Thema der Woche

Susanne Görsdorf-Kegel, freie Journalistin und Autorin

Aktuelle Studie: Ständiger Wandel beim digitalen Lernen

Die Einbeziehung digitaler Elemente in die Weiterbildung ist heute fast schon selbstverständlich. Dabei muss man sich auf rasche Veränderungsprozesse einstellen.

Die betriebliche Weiterbildung war lange Zeit eher etwas behäbig. In der Regel war sie Fach- und Führungskräften vorbehalten und diente in gleichem Maße der Wissensvermittlung und dem persönlichen Kontakt der Teilnehmer untereinander. Mittlerweile hat sich das geändert. Eine wesentliche Ursache dafür ist die Digitalisierung, die eine ständige Weiterbildung aller Mitarbeiter verlangt.

Schon alleine aus Kostengründen ist es nicht möglich, alle für mehrere Tage auf Präsenzveranstaltungen schicken, die möglicherweise auswärtige Übernachtungen und Fahrtkosten erforderlich machen. Deshalb hat das E-Learning, also das ortsunabhängige Lernen mithilfe von digitalen Medien, in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen.

Rasche Veränderungen erfordern Umdenken im Angebot

Aber wie die Digitalisierung generell, ist auch das E-Learning einem raschen Wandel unterworfen – was letztes Jahr noch Standard war, ist heute schon überholt. Deshalb untersucht das Forschungsinstitut mmb in seiner jährlichen Studie mmb Learning, welche Trends nach den Erwartungen der Befragten in drei Jahren das digitale Lernen bestimmen werden, und welche Themen und Inhalte dabei wichtig sein könnten. Vor Kurzem wurde die aktuelle Untersuchung veröffentlicht, die im Herbst 2016 durchgeführt worden war. Daran haben sich 74 Experten aus dem deutschsprachigen Raum beteiligt.

Videoportale gewinnen an Bedeutung, aber Spitzenreiter bleibt Blended Learning

Einen wesentlichen Einfluss üben mittlerweile Videoportale wie Youtube aus, die in den letzten zehn Jahren rasant an Bedeutung gewonnen haben. In der aktuellen Studie wurde erstmals nach ihrer Bedeutung gefragt und 93 % der Teilnehmer sprachen ihnen eine zentrale zukünftige Bedeutung zu. Spitzenreiter bleibt aber unverändert das Blended Learning, also die Verbindung von virtuellem Lernen und Präsenzveranstaltungen, bei denen sich Lehrende und Lernende persönlich begegnen.  An dritter Stelle steht mit 87 % Zustimmung das „Micro-Learning“. Die Verfasser der Studie definieren das als Sammelkategorie für Lerncontent, der zum schnellen Lernen und zur Lösung von Problemen während der Arbeit genutzt werden kann.

Deutlich mehr Bedeutung als im Vorjahr messen die Befragten „Lernumgebungen in virtuellen 3D-Welten“ zu – 2015 gab es hier nur 12 % Zustimmung, jetzt 33 %. Als weniger wichtig bewertet wurden dagegen webbasierte Trainings. Soziale Netzwerke und Communities sowie das adaptive Lernen haben ebenfalls an Bedeutung verloren. Am geringsten wird die Nutzung von Twitter und Micro-Blogging für die digitale Weiterbildung eingeschätzt.

Augmented Reality und Wearables schaffen neue sinnliche Lernqualitäten

Als generelle Trends sehen die befragten Experten die wachsende Bedeutung von Augmented Reality und Wearables, die neue sinnliche Lernqualitäten für unterschiedliche Anwendungen eröffnen, und unverändert virtuelle Klassenräume, welche die Situation von Präsenzkursen und dem bequemen Lernen von zu Hause aus verbinden. Umstritten ist dagegen die zukünftige Bedeutung von Open Educational Resources und Massive Open Online Courses. Letztere wurden bisher vor allem im Hochschulbereich eingesetzt, werden mittlerweile aber auch bei der betrieblichen Weiterbildung genutzt. Ihr Erfolg wird den Erwartungen der Befragten zufolge ganz wesentlich von der Qualität der Angebote abhängen. Lernmanagementsysteme werden dagegen ihre altbewährte Bedeutung behalten, sofern es ihnen gelingt, den modernen Anforderungen an Nutzerzentrierung, Flexibilität und Konfigurierbarkeit zu entsprechen.

Bei den Inhalten sind unverändert am wichtigsten Produkt-, Anwender- und Kundenschulungen, während das Thema Compliance an Bedeutung verloren hat. Am wenigsten geeignet scheint das digitale Lernen für die Vermittlung von Softskills zu sein.

Wer nutzt das digitale Lernen schon für sich?

Ebenfalls wenig Veränderung gibt es bei den Nutzern von digitalem Lernen. Unverändert stehen hier Großunternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern mit deutlichem Abstand an der Spitze. Der Grund: Es ermöglicht ihnen, eine große Zahl von Mitarbeitern an verschiedenen Standorten mit einheitlichen Lernmaterialien und internen Lernstandards kostengünstig zu schulen. Kleine und mittlere Unternehmen folgen mit deutlichem Abstand.

Erstmals wurde auch nach der Bewertung politischer Initiativen gefragt. Hier wurden in erster Linie das „Hochschulforum Digitalisierung“, die Initiative „Bildung in einer digitalen Welt“ der Kulturministerkonferenz und die „Digitale Agenda“ der Bundesregierung als relevant eingestuft. Wirtschaftlicher Bedeutung wurden dagegen dem Zehn-Punkte-Plan „Digitale Bildung“ des IT-Wirtschaftsverbands Bitkom, dem jährlichen IT-Gipfel der Bundesregierung sowie der Digitalen Agenda der Bundesregierung zugemessen.