Thema der Woche

Elke Pohl, freiberufliche Journalistin aus Berlin

Wichtige Änderungen im Jahr 2019

Bei der Beratung sollten Vermittler jetzt die gesetzlichen Änderungen im neuen Jahr berücksichtigen und ansprechen. Auch wenn sich daraus nicht unmittelbares Geschäft ableitet, präsentiert man sich dadurch doch als kompetenter Gesprächspartner.

In der betrieblichen Altersversorgung (bAV) wird es wahrscheinlich im Jahr 2019 die ersten Tarifverträge mit Festlegungen zu den Sozialpartnermodellen geben. Laut Betriebsrentenstärkungsgesetz, das seit Anfang 2018 in Kraft ist, können die Sozialpartner sich auf eine neue Art der Betriebsrente einigen, die auf Garantien verzichtet und Arbeitgeber von der für Betriebsrenten typischen Haftung entlastet. Die Versicherer haben sich zum Teil in Konsortien wie dem "Rentenwerk" (Barmenia, Debeka, Gothaer, Huk Coburg und Stuttgarter) und der "Initiative Vorsorge" (Alte Leipziger, die Bayerischer, LV 1871 und Volkswohl Bund) zusammengeschlossen und Tarifangebote in ihren Schubladen. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sowie Arbeitnehmer mit geringem Einkommen sollen mit diesem neuen Durchführungsweg der bAV angesprochen werden, um die Altersvorsorge zu verbessern.

 

Arbeitgeberzuschuss für bAV-Neuverträge

2019 macht sich in der bAV die steigende Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung bemerkbar. Sie steigt 2019 auf 80.400 bzw. 73.800 Euro im Westen bzw. Osten der Republik. Davon können Arbeitnehmer 4 % ohne Abzug von Sozialabgaben und 8 % ohne Abzug von Steuern in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds investieren. Sozialabgabenfrei können 2019 daher maximal 268 Euro monatlich, steuerfrei 536 Euro angelegt werden. Zahlt der Arbeitnehmer einen Teil seines Einkommens direkt ein, muss der Arbeitgeber ab Januar 15 %des Betrages zusätzlich als Arbeitgeberzuschuss beisteuern, wenn er selbst durch die Beitragsumwandlung Sozialversicherungsbeiträge spart. Für den Bestand gilt die Neuregelung in der Regel erst ab 2022.

 

Höherer Betrag bei Basisrente anrechenbar

In der Basisrente ("Rüruprente") steigt ab Januar 2019 die Höhe des zu versteuernden Einkommens, von dem Beiträge als Sonderausgabe abgezogen werden können, auf 24.305 Euro für Singles und auf 48.610 Euro für Verheiratete. Ansetzbar sind davon statt bisher 86 nun 88 %. Bei Beiträgen in Höhe der maximal möglichen Forderung von 24.305 Euro sind entsprechend rund 21.388 Euro – bei Verheirateten 42.776 Euro – steuerlich absetzbar. Bis zum Jahr 2025 steigt die Grenze jährlich an. Ebenfalls am 1. Januar trat das "Gesetz über Leistungsverbesserung und Stabilisierung in der gesetzlichen Rentenversicherung" in Kraft. Wesentlicher Bestandteil ist die sogenannte doppelte Haltelinie bis 2025, um das Rentenniveau zu stabilisieren. Das bedeutet, bis 2025 soll das heutige Rentenniveau von 48 % erhalten bleiben und gleichzeitig sollen die Beiträge bis dahin nicht über 20 % des Bruttoeinkommens bzw. der Beitragsbemessungsgrenze steigen. Derzeit sind wir bei 18,6 %.

