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48. KW: Finanzberater: Wie geht es nach dem Kurzcheck weiter?

Im Thema der Woche aus der KW 44 "Finanzberater: Kurzcheck von Graumarktanlagen bzw. geschlossenen Fonds" haben wir drei einfach durchzuführende Checks, mit denen "die größten Gefahrenherde" aus Graumarktanlagen identifiziert werden können, dargestellt. Im Folgenden geht es nun darum, die Optionen, die sich dem Finanzberater nach dem Kurzcheck bieten, zu analysieren und zu bewerten.

Hintergrund

In der Regel gehört es bisher nicht zu den Pflichten des Finanzberaters, seine Kunden zu betreuen, auch nicht bezüglich des Kundenvermögens. Umstritten ist jedoch, ob er seine Kunden auf Vermögensteile hinweisen muss, die problematisch sein könnten. Immerhin gehört zum Analyseteil der Finanzberatung inzwischen eine vollständige Vermögensaufstellung.

Vermögensteile, die z.B. offensichtlich nicht zur jeweiligen Kundenstruktur passen, sollten auf jeden Fall benannt werden, auch wenn die Rechtsprechung dazu noch nicht ausgereift ist. Wann der Berater branchenbekannte Problemanlagen benennen oder kennen muss, ist noch nicht einfach zu beantworten. Die Erwartung, dass es in ein paar Jahren eine ausgereifte und anlegerfreundliche und auch "Altfälle"-einbeziehende Rechtsprechung dazu gibt, ist angesichts vergleichbarer Entwicklungen in der Vergangenheit sehr realistisch.

Beim Thema Kundenbeziehungen ist die Sache ohnehin klar. Wenn der Kunde seinem neuen Berater bei der Erstanalyse eine Vermögensaufstellung geliefert hat, dann erwartet er selbstverständlich und aus seiner Sicht auch zwingend logisch, dass ihn sein Berater auf problematische Vermögensteile aufmerksam macht und eine Lösung anbietet.

Hier zwei aus Verständnisgründen etwas grob geschnitzte Beispiele:

Fall 1: In der Vermögensaufstellung eines Freiberuflers, dessen Finanzanlagen der privaten Altersvorsorge dienen, befinden sich in erheblichem Umfang Unternehmensbeteiligungen in Form von Kommandit-, GBR - und Genossenschaftsbeteiligungen, sowie Graumarktanlagen in Form von Genussscheinen und Nachrangdarlehn. Finanzberater, die das einfach in der Kundenakte abheften, ohne weiter darauf einzugehen, dürften bei Schäden mithaften.

Fall 2: In der Vermögensaufstellung eines Kunden befindet sich eine Anlage, über die in diversen Medien bereits negativ berichtet wird. Finanzberater, die auch in diesem Fall den Kunden nicht aufklären, könnten - je nach weiterem Verlauf und je nachdem, ob der Berater die jeweiligen Medienberichte hätte kennen müssen - auch in diesem Fall haften.

Problem: Beratungsfehler eines Kollegen

Um gleich das subtilste Problem, das leider besonders häufig auftaucht, anzusprechen, gehen wir zunächst beispielhaft von folgendem Fall aus: Ein Kollege hat dem Anleger eindeutig erkennbar ein vollkommen ungeeignetes Produkt verkauft, bei dem nun auch noch ein Totalverlust der Einlage droht. Den Kollegen nunmehr dadurch zu schützen, dass man dem eigenen Kunden das Problem verschweigt, ist nicht nur unethisch sondern meist unklug. Im Extremfall kann das dazu führen, dass der schützende Berater selbst in die Haftung gerät. Außerdem drohen auf jeden Fall Kundenverlust oder mindestens erschwerte Arbeitsbedingungen, wenn die negative Entwicklung bei dem entsprechenden Produkt dann auch eintritt.

Noch schlimmer kann es den Berater allerdings dann treffen, wenn er fälschlicherweise ein Problem zu erkennen glaubt, das sich dann als nicht existent entpuppt. Der Kunde wird ihm kaum weiterhin sein Vertrauen schenken. Auch vorschnell beschuldigte Kollegen könnten ihn wegen Geschäftsschädigung verklagen.

Problem: Wissen und Erfahrung

Ist die Beratung eines Kunden zu einem Graumarktprodukt oder geschlossenen Fonds schon eine anspruchsvolle Aufgabe, die viel Fachwissen und Erfahrung erfordert, dann ist die Recherche zu Graumarktprodukten und Fonds ungleich anspruchsvoller. Auch ist der Umgang mit dem für die Problematik Verantwortlichen bei Interessewahrung für den Kunden keine Tätigkeit, die in den branchenspezifischen Aus- und Fortbildungsveranstaltungen vorkommt.

