Interview des Monats

Die VersicherungsPraxis24 im Gespräch mit:

 

Konrad Schmidt, Geschäftsführer der bbg

 

Neue Chancen für bewährte Formate

Autorin: Susanne Görsdorf-Kegel

Die DKM Ende Oktober ist seit 24 Jahren eine Institution und ein wichtiger Treffpunkt der Finanz- und Versicherungsbranche. Angesichts der vielen Einschränkungen und Auflagen in der aktuellen Corona-Krise hat sich die bbg Betriebsberatungs GmbH, welche die DKM veranstaltet, dazu entschlossen, dieses Jahr vom 26. bis 29. Oktober eine rein digitale Messe durchzuführen, die damit zwei Tage länger wird als die bisherigen Messen. Im Gespräch mit der Versicherungspraxis24 erläutert bbg-Geschäftsführer Konrad Schmidt, wie das praktisch aussehen wird und welche neuen Chancen sich dadurch bieten.

In rund einem Monat beginnt die erste virtuelle DKM - wie kann man sie sich konkret vorstellen? Sie kündigten an, dass es sowohl große Veranstaltungen als auch die Möglichkeit geben soll, sich in kleinem Kreis zurückzuziehen. Wie soll das funktionieren?

Schmidt: Mit digital.die-leitmesse.de wird eine Plattform geschaffen, auf der alle Branchenteilnehmer Livestreams verfolgen können. So kann das bewährte Rahmenprogramm der DKM, bestehend aus Kongressen, Workshops und der Speaker’s Corner, bequem von zu Hause aus verfolgt werden. Ergänzend dazu spielt die Eins-zu-eins-Kommunikation eine große Rolle. Hier kann man Namen und Funktion derjenigen sehen, die online sind und den gewünschten Gesprächspartner - egal ob Aussteller oder Besucher - anklicken und eine Videotelefonie mit allen Zusatztools wie Screensharing, Chat, usw. starten. Beim Roundtable-Gespräch können bis zu zwölf Personen interagieren. Und es gibt noch viele weitere spannende Features zur Interaktion und zum Netzwerken. Die Plattform wird von unserem Partner Corussoft realisiert, deren Technik auch bei Europas größter Digitalmesse DMEXCO zum Einsatz kommt.

Sind bei den Livestreams auch Nachfragen möglich, wie es ja sonst bei Vorträgen üblich ist?

Schmidt: Dafür bietet sich die Chatfunktion an. Ich rechne sogar mit einer höheren Interaktivität, da die Hemmschwelle viel niedriger ist als bei einer Wortmeldung im Rahmen einer Präsenzveranstaltung vor 100 anderen Personen.

Was muss ein Teilnehmer, der an der virtuellen DKM teilnehmen will, an technischer Ausstattung mitbringen?

Schmidt: Idealerweise einen Computer mit Kamera, Mikrofon und Internetverbindung. Das Ganze ist rein browsergestützt, es muss also keine Software heruntergeladen werden. Eine eigene App gibt es in diesem Jahr noch nicht; Nutzer von mobilen Endgeräten können ebenfalls über den jeweiligen Browser an der Veranstaltung teilnehmen.

Können Sie schon absehen, wie hoch das Interesse von Ausstellern an der virtuellen DKM ist?

Schmidt: Wir haben nach dem heutigen Stand 130 Aussteller, gegenüber ca. 300 Ausstellern auf einer „normalen“ DKM. Erfreulicherweise sind alle namhaften Versicherungsgesellschaften und Pools dabei. Sie kommen sicher mit einer Portion Loyalität, aber auch, weil sie vom Konzept überzeugt sind. Teilweise ist die Teilnahme der geplante Beginn einer zukünftig digitaleren Maklerkommunikation.

Wie sieht es bei den Besuchern aus?

Schmidt: Der Anmeldeprozess der Besucher ist aufgrund der besonderen Umstände später gestartet als sonst. Und viele Anmeldungen werden sicherlich erst kurz vor knapp eintreffen, da ja keine Anreise und Hotelübernachtung geplant werden muss. Insgesamt bietet das digitale Format die Chance, neue Besuchergruppen zu erreichen, die sonst die weite Anreise abgeschreckt hat. Mit den aktuellen Zahlen sind wir sehr zufrieden und ich persönlich rechne mit mehreren Tausend Teilnehmern. Doch um eine Aussage über den Erfolg der DKM 2020 digital.persönlich treffen zu können, ist für mich auch die Nutzungsintensität entscheidend.

