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16. KW: Kommentar: Wohnimmobilienkreditrichtlinie – persönlich und deutlich

Autor: Gerrit Operhalsky

Lieber Gesetzgeber, es gibt zurzeit wahrlich wichtigere Themen, aber es muss auch Zeit für die Wohnimmobilienkreditrichtlinie sein. „Zeit“, ganz passend wenn es um die neue Richtlinie geht. Denn die hast Du Dir gelassen... Zwei Jahre lang wusstest Du, dass der 21.03.2016 kommen wird und trotzdem wurde aus der Umsetzung der EU-Vorgaben in deutsches Recht keine „runde Sache“. Stattdessen wird „auf den letzten Drücker“ ein Gesetz verabschiedet, dem es noch an Verordnungen und Vorschriften mangelt.

Tausende Vermittler, Makler und Berater, zuletzt natürlich auch die Banken und Versicherungen als Kreditgeber sind verunsichert und sauer. Wie stellt man sich nun für die Zukunft auf? Aus einem Wirrwarr von Gerüchten, Mutmaßungen und juristischen Interpretationen sucht sich gerade jeder seinen Weg. Ja klar, den „Widerrufsjoker“ hast Du abgewürgt, aber das derzeitige „Fischen im Trüben“ wird auch in Zukunft wieder arbeitswütige Anwälte und Verbraucherschützer animieren, den Kreditgebern aus falsch gesetzten Punkten und fehlender Fettschrift im „ESIS-Roman“ einen Strick zu drehen.

Verbraucherschutz – ein schützenswertes Gut

Ach ja, der Verbraucherschutz. In der Tat ein schützenswertes Gut. Jeder Vermittler, der sein Brot damit verdient, wird sich auch diesen Grundsatz auf die Fahnen schreiben. Aber welche Vorteile hat diese EU-weite Glättung für den Kunden? Da wären seitenweise mehr Papier mit Kleingedrucktem, das kein „Normalverbraucher“ mehr versteht. Vorschriften, die keinem Schutz, sondern eher einer Entmündigung des Verbrauchers gleichkommen. Vom Riesenvorteil, dass der Verbraucher dank des neuen ESIS nun europaweit Darlehnsangebote vergleichen kann, nicht zu sprechen. Wenn man ein Haus kaufen will, hat man ja auch nichts anderes zu tun, als sich noch Darlehnsangebote aus Frankreich und Finnland einzuholen!

Aber es kommt noch besser

Auch hier hast Du, lieber Gesetzgeber, wieder gezeigt, wie weit entfernt von der Praxis man regieren kann. Die neue Richtlinie legt noch mehr Wert auf die Liquidität des Kunden. Knallhart gibt es ein Kreditvergabeverbot, wenn sich der Kunde während der Laufzeit vorhersehbaren und unvorhersehbaren Ereignissen ausgesetzt sieht, die ihn quasi in die Pleite treiben. Kinder kriegen? Nein, nicht wenn Du bauen willst. Mit 67 in Rente? Nein, nicht wenn Du das Darlehn haben willst, da kannst Du mit 73 dran denken. Schon mal darüber nachgedacht, wer in aller Regel Wohneigentum erwerben will? Bestimmt nicht nur die Top-Verdiener zwischen 30 und 50, die haben ihr Häuschen schon!

Zum Kopfschütteln

Die Vorgaben sind nicht nur zum Kopfschütteln, nein, sie sind irrsinnig. Im Umkehrschluss bedeutet dies, die Kreditgeber hätten diese Punkte in der Vergangenheit nicht berücksichtigt. Aber warum nur sind die Ausfallquoten dann so gering? So ganz falsch haben die Banken in der Vergangenheit wohl doch nicht gelegen. In der Zukunft jedoch wird es für viele Kreditwillige bei den Kreditgebern ein „NEIN“ geben. Nicht einschätzbare Rechtsfolgen, wenn in der Haushaltsrechnung 5 EUR fehlen, oder die zweite Hinterkomma-Stelle beim effektiven Jahreszins nicht stimmt, lassen Banken und Versicherer wohl kaum Spielraum.

Lassen wir uns überraschen, welchem Bereich der Finanz- und Versicherungslandschaft die nächste Fußfessel angelegt wird.

Mit freundlichen Grüßen

Ein genervter Berater und Kunde.