Thema der Woche

 

Dr. Henriette Meissner, Geschäftsführerin der Stuttgarter Vorsorge-Management GmbH, Stuttgart

Die digitale Rentenübersicht kommt: Ein echtes Plus für die Beratung

Schon länger steht auf dem Wunschzettel der Politik die sogenannte digitale Rentenübersicht. In einem Portal sollen alle ihre jeweiligen Ansprüche auf Altersversorgung einsehen können. Dabei soll ein Überblick über die Vorsorge in allen drei Säulen möglich sein: gesetzliche Rentenversicherung, betriebliche Altersversorgung und private Altersversorgung. Ziel ist es, den Kenntnisstand des Einzelnen über seine Altersversorgung zu verbessern. Das funktioniert schon heute sehr gut in Ländern wie z.B. Schweden, Dänemark oder den Niederlanden.

Jetzt liegt ein Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) vor (Rentenübersichtsgesetz), der bis zum Jahresende Gesetz werden soll.

Der Fahrplan sieht so aus:

  • Bis Jahresende Inkraftreten des Gesetzes.
  • 2021-Mitte 2022 Entwicklungsphase des Portals.
  • Mitte 2022 - Ende 2023 Erste Betriebs- und Testphase mit freiwilligen Teilnehmern.
  • Ab Ende 2023 wahrscheinlich stufenweise Teilnahmeverpflichtung für Versorgungseinrichtungen.

Die digitale Rentenübersicht wird in einem eigenen Bereich der Deutschen Rentenversicherung Bund (zentrale Stelle für die Rentenübersicht) ähnlich wie die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA), die für die Riesterzulagenverwaltung zuständig ist, angesiedelt. Die Versorgungseinrichtungen senden bei Anfragen der Nutzenden die jeweiligen Versorgungsdaten in Echtzeit zu.

Damit die Versorgungen auch richtig zugeordnet werden können, dient die Steuer-ID als zentrale Identifikationsnummer. Noch offen ist, wie die Authentifizierung des Anfragenden sicher und einfach erfolgen kann. Sowohl die Bereitstellung der Steuer-ID in allen Beständen, sowie die einfache Authentifizierung sind die Knackpunkte, damit die Anfragenden die Rentenübersicht einfach nutzen können.

Im ersten Schritt werden wahrscheinlich ab Mitte 2022 die Rentenwerte der Deutschen Rentenversicherung und die versicherungsförmigen Versorgungen (private und betriebliche Altersversorgung), bei denen schon heute eine Standmitteilung erforderlich ist, an das Portal angedockt. Versorgungen, die bisher nicht zur Standmitteilung verpflichtet sind und daher einen deutlich höheren Umsetzungsaufwand hätten, sind zurzeit noch nicht adressiert. Das sind z.B. Pensionszusagen, berufsständische Versorgungswerke oder auch die Beamtenversorgung.

Nach der Umsetzung sollen folgende Werte abrufbar sein:

  1. die letzte verfügbare Standmitteilung („PDF“),
  2. allgemeine Angaben zur Vorsorgeeinrichtung, für Rückfragen zum jeweiligen Altersvorsorgeanspruch insbesondere Kontaktinformationen der Vorsorgeeinrichtung sowie das bei der Vorsorgeeinrichtung verwendete Kennzeichen der Kundin oder des Kunden,
  3. allgemeine Angaben zum Altersvorsorgeprodukt, insbesondere Angaben zur Bezeichnung, zur Art, zur Zuordnung zur gesetzlichen, betrieblichen oder privaten Altersvorsorge, zur Art der Auszahlung der Leistung sowie zum Zeitpunkt der Leistungsgewährung sowie den Stichtag der Angaben,
  4. wertmäßige Angaben zu den erreichten und erreichbaren Vorsorgeansprüchen differenziert nach der Art der Auszahlung als Einmalbetrag oder laufende Rente sowie differenziert nach garantierten und prognostizierten Werten, soweit diese in den Standmitteilungen ausgewiesen werden,
  5. weitere Angaben zum Leistungsumfang, insbesondere ob das Altersvorsorgeprodukt eine Erwerbsminderungs- oder Hinterbliebenenabsicherung oder beides umfasst, ob auf die Leistungen nach jeweils geltender Rechtslage Steuern oder Sozialabgaben oder beides zu entrichten sind und ob die Leistungen in der Rentenbezugsphase angepasst werden.

Die Werte werden von dem Portal zu einem Gesamtüberblick zusammengefasst, der es den Nutzenden ermöglichen soll, die insgesamt erreichten und erreichbaren individuellen Altersvorsorgeansprüche einzuschätzen.

Fazit:

Die digitale Rentenübersicht ist eine wichtige Ergänzung, um die „Awareness“ für die eigene Altersversorgung jedes einzelnen zu steigern. Wie in anderen Ländern wird der Aufbau allerdings einige Jahre dauern, denn die technischen Herausforderungen für alle Beteiligten - Deutsche Rentenversicherung Bund und Versorgungsträger - sind hoch.