Warum haben Sie eigentlich die Messe auf vier Tage verlängert?

Schmidt: In der Vergangenheit gab es öfter die Rückmeldung, dass das Programm zu umfangreich sei und es zu viele Vorträge gäbe, um alles aufnehmen zu können. Da es bei einer digitalen Veranstaltung keinen Zeitdruck hinsichtlich Auf- und Abbau des Messemarktplatzes gibt, wollen wir die Chance nutzen, das Programm zeitlich etwas zu entzerren, damit jeder die gewünschten Slots verfolgen kann.

Stichwort auf- und abbauen - wie können Aussteller überhaupt ausstellen, wie funktioniert ein virtueller Stand?

Schmidt: Wir haben uns gegen virtuelle Stände in 3D entschieden und setzen mehr auf das Netzwerk. Ausgangspunkt und sozusagen Messestand ist das Ausstellerprofil. Hier haben Aussteller die Möglichkeit, sich und ihr Personal zu präsentieren und Informationen zum Download zu hinterlegen. Hier ist auch ersichtlich, an welchem Programmpunkt der Aussteller teilnimmt. Und von hier aus kann der Austausch mit dem Aussteller beginnen. Es ist sofort ersichtlich, welcher Ansprechpartner gerade für ein Gespräch zur Verfügung steht. Und darum geht es ja gerade bei der DKM. Es geht nicht um haptische Produkte, sondern um das persönliche Gespräch - nur in diesem Jahr eben digital.persönlich.

Was kostet die Messeteilnahme eigentlich?

Schmidt: Besucher, die keine Freikarte haben, zahlen 95 Euro, für Unternehmen liegen die Preise für Paketlösungen zwischen 2.900 und 30.000 Euro.

Lohnt sich diese Messe überhaupt für die bbg?

Schmidt: Es ist natürlich insgesamt ein herausforderndes Jahr und wir mussten Teile der Belegschaft in Kurzarbeit schicken. Der Umsatz und der Deckungsbeitrag dieser DKM werden natürlich nicht so hoch sein wie bei der Live-Präsenz. Zudem sind auch Investitionen notwendig. Aufgrund der Premiere nimmt die digitale DKM mehr Zeit in Anspruch und bringt weniger Ertrag als eine Präsenzmesse. Dennoch sind wir mit der digitalen DKM sehr zufrieden. 

Sie betonen ja immer wieder, dass Sie sich auf die nächste DKM 2021 freuen, die hoffentlich wieder eine „richtige“ Messe sein wird - was versprechen Sie sich überhaupt von einer virtuellen Messe? Das Wichtigste sind ja eigentlich die persönlichen Kontakte und die eher emotionalen Aspekte, die werden doch praktisch komplett fehlen?

Schmidt: Ob der emotionale Aspekt völlig fehlt, weiß ich noch nicht so genau. Bei Videokonferenzen können durchaus emotionale Momente entstehen, wenn Netzwerkschranken abgebaut werden. Natürlich sind direkte persönliche Gespräche durch nichts zu ersetzen, aber es ist der Versuch, in diesem besonderen Jahr trotzdem Kontakt zu haben, sich zu sehen und wenigstens virtuell zu treffen und über die Profilsuche neue Leute kennenzulernen. Die Welt der Finanz- und Versicherungsbranche bleibt ja nicht stehen, sondern dreht sich weiter, es gibt Neuerungen, die man vorzeigen möchte und umgekehrt wollen die Makler wissen, was es Neues gibt. 

Könnten Sie sich vorstellen, in Zukunft virtuelle Elemente beizubehalten und eine hybride DKM anzubieten?

Schmidt: Mit Blick auf 2021 ist es noch zu früh zu sagen, wie die DKM 2021 aussehen wird. Definitiv wird sie anders sein als die DKM 2019 und vermutlich wird sie verstärkt digitale Elemente haben. In welchem Maße man von „hybrid“ sprechen kann und wie das genau gestaltet wird, ob zeitversetzt oder im Netz zugeschaltet, wird sich zeigen. Aber ich bin sicher, dass sich die Erfahrungen der DKM 2020 digital.persönlich, die wir dieses Jahr machen, auf das zukünftige Kommunikationsverhalten der Branche auswirken werden.