunfähigkeitsversicherung aus?

Rapp: Ja. Denn die niedrigen Zinsen begünstigen einen möglichen Anstieg der Prämie. Sofern es keinen Fixbeitrag gibt, kann die Nettoprämie bis auf die höhere Bruttoprämie angehoben werden. Üblicherweise ist die Leistung garantiert, deshalb erhöhen sich die Beiträge, wie in der PKV oder in der Sachversicherung. Das kann für eine Krankenschwester bedeuten, dass bei einer garantierten Rente von 1.000 EUR die Prämie von durchschnittlich 76 EUR bis auf im Schnitt 122 EUR steigt. Aber es geht auch anders: Unser Berufsunfähigkeitsschutz, den wir seit 2014 anbieten, hat einen Fixbeitrag, der nicht ansteigen kann – außer, der Kunde möchte auch seinen Versicherungsschutz erhöhen.

Canada Life ist ja seit dem Jahr 2000 auf dem deutschen Markt aktiv. Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihren BU-Produkten gemacht?

Rapp: Wir haben 2000 als erstes Produkt eine Grundfähigkeitsversicherung auf den Markt gebracht, zwei Jahre später eine Dread-Disease-Versicherung. Mittlerweile gibt es etwa 15 Grundfähigkeits-Versicherungsprodukte und bis zu zehn Anbieter von Dread-Disease-Versicherungen. Bei beiden Produkten geht es nicht darum, ob der Versicherte noch ganz oder teilweise arbeitsfähig ist. Bei der Grundfähigkeitsversicherung bekommt er eine Rente, bei der Dread-Disease-Versicherung eine Kapitalleistung, wenn der bedingungsgemäße Leistungsfall eintritt.

Und was ist, wenn er wieder gesund wird?

Rapp: Das hat keine Auswirkungen auf die Leistung. Beide Versicherungen zahlen unabhängig davon, ob der Kunde arbeitet oder nicht. Die Dread-Disease-Versicherung umfasst bei uns 46 Krankheiten, wobei die zehn wichtigsten Krankheiten 90 u.a. der Leistungsfälle ausmachen. Hierzu zählt neben Herzinfarkt, Schlaganfall und Krebs u.a. auch ein schwerer Unfall mit Koma. Die Grundfähigkeitsversicherung werden wir ab Mai in zwei Varianten anbieten – eine Premium-Variante, die leicht teurer wird als das bisherige Produkt, das als Basisprodukt etwas reduzierter, aber dafür noch günstiger sein wird. So wollen wir Kunden noch optimalere Lösungen bieten. Denn die Grundfähigkeitsversicherung ist vielfach auch bei Vorerkrankungen möglich, die bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung nicht oder nur zu einem höheren Preis versicherbar wären.

Ist das nicht eine ähnliche Entwicklung wie in den Anfängen der Berufsunfähigkeitsversicherung?

Rapp: Ein ganz klein wenig klingt die Spirale auch hier an. Das war bei der Berufsunfähigkeitsversicherung auch eine Folge der Ratings, die für eine gute Bewertung verlangt haben, dass beispielsweise die abstrakte Verweisung gestrichen wird. Die Produkte sind dadurch natürlich immer besser geworden, aber das hat sie auch verteuert. Im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung ist die Grundfähigkeitsversicherung auch mit hervorragendem Rating weiterhin für körperlich arbeitende Personen gut bezahlbar. Das sollte man also nicht überbewerten.

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Bernhard Rapp ,
Direktor Marketing und Produktmanagement Canada Life