 

Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich Zusatzbeiträge

In der Krankenversicherung steigt die Beitragsbemessungsgrenze von jetzt 53.100 auf 54.450 Euro. Bis zu dieser Grenze werden gesetzlich Krankenversicherte (GKV) mit Beitrag zur Kasse gebeten. Wer in die private Krankenversicherung (PKV) wechseln möchte, muss im kommenden Jahr einen Jahresbruttoverdienst von mindestens 60.750 Euro erzielen. In der GKV bleibt der Beitragssatz von 14,6 % unverändert, allerdings beteiligen sich Arbeitgeber im neuen Jahr paritätisch auch an den Zusatzbeiträgen, den die meisten Krankenkassen erheben. Für privat Versicherte erhöht sich der Arbeitgeberzuschuss um die Hälfte des durchschnittlichen Zusatzbeitrages, bezogen auf die Beitragsbemessungsgrenze. Teurer wird 2019 die Pflegepflichtversicherung, die ab 2019 um 0,5 Prozentpunkte auf 3,05 % steigt. Zeitglich sinkt der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 3 auf 2,5 %, wobei auch hier Arbeitnehmer und Arbeitgeber paritätisch einzahlen.

Gute Nachrichten gibt es für freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung Versicherte: Der Mindestbeitrag wurde von bisher 360 auf nun 171 Euro abgesenkt. Zudem wird der Mindestsatz nicht mehr erhoben, wenn Versicherte Kranken- oder Mutterschaftsgeld beziehen. Beiträge werden nur noch für tatsächliche Einnahmen fällig.

 

Später in Rente, aber dafür mehr Geld

Für ältere Arbeitnehmer kann die Erhöhung des Renteneintrittsalters eine Rolle spielen. Seit 2012 ändert es sich schrittweise pro Jahr bis zum Jahr 2031. Wer im Jahr 2019 erstmalig seine gesetzliche Altersrente ohne Abzüge beziehen möchte, muss entsprechend älter sein als Neu-Rentner in den Jahren zuvor, nämlich 65 Jahre und acht Monate. Alle Jahrgänge ab 1964 gehen dann erst mit 67 Jahren in Rente. Wer schon Rente bezieht, kann sich über eine Rentensteigerung freuen. Ab Juli gibt es im Westen der Republik wahrscheinlich 3,18 und im Osten 3,91 % mehr; die genauen Sätze werden erst im Frühjahr festgelegt. Ein Durchschnittsrentner kann mit rund 45 Euro mehr pro Monat rechnen. Und auch die Mütterrente steigt. Für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, werden die Erziehungszeiten stärker angerechnet. Im Westen gibt es pro Kind 16,95 Euro brutto und im Osten 15,35 Euro mehr. Bei Neurenten gilt der Satz ab Januar, Bestandsrentner bekommen sie erst am März. Allerdings wird der Zuschlag nachgezahlt.

Und noch etwas für Mieter: Nach einer Modernisierung dürfen Vermieter nur noch 8 statt bisher 11 % der Kosten auf die Mieter umlegen. Mieter haben bei Neuvermietung zudem das Recht zu erfahren, was der Vormieter gezahlt hat.

 

Neues beim Einkommen

Im neuen Jahr gibt es auch Änderungen beim Mindestlohn. Im Jahr 2015 wurde er eingeführt, seine Höhe wird jährlich angepasst. Zum 01.01.2019 wurde der Mindestlohn von bisher 8,84 Euro auf 9,19 Euro angehoben; ab 2020 soll es 9,35 Euro geben. Die Mindestlohnerhöhung erhöht nicht nur das Einkommen der Arbeitnehmer, die einen Mindestlohn bekommen. Sie hat auch Auswirkungen auf 450-Euro-Minijobber, die einen Mindestlohn erhalten. Denn trotz der Erhöhung des Mindestlohns dürfen 450-Euro-Minijobber auch 2019 nicht mehr als 450 Euro im Monat – in Ausnahmefällen bis zu 5.400 Euro im Jahr – verdienen. Das bedeutet entsprechend, dass Minijobber unter Umständen ihre Stundenzahl reduzieren müssen, um unterhalb dieser Grenze zu bleiben.

