Interview des Monats

Die VersicherungsPraxis24 im Gespräch mit:

 

 

 

Dr. Mathias Bühring-Uhle, ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender InsurLab Germany und Mitglied des Vorstands der Gothaer

 

 

InsurLab Gemany will neue Ideen durch Kommunikation und Kooperation erschließen

Autorin: Susanne Görsdorf-Kegel

Am 22. Mai 2017 ist in Köln das Insurance Innovation Lab, kurz InsurLab Germany, an den Start gegangen. Hier wollen Unternehmen aus dem Finanzdienstleistungs- und Versicherungsbereich – wobei dieser Begriff weit gefasst ist – mit Start-ups zusammenarbeiten und durch den Erfahrungsaustausch die Realisierung neuer Ideen im Rahmen der Digitalisierung vorantreiben. Ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender ist Dr. Mathias Bühring-Uhle, Mitglied des Vorstands der Gothaer. Im Gespräch mit VersicherungsPraxis24 erläuterte er, worum es bei dem neuen Projekt geht.

Herr Dr. Bühring-Uhle, was genau ist das InsurLab, an dem ja auch Versicherungsunternehmen beteiligt sind, die miteinander im Wettbewerb stehen?

Bühring-Uhle: Das InsurLab Germany ist eine Plattform zur Vernetzung von Start-ups aus dem InsurTech-Bereich mit der Versicherungswirtschaft. Es ist keine Gesellschaft mit einem gemeinsamen Geschäftszweck, sondern ein eingetragener Verein. Somit ist die Tatsache, dass die Mitglieder zum Teil Wettbewerber sind, unerheblich. Im InsurLab können Vertreter aus der Versicherungsbranche und InsurTechs in einem offenen Erfahrungsaustausch zusammenkommen. Das kann zu Kooperation führen kann, ist aber grundsätzlich ergebnisoffen angelegt.

Wer ist die Zielgruppe? Würden Sie auch Unternehmen wie Ottonova aufnehmen, die sich ja als Wettbewerber der klassischen Versicherungsgesellschaften positionieren?

Bühring-Uhle: Als Plattform im oben genannten Sinne schließen wir niemanden aus, der am Erfolg und Zweck des Vereins interessiert ist. Deshalb würden wir uns auch über Aufnahmeanträge von Unternehmen wie Ottonova oder Flypper freuen. Wir sprechen Unternehmen aus dem InsurTech-Bereich an, aber natürlich auch Start-ups mit neuen Ideen aus angrenzenden Bereichen, wie zum Beispiel dem Gesundheitsbereich. Es können aber auch Innovationen sein, mit denen man möglicherweise die Beratung optimieren kann oder Hinweise auf das Kundenverhalten bekommt.

In welcher Form treffen die klassische Versicherungswirtschaft und die Start-ups aufeinander?

Bühring-Uhle: Dies geschieht in ganz unterschiedlichen Formaten – durch Veranstaltungen zu Technik- und Innovationsthemen, die wir organisieren, durch die Erarbeitung von „Proof of Concepts“ zu den Ideen der Start-ups in gemeinsamen Projekten und auf unserem Campus über das Mentoring von Start-ups durch erfahrene Manager aus der Versicherungswirtschaft.

Welchen Nutzen haben beide Seiten, wenn sie sich an diesem neuen Projekt beteiligen?

Bühring-Uhle: Sie können in gegenseitiger Offenheit voneinander lernen. Für die Versicherer ist es von Vorteil, die Angebote der Start-ups kennenzulernen. Für sie ist es wichtig, deren Ansätze und auch deren Arbeitsweise zu verstehen – auch, um die eigene Innovationskraft zu entwickeln. Für die Start-ups besteht der wesentliche Vorteil darin, dass sie in konzentrierter Form Zugang zu den Entscheidern der Versicherungsindustrie erlangen. Daraus können sich zum Beispiel Kooperationen entwickeln, in denen Start-ups auf der Infrastruktur und den Datenbeständen der Versicherer ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln können oder z.B. lernen, wie man mit regulatorischen Aspekten, wie zum Beispiel dem Datenschutz verantwortungsvoll umgeht. Der Grund, warum dieses Projekt im Versicherungsbereich ins Leben gerufen wurde, war sicher auch, dass InsurTechs eher kooperative Ansätze mit den etablierten Versicherern anstreben, da es sich dabei um eine sehr komplexe und stark regulierte Branche mit hohen Eintrittshürden handelt – hier können die Start-ups viel von uns lernen.

Wer hat diese Plattform überhaupt ins Leben gerufen?

