Thema der Woche

 

Helmut Kapferer
Bankkaufmann, Fachjournalist und Fondsmanager

Sagenhafte Festzinsangebote als Anlegertrost in Pandemiezeiten

Bonds, ISA oder Loans mit angeblichen Zinsauszahlungen in Höhe von 6 bis 15 %, wobei die Zinszahlung auch wahlweise in vierteljährlichen oder gar monatlichen Raten erfolgen kann, werden derzeit zuhauf angeboten. Das ist natürlich angesichts unserer ansonsten trostlosen Zinslandschaft mehr als verlockend. Aber Vorsicht!

Hintergrund

Ein bisschen Englisch sollten Interessenten unbedingt beherrschen: Bonds, sind Anleihen, ISA ist das englische Sparbuch und Loans sind Darlehn, wobei der Anleger als Darlehnsgeber fungiert. Die Bezeichnung der Anbieterfirma setzt sich meist aus ein paar professionell klingenden englischen Begriffen zusammen. Der Firmensitz ist entweder in London oder auf einer Südseeinsel. Die Firmeninhaber werden nicht namentlich bekanntgegeben und der Kontaktmann, der sich am Telefon gemeldet hat, arbeitet ausschließlich per Handy und sein Name ist Peter Müller, oder Jochen Krämer oder ähnlich.

Um in den Genuss der hohen Zinsen zu gelangen, muss man nur sein Geld auf ein Konto, das Herr Müller oder Krämer angibt, überweisen. Manchmal wird die erste Zinsrate auch tatsächlich überwiesen, aber das ist eher selten der Fall.

Für die Anbieter geht es, das ahnt der hoffnungsvolle Anleger dann nach kurzer Zeit, gar nicht um Zinsen, sondern um seine Einzahlung. Meist bricht nach einiger Zeit der Kontakt zu Müller oder Krämer ab. Die Handynummer gibt es nicht mehr. Der Anbieter ist spurlos verschwunden und mit ihm das gute Geld.

Recherche

Die Vorgehensweisen der betrügerischen Anbieter von Festzinsanlagen ist clever. Sie arbeiten mit einer Form der Firmenrotation, die äußerst schwer zu recherchieren ist. Ihre Kunden vor solchen Reinfällen zu bewahren, können eigentlich nur die etatmäßigen Finanzberater vor Ort. Die Abläufe sind von Anbieter zu Anbieter sehr ähnlich, oft absolut identisch.

Schritt 1: Entschluss des Anbieters zur Teilnahme an diesem Geschäft

Schritt 2: Kreation eines gut klingenden Firmennamens – ein Eintrag in ein Firmenregister oder in das Register der Finanzaufsicht erfolgt nicht.

Schritt 3: Kreation einer Homepage - sie gleichen sich oft sehr weitgehend, sodass davon auszugehen ist, dass man sich die Arbeit der Erstellung einer eigenen Homepage schenkt und stattdessen in eine bereits bestehende Homepage seinen gerade ausgedachten Firmennamen einsetzt.

Schritt 4: Einschaltung eines erfolgreichen Kundenkommunikators. Solche „Experten“ sind allerdings nur in beschränkter Zahl am Markt verfügbar und recht teuer. Sie wissen schließlich, dass der Erfolg des Betruges nur dann eintritt, wenn sie in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Kunden zum Einzahlen bewegen können.

Schritt 5: Eröffnung eines Kontos bei einer deutschen Bank – beliebt sind Sparkassen und Volksbanken wegen ihres guten Rufs. Kontoinhaber ist oft ein mehr oder weniger ahnungsloser Privatmann. Der Kundenkommunikator (Er tritt als Berater auf!) gibt den von ihm überredeten Anlegern zum Zweck der Einzahlung die Kontonummer der Volksbank an. Der Anleger weiß natürlich nicht, dass dieses Konto nur ein Durchgangskonto ist. Was dort eingeht, wird direkt weitertransferiert über mehrere weitere Bankadressen, bis das Geld schließlich in einem sicheren Geldwäschehafen in der Südsee angelangt ist.

Schritt 6: Sobald jemand auf die Firma aufmerksam wird und kritisch nachfragt, werden sofort alle Tätigkeiten dieser Firma eingestellt. Weil die Firma nicht registriert ist, hinterlässt sie keine Spuren. Ebenso wenig der Kommunikator, der mit Prepaid-Handy und unter falschem Namen gearbeitet hat.

Schritt 7: Der Anbieter beginnt oft sofort ein neues Geschäft unter einer anderen Firma, aber mit derselben Homepage und demselben Kommunikator und der mit neuem Prepaid-Handy und jetzt unter dem Namen Otto Meier o.ä.

Zwischen dem ersten Schritt des Anbieters und Schritt 6 vergehen oft nur wenige Wochen, oder Tage. BaFin, Polizei, Staatsanwaltshaft usw. sind bei dieser Vorgehensweise weitgehend machtlos.

Was kann der Finanzberater tun?

Finanzberater sollten ihre Kunden über diese Vorgehensweisen aufklären und so verhindern, dass diese auf einen solchen Betrug hereinfallen. Im Wettbewerb mit Internetanbietern ist für die Finanzberater eine solche Aufklärung wichtig, weil sie sich so als Partner des Anlegers darstellen können, der für seine Kunden eine wichtige Rolle als Ansprechpartner spielt.

Warum unternimmt der Gesetzgeber nichts?

Gegen die beschriebene Art des Finanzbetruges sind die Waffen des Gesetzgebers eher stumpf, zumal dieses Vorgehen jenseits jeder möglichen staatlichen Wahrnehmung stattfindet. Nur die rechtzeitige und sinnvolle Aufklärung der Anleger, siehe oben, kann die Anlagekatastrophe wirklich verhindern. Solange sich die Regierungen weltweit nicht darauf einigen können, die Geldwäschedestinationen in die Schranken zu weisen, solange ist auch das Anlegergeld kaum wiederbeschaffbar.