Interview des Monats

Die VersicherungsPraxis24 im Gespräch mit:

 

 

Henning Frommer,

Produktmanager bei der Gothaer

Viele Anregungen durch den Blick von außen

Autorin: Susanne Görsdorf-Kegel

Vor gut einem Jahr wurde im Rahmen der InsurTech Week Cologne zum ersten Mal das Format Disrupt.me! angeboten. Dabei wurden die Teilnehmer eines Workshops aufgefordert, Ideen zu entwickeln und zu präsentieren, mit denen die klassischen Geschäftsmodelle eines Versicherers angegriffen werden können. Als erster Versicherer stellte sich damals die Gothaer mit der Berufsunfähigkeitsversicherung diesem Angriff. Im Versicherungspraxis24-Interview erklärte danach Henning Frommer, zuständiger Produktmanager des Unternehmens, die Motive und Ziele dieser Beteiligung (s. Interview aus September 2017). Nach einem Jahr zieht er nun Bilanz, was aus diesen Anregungen geworden ist und welche Schlussfolgerungen die Gothaer daraus zieht.

Wie ist das Format Disrupt.me! entstanden und warum halten Sie es für ein so interessantes Angebot, dass Sie sich daran beteiligen?

Frommer: Wir sind bei der Vorbereitung der InsurTech Week 2017 vom Veranstalter Startplatz angesprochen worden, ob wir nicht gemeinsam ein DisruptMe!-Format anbieten und ausprobieren wollen. Natürlich haben wir uns gerne dieser Herausforderung gestellt. Das Format gab uns die Gelegenheit, ein Geschäftsmodell von außen zu betrachteten und so einmal komplett in Frage zu stellen. Das hat uns gereizt – sind wir doch immer versucht, aus der gleichen Richtung auf eine Herausforderung zu schauen und mit der fachlichen Brille in unserer bestehenden Welt zu bleiben, anstatt "echt neu" zu denken.

Und wie war das Ergebnis – hat sich der Aufwand gelohnt?

Frommer: Der Plan ist aufgegangen: Wir haben viel hilfreiches Feedback von jungen Start-Ups und Studierenden zum Geschäftsmodell der Arbeitskraftabsicherung erhalten.

Sie hatten im Interview vor einem Jahr gesagt, dass Sie mit dem Gewinnerteam Kontakt aufgenommen hatten, um ihre Ideen gemeinsam weiterzuverfolgen. Was ist daraus geworden?

Frommer: Wir haben uns im Nachgang zum DisruptMe! mit dem Gewinnerteam bei uns im Haus der Gothaer getroffen und das Team hat die Chance bekommen, seine Idee noch mal einigen Kollegen des Fachbereiches vorzustellen und mit ihnen gemeinsam zu diskutieren. Von den Fachbereichskollegen haben wir positive Rückmeldung zur Idee bekommen, auch wenn wir sie im ersten Schritt nicht in die aktuelle Produktentwicklung integrieren konnten.

Welche Ideen und Vorschläge hat dieses Team konkret eingebracht?

Frommer: Das Team hat vorgeschlagen, die Arbeitskraftabsicherung auch für junge Leute interessanter zu machen, indem sie bezahlbaren Versicherungsschutz durch eine Art "Deckel" und Flatrate abbildet. Im Leistungsfall ist ein finanzieller und zeitlicher Rahmen vorgesehen, der die BU einerseits für junge Leute bezahlbar macht und andererseits darauf abzielt, dass sie im Fall der Fälle schneller wieder ins Berufsleben zurückkehren.

Konnten Sie auch andere Vorschläge, die während des Workshops eingebracht wurden, nutzen und in die Prozesse und das Produktangebot der Gothaer integrieren?

Frommer: Wir haben den gesamten Workshop-Tag mit Gesprächen und Diskussionen zum Geschäftsmodell der Arbeitskraftabsicherung als wertvoll empfunden. Die Fachkollegen vor Ort haben durch Fragen und Gespräche ein paar Mal einen Spiegel vorgehalten bekommen – so etwas tut immer gut und fließt in die Produktentwicklung ein.

Wenn Sie eine Bilanz Ihrer Beteiligung ziehen – sind die Ideen, die dort vorgetragen werden, überwiegend eher weltfremd oder durchaus praktikabel? Die Teilnehmer müssen sich ja um Vorschriften, z.B. zum Datenschutz, nicht kümmern – spielt das trotzdem eine Rolle oder ist ihnen das komplett gleichgültig?

Frommer: Genau das ist der Knackpunkt. Datenschutz und Regularien sind elementare Eckpfeiler, an die wir uns halten müssen.  Die Diskussionen mit den Start-Ups helfen uns, zu realisieren, dass diese Regeln aus Kundensicht einerseits nicht immer transparent genug sind und andererseits  gar nicht so relevant wie wir – und der Gesetzgeber – es glauben. Insofern waren auch weltfremde Ideen dabei, die uns im Kern aber deutlich gemacht haben, wo die Kundenbedürfnisse sind. Nur wenn man anfängt, anders zu denken, kann auch wirklich Neues für den Kunden entstehen. Das ist es, woran wir fortwährend arbeiten.

Würden Sie sich noch einmal an einer ähnlichen Veranstaltung beteiligen oder reicht einmal?

Frommer: Ja, wir würden so ein Format noch einmal wiederholen. Wir konnten noch an der einen oder anderen Stelle Optimierungsbedarf feststellen und  haben auch Ideen, was wir gerne beim zweiten Durchlauf ausprobieren würden. Was wir gelernt haben ist, dass es wichtig ist, die Teilnehmer früh ins Boot zu holen und sie mit den Rahmenbedingungen und Informationen vertraut zu machen. Das erhöht sicherlich die Qualität der Ideen!

Glauben Sie, dass ein Format wie Disrupt.me! in stärkerem Maße als bisher in der Versicherungswirtschaft aufgegriffen werden sollte oder reicht es, wenn es einmal pro Jahr auf der InsurTech Week thematisiert wird?

Frommer: Sicher kann ein solches Format auch bei anderen Veranstaltungen gut aufgegriffen werden, das macht absolut Sinn. Die verstaubte Branche muss raus aus ihren Besprechungsräumen und sich Denkanstöße abholen. Nur so können wir Neues kreieren und tatsächliche Mehrwerte für unsere Kunden schaffen. In der Kombination mit der InsurTech Week passt das Format natürlich optimal. Dabei waren viele junge und motivierte Teilnehmer, die sich eine Woche lang verstärkt mit der Versicherungsbranche, ihren Herausforderungen, aber auch mit neuen Ideen und Impulsen beschäftigt haben. Diese Kombination schafft eine super Grundlage!