Wer Hartz-IV bezieht, kann 2019 ebenfalls mit einer Erhöhung rechnen. Der Regelsatz für Alleinstehende steigt um acht auf 424 Euro. In einem Haushalt mit zwei anspruchsberechtigten Partnern liegt er bei 383 Euro pro Person, Kinder von sechs bis 13 Jahren sowie Jugendliche von 14 bis 17 Jahren bekommen seit Jahresbeginn sechs Euro mehr, also 302 bzw. 322 Euro. Für Kinder unter sechs Jahren gibt es fünf Euro mehr, also 245 Euro.


Kindergeld und Kinderfreibetrag steigen

Für Eltern interessant ist die Erhöhung des Kindergeldes ab Juli 2019 um jeweils zehn Euro pro Kind. Für das erste und zweite Kind gibt es somit 204 Euro monatlich, für das dritte 210 und ab dem vierten Kind jeweils 235 Euro. Bereits ab Januar steigt der Kinderfreibetrag, den Eltern anstelle des Kindergeldes beanspruchen können, von 7.428 Euro auf 7.620 Euro.

Tipp: Das Finanzamt nimmt bei der Prüfung, ob das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag gewährt wird, die sogenannte Günstigerprüfung automatisch vor, ohne dass seitens der Eltern ein Antrag gestellt werden muss. Im Rahmen der Einkommensteuererklärung der Eltern werden der Kinderfreibetrag und das Kindergeld derart gegenübergestellt, dass für die steuerpflichtigen Eltern das finanziell günstigere Modell berücksichtigt wird. Das bedeutet, dass für die Steuerpflichtigen der Kinderfreibetrag nur wirksam wird, wenn das Finanzamt im Rahmen der Günstigerprüfung feststellt, dass der Bezug von Kindergeld für die Eltern finanziell nachteilig wäre.

Der steuerliche Grundfreibetrag wird von 9.000 Euro (2018) auf 9.168 Euro (2019) sowie auf 9.408 Euro (2020) angehoben. Bei einer Zusammenveranlagung gelten bei Ehepartnern oder ‎Lebenspartnern jeweils ‎doppelte Beträge. Zum Ausgleich der "kalten Progression" werden die Tarifeckwerte bei der Einkommensteuer um die geschätzte Inflationsrate des Jahres 2019 (1,84 %) und 2020 (1,95 %) nach rechts verschoben.

 

Steuerlich entlastet Fahrrad fahren

Steuerlich interessant dürfte auch umweltbewusstes Fahren werden. Gefördert werden elektrische Dienstwagen, Diensträder und das Jobticket. Konkret heißt das: Arbeitnehmer und Unternehmer, die ihr Dienstrad auch privat nutzen, müssen den geldwerten Vorteil für die Überlassung künftig nicht mehr versteuern. Die Regelung gilt für alle Fahrräder und Elektrofahrräder befristet vom 01.01.2019 bis Ende 2021. Wer ein Elektro- oder schadstoffarmes Hybridfahrzeug als Dienstwagen anschafft, kann die Privatnutzung ebenfalls steuersparender abrechnen. Bei der sogenannten 1 %-Methode wird nur noch der halbierte Bruttolistenpreis des Fahrzeugs statt des vollen Fahrzeugpreises angesetzt. Entsprechendes gilt für die Abrechnung der Privatfahrten per Fahrtenbuch. Auch das steuerfreie Jobticket ist wieder da. Wenn also Beschäftigte von ihrem Arbeitgeber Tickets oder Zuschüsse für den öffentlichen Nahverkehr erhalten, ist dies ab dem Jahr 2019 wieder steuerfrei. Eine entsprechende Regelung gab es bereits bis Ende 2003. Voraussetzung ist, dass das Ticket bzw. der Zuschuss zusätzlich zum ohnehin vereinbarten Arbeitslohn gewährt wird.