Wichtiger Rat an Berater und Vermittler

Besteht der Verdacht auf einen Problemfall, dann gehört dieser Fall in die Hände von Fachleuten. Berater und Vermittler sollten sich hüten, dazu z.B. wertende Aussagen nach dem Motto "das wird schon wieder" zu machen. Am sinnvollsten ist es für Berater und Vermittler, im Rahmen eines protokollierten Beratungsgesprächs dem Kunden offenzulegen, welche Auffälligkeiten entdeckt wurden und ihm für den Fall, dass er zu reagieren gedenkt, einige Fachadressen zur Verfügung zu stellen. bzw. die Herstellung eines entsprechenden Kontakts anzubieten. Der Finanzberater sollte den gesamten Prozess hautnah mitverfolgen, bei der Beantwortung von Nachfragen mithelfen und als Gesprächspartner für seinen Kunden zur Verfügung stehen.

Wer kann denn helfen?

Der Umgang mit Problemfällen der beschriebenen Art setzt zwei Grundqualifikationen voraus: Fachwissen und fachspezifisches Rechtswissen, beides möglichst gepaart mit einschlägiger Erfahrung. Dass beides in einer Person, z.B. bei einem spezialisierten Fachanwalt für Bank und Kapitalmarktrecht vorhanden ist, ist zwar möglich, aber von Fall zu Fall dann doch wieder relativ selten. Das Problem ist, dass ohne das Fachwissen auch die Bemühungen eines sehr guten Anwalts ins Leere gehen können. Andererseits hilft es nichts, das Problem fachlich zu durchdringen, wenn kein Anwalt zur Stelle ist, der die richtigen juristischen Schritte einleitet. Auf anderen Rechtsgebieten behilft man sich mit Gutachtern, die es im Bereich der Finanzen nur selten gibt und deren Unabhängigkeit ebenso selten gegeben ist.

Die ideale Hilfekombination

Die ideale Hilfekombination ist meist ein Fachrechercheur und ein erfahrener Rechtsanwalt. Ein wichtiges Problem sind oft die Kosten. Besteht eine entsprechende Rechtsschutzversicherung, so könnten die Kosten des Rechtsanwalts schon mal gedeckt sein. Es fallen dann alleine die Kosten des Rechercheurs an.

Schritt für Schritt

  • Schritt 1: "Was ist passiert?" und "Ist überhaupt etwas passiert?"Zu Beginn gibt es zunächst meist nur einen Verdacht. Der kann auch falsch sein. Es ist auch möglich, dass der Fall aus vielerlei Gründen aussichtslos ist. Um diese Unsicherheiten zu beseitigen, bieten Rechercheunternehmen und manche Anwälte häufig eine kostenlose überschlägige Erstdurchsicht von vorhandenen Unterlagen an. Das Ergebnis dieser Erstdurchsicht enthält, neben der entsprechenden Einschätzung ggf. einen Vorschlag zum weiteren Vorgehen und eine Honorar-/Kostenschätzung.

  • Schritt 2: Der Rechercheur wird tätigWill der sich geschädigt fühlende Anleger weiter um sein Geld kämpfen, benötigt er gute Argumente und beauftragt deshalb den Rechercheur, der dann den Fall aufarbeitet. Ein Teil der Arbeit ist neben der Aufarbeitung der Unterlagen z.B. die Rekonstruktion der Abläufe bei Vertragsabschluss. Das muss mit großer Sorgfalt erfolgen. Alleine die Checkliste zum Beratungsverlauf der Deutschen Finanz Recherche GmbH in Freiburg umfasst rund 50 Fragen.

  • Schritt 3: Entscheidung für oder gegen die Inanspruchnahme eines RechtsanwaltsLiegen die fachlichen Fakten auf dem Tisch, geht es um die Entscheidung, ob ein Anwalt eingeschaltet werden soll. Auch wenn es zunächst "nur" um einen Brief an den "Hauptschuldigen" mit der Forderung nach Rückabwicklung geht, kann ein Anwaltsbrief oft mehr bewirken, als ein Schreiben des Rechercheurs oder des Anlegers. Es geht hier natürlich wieder um Kosten, um das Vorhandensein einer Rechtsschutzversicherung, usw.

  • Schritt 4: Der Anwalt übernimmtAb jetzt wird ein Anwalt übernehmen müssen. Manche Anleger glauben den meist unseriösen Anbietern, die, sicher nicht uneigennützig, in Rundschreiben an ihre "Kunden" vor den "bösen" Anlegeranwälten warnen. Der Rechercheur wird in der Regel nur mit ihm kooperierende Anwälte empfehlen.

Die Rolle des Beraters in diesem Prozess

Der Finanzberater, der diesen Prozess angestoßen hat, ist für den Kunden, unabhängig vom Ausgang der Aktion, in aller Regel der ultimative Ratgeber geworden, dem er dauerhaft sein Vertrauen schenkt. Man hat schließlich gemeinsam eine Krise durchgestanden.

Fazit

Der Finanzberater wird zum echten Partner des Kunden.

Lesetipp

Hier geht es zum Thema der Woche aus der KW 44 "Finanzberater: Kurzcheck von Graumarktanlagen bzw. geschlossenen Fonds"