Thema der Woche

 

Dr. Henriette Meissner, Stuttgart

 

 

Altersvorsorge 2018: Zehn Rohdiamanten zum Schleifen

Mit dem 01.01.2018 kommt es durch das Inkrafttreten des Betriebsrentenstärkungsgesetzes zu einer Neuordnung der Altersversorgung. Der Schwerpunkt liegt auf der betrieblichen Altersversorgung (bAV), doch andere Bereiche sind auch betroffen.

Dabei hat der Gesetzgeber zahlreiche „Rohdiamanten“ ausgegeben, die erst in der Praxis „geschliffen“ und in die schon vorhandenen Systeme der Altersversorgung eingepasst werden müssen. Es gibt umfangreichen Beratungsbedarf im neuen Jahr. Und im Grunde muss mit jeder betreuten Firma ein Gespräch geführt werden.

Die zehn „Rohdiamanten“:

  1. Für alle Formen der zusätzlichen privaten Altersversorgung gibt es künftig einen Freibetrag bei der Grundsicherung. In der relevanten Zielgruppe muss diese natürlich bekannt gemacht und für die Beratung genutzt werden.
  2. Die Neuordnung der steuerlichen Förderung nach § 3 Nr. 63 EStG, namentlich die Ausweitung der Förderung auf 8 % der Beitragsbemessungsgrenze (BBG), lohnt sich für Besserverdienende. Ganz besonders dann, wenn sie privat krankenversichert sind und damit im Alter keine Beiträge an die gesetzlichen Krankenversicherung abführen müssen. On top sollte man bei dieser Zielgruppe auch immer zur Nutzung der Riesterförderung beraten, die sich aufgrund des Sonderausgabenabzugs meist lohnt.
  3. Viele Firmen werden sich fragen, ob und in welcher Form sich der neue bAV-Förderbeitrag nach § 100 EStG lohnen kann. Gilt er auch schon für bestehende Systeme der bAV? Was ist arbeitsrechtlich bei der Umsetzung zu beachten? Kann man Minijobber ausschließen? Ist es möglich, die Förderung nur Niedrigverdienern zugute kommen zu lassen? Kann der bAV-Förderbeitrag als „Sprungbrett“ für eine bAV für die ganze Belegschaft dienen? Und was ist zu beachten, dass diese neue Förderung nicht auch zu einer neuen Haftungsfalle für Makler wird?
  4. Die Nachholungsmöglichkeit bei entgeltlosen Zeiten wird aufgrund der steuerlichen Restriktionen sicherlich zu Beratungsbedarf führen, so z.B. bei Elternzeit oder Auslandsentsendung.
  5. Auch die Nutzung des neuen Vervielfältigers kann in vielen Firmen für einen positiven Impuls sorgen.
  6. Dass Riester in der bAV künftig kein beitragspflichtiger Versorgungsbezug ist, ist erst einmal für die Versorgungsträger, wie z.B. die VBL/ZVK oder Branchen- und Firmen-Pensionskassen relevant, die diese Lösung bisher schon angeboten wurde.  Doch es stellt sich darüber hinaus generell die Frage, ob es nicht an der Zeit ist, in allen Firmen über eine kollektive Beratung der Arbeitnehmer zu Riester nachzudenken. Da die Nutzung der Riesterförderung in der bAV den § 3 Nr. 63 EStG zumindest insoweit sperrt, lohnt es sich auch über Belegschaftsrahmenverträge Riester nachzudenken, bei denen ein rabattierter Riestervertrag angeboten wird. Und da hilft es auch, dass gerade die Grundförderung angehoben wurde.
  7. Für alle Firmen ist die Umsetzung des gesetzlichen Zuschusses zur Entgeltumwandlung nach § 1a Abs. 1a BetrAVG wichtig. Die praktische Umsetzung der Regelung erfordert eine Evaluierung und gegebenenfalls Anpassung des jeweiligen Versorgungssystems. Denn manch lieb gewonnenes Modell, wie z.B. das Einbringen eines Arbeitgeberzuschusses zur Entgeltumwandlung in eine Unterstützungskasse wird so nicht mehr möglich sein.
  8. Die Firmen, die noch alte pauschalversteuerte Verträge nach § 40b EStG a.F. haben oder neu übernehmen, müssen ihre bisherige Verwaltungspraxis anpassen. Es wird einfacher, aber es ist halt auch anders als bisher!
  9. Insgesamt sollte über einen neuen Standard der bAV-Architektur nachgedacht werden, in den diese neuen Rohdiamanten sinnvoll und möglichst einfach eingefasst werden.
  10. Last but not least werden wir 2018 auch erste Sozialpartnermodelle sehen, wo branchenbezogen die reine Beitragszusage ohne Garantie per Tarifvertrag eingeführt wird. Schon jetzt fragen Firmen nach, wann und wie das Sozialpartnermodell genutzt werden kann (ohne einschlägigen Tarifvertrag keine Nutzung), und nach der Einführung der ersten Modelle stellt sich die Frage nach der konkreten Umsetzung in betroffenen Betrieben.

Fazit

Die bAV wird noch deutlich komplexer und der Beratungsbedarf hat 2018 deutlich zugenommen. Jede Firma muss schauen, wie sie die Themen möglichst schlank und effektiv umsetzt und wird dies ohne externes Know-how in vielen Fällen nicht analysiert und installiert bekommen.

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