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8. KW: Neue Tarifwechselleitlinien für die PKV in Kraft

Seit dem 01.01.2016 gelten auf freiwilliger Basis für ca. 80 % des Marktes der privaten Krankenversicherer neue Regelungen hinsichtlich des Tarifwechsels innerhalb der Gesellschaft. Mit den "Leitlinien der privaten Krankenversicherung für einen transparenten und kundenorientierten Tarifwechsel" wollen die Versicherer zeigen, dass es keine Probleme mehr bei der Umsetzung des gesetzlich verbrieften Tarifwechsels innerhalb desselben Unternehmens gibt. Den Kritikern soll so der Wind aus den Segeln genommen werden.

Grundsätzlich besitzen privat Krankenversicherte das Recht, jederzeit in einen günstigeren Tarif innerhalb ihrer Gesellschaft zu wechseln. Da ein Wechsel innerhalb einer Gesellschaft in einen anderen Tarif für die Gesellschaft meist mit einer Beitragseinbuße verbunden war oder ist, wurde dies bislang von den Anbietern von privaten Krankenversicherungen nur wenig aktiv unterstützt bzw. erschwert oder gar verwehrt. Die Branche wurde deshalb zu Recht kritisiert, denn tatsächlich haben alle privaten Krankenversicherte nach § 204 VVG einen Rechtsanspruch darauf, in gleichartige Tarife des eigenen Versicherers zu wechseln.

Konsequenz

So verhalfen die PKV-Unternehmen (ungewollt) einem neuen Geschäftsmodell zum Erfolg – einer professionellen Tarifwechselberatung - den sog. Tarif- oder Beitragsoptimierern, also Dienstleistern mit hoher finanzieller Eigenmotivation. Das konnte die Branche so nicht mehr länger hinnehmen.

Alternativangebote

Jetzt sollen Versicherte schon deutlich früher über mögliche und sinnvolle Alternativangebote informiert werden. Laut PKV-Verbandsaussagen gehen die neuen Auflagen deutlich über das bisher schon geltende Recht hinaus:

  • So erhalten die Versicherten bei Beitragsanpassungen künftig bereits ab dem 55. Lebensjahr konkrete Tarifalternativen aufgezeigt – das sind fünf Jahre früher als es gesetzlich vorgesehen ist.

  • Zudem verpflichten sich die teilnehmenden Unternehmen, Kundenanfragen innerhalb von 15 Tagen zu beantworten.

  • Zudem verpflichten sie sich, die Versicherten individuell über einen Tarifwechsel zu beraten.

  • Damit nicht der Anschein entsteht, dass das jeweilige Auswahlverfahren mehr im Interesse des privaten Krankenversicherers als im Interesse der Kunden stehen könnte, haben sich alle Unternehmen bereit erklärt, ihre Auswahlkriterien durch einen Wirtschaftsprüfer überprüfen zu lassen.

  • Auf Wunsch kann sich der Versicherte seine Beratung auch protokollieren lassen. Damit soll dann ein Höchstmaß an Objektivität garantiert werden.

Folge

Die Versicherten sollten die von ihrer Krankenversicherung vorgeschlagenen Tarife aber in jedem Fall genau prüfen. Denn das Tarifauswahlsystem kann entweder zum Vorteil des Versicherten genutzt werden, indem ihm alle für ihn sinnvollen Tarife aufgezeigt werden oder zum Vorteil des Versicherers, der Tarife vorschlägt, die ihm hinsichtlich des Tarifwechsels am besten passen.

Teilnahmequote

Es haben sich noch nicht alle Anbieter zu den neuen Auflagen bekannt. Die PKV-Unternehmen, die den Leitlinien beigetreten sind, repräsentieren rund 80 % des Marktes. Allerdings sollen dem Vernehmen nach auch einige bekannte Namen unter den Verweigerern sein. Schließlich bleibt abzuwarten, ob dem Abkommen alle privaten Krankenversicherer beitreten werden – schließlich ist dies freiwillig.

Literaturtipp

„Privat oder gesetzlich versichert? – Wie Sie Ihre Kunden optimal bei der Entscheidung unterstützen“

Egal ob als Berater, Versicherungsvermittler, gesetzliche Krankenkasse, privater Krankenversicherer, Arbeitgeber, Verbraucherschutzvereinigung oder als Versicherter selbst: Um bewusst zu entscheiden, ob eine private Krankenversicherung (PKV) oder doch lieber die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) für den Einzelnen in Betracht kommt, bedarf es einer gewissen Grundkenntnis der Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Krankenversicherungssysteme. Diese werden im neu aufgelegten Leitfaden "Privat oder gesetzlich versichert" von Autor Michael Sieker Schritt für Schritt und mithilfe diverser Entscheidungsschemata erklärt und vorgestellt.

Weitere Informationen im Wolters Kluwer Shop .