Bühring-Uhle: Die Initiatiatoren waren die Stadt Köln, die IHK zu Köln, die Universität und die Technische Hochschule Köln zusammen mit Unternehmern und Versicherern der Region. Sie wollten damit die Vernetzung von Start-ups aus dem InsurTech-Bereich mit der Versicherungswirtschaft fördern. Von Anfang an dabei waren Versicherer wie die Gothaer und die Axa. Mittlerweile sind 20 Unternehmen aus dem Bereich Versicherung und Finanzdienstleistungen, aber auch Beratungsunternehmen wie Bain & Co. und KPMG beteiligt. Einige Startups haben sich zudem entschieden, nicht nur mit uns eng zusammenzuarbeiten, sondern auch als Mitglieder in den Trägerverein der Initiative einzutreten, so zum Beispiel Virado, NECT und Cognotekt.

Ist das ein closed shop oder sind Sie offen für neue Mitglieder?

Bühring-Uhle: Selbstverständlich bleiben wir offen – wir rechnen damit, dass wir bis zum Jahresende 40 Mitglieder haben werden Mindestens genau so wichtig sind aber die Startups, die mit uns zusammenarbeiten möchten, ohne gleich Mitglied zu werden. Auch da zeichnet sich eine sehr erfreuliche Entwicklung ab.

Was kostet es, wenn man bei InsurLab Mitglied werden will?

Bühring-Uhle: Unternehmen zahlen als Vollmitglieder einen Jahresbeitrag von 30.000 EUR, für die Start-ups gibt es einen ermäßigten Beitragssatz von von – je nach Alter – 1.000 oder 2.000 EUR.

Und welche Aktivitäten werden damit unterstützt?

Bühring-Uhle: Insurlab hat zwei Standbeine – zum einen, dass es Veranstaltungen organisiert und unterstützt, so wie die Konferenz, die wir während der Startupcon am 11. Oktober abgehalten haben. Wir waren dort mit einer eigenen Bühne vertreten, auf der hochkarätige Referenten über Themen referiert haben, die das Publikum bewegen. Das zweite Standbein ist unser Gründerzentrum in Köln-Mühlheim. Dort hat das InsurLab im Oktober die ersten Räume bezogen, weitere Flächen kommen im November dazu. Insgesamt stehen dort dann 80 Arbeitsplätze für Start-ups, Corporate Co-Working und die eigenen Mitarbeiter des InsurLab zur Verfügung. Hier haben alle Beteiligten die Möglichkeit, neue Ideen zu diskutieren und auszuprobieren. Für einen Monatsbeitrag von 300 EUR können sie ein Full-Service-Büro mieten.

Die feierliche Eröffnung des InsurLabs findet am 13. November in Köln im Tanzbrunnen statt im Rahmen der EXECInsurtech. In diesem Rahmen organisert das InsurLab auch einen Pitch-Day.

Wie ist InsurLab personell organisiert?

Bühring-Uhle: Torsten Oletzky leitet mit 50 % seiner Arbeitszeit das InsurLab; er steht uns so lange zur Verfügung, bis ein hauptamtlicher Geschäftsführer Anfang nächsten Jahres eingesetzt wird. Den ehrenamtlichen Vorstand bilden zusammen mit mir Ulrich Pasdika, Generalbevollmächtigter der GenRe, und Dr. Walter Botermann, Vorstandsvorsitzender Alte Leipziger Hallesche, er ist unser Schatzmeister. Wir treffen uns einmal im Monat. Die Geschäftsstelle soll zukünftig mit fünf Vollzeitkräften besetzt sein, eine sehr erfahrene Büroleiterin ist bereits gefunden. Darüber hinaus unterstützt ein Kernteam von elf ehrenamtlichen Fachleuten, die sich regelmäßig zusammensetzen, den Aufbau des InsurLab Germany.  

Welche Ziele streben Sie mittelfristig an?

Bühring-Uhle: Wir wollen das InsurLab zuerst einmal finanziell und organisatorisch auf stabile Füße stellen. Dann streben wir eine nationale und internationale Vernetzung an, der erste Schritt in Richung Internationalisierung ist über eine Kooperation mit einem Accelerator in Israel bereits gemacht. Gemeinsam mit innovativen Gründerinnen und Gründern sollen in Köln alle relevanten Themen rund um die Versicherungswirtschaft von e-Payment, Blockchain, Internet of Things über e-Health und Virtual Reality bis hin zu Big Data gemeinsam bearbeitet und die Versicherung der Zukunft gestaltet werden.