Interview des Monats

Die VersicherungsPraxis24 im Gespräch mit:

Dr. Lorenz Gräf, Geschäftsführer von Startplatz,

Henning Frommer, zuständiger Produktmanager der Gothaer

 

 

Versicherungsbranche nimmt Herausforderungen der Digitalisierung an

Nicht zuletzt die Digitalisierung macht es erforderlich, dass die Versicherungswirtschaft von ihrem altbewährten “Weiter so!“ abrückt und ihre Geschäftsmodelle imemr wieder auf den Prüfstand stellt. Dadurch hat sie die Chance, Veränderungen in den Erwartungen der Kunden und neue Möglichkeiten zu erkennen, bevor es zu spät ist, um noch wettbewerbsfähig mithalten zu können. Dazu bot im Mai die InsurTech Week eine Möglichkeit, die von dem Startup-Inkubator Startplatz veranstaltet wurde. Partner war die Gothaer, die dabei die Methode Disruptme!, angewendet auf die Berufsunfähigkeitsversiherung, ausprobierte. VersicherungsPraxis24 fragte Dr. Lorenz Gräf, Geschäftsführer von Startplatz, und Henning Frommer, zuständiger Produktmanager der Gothaer, nach den Gründen, warum sie diese Veranstaltung ins Leben gerufen bzw. sich daran beteiligt habenund wie sie deren Verlauf einschätzen.

Herr Dr. Gräf, Startplatz hat das Format Disrupt.me! entwickelt – wie funktioniert dieses Modell und was soll es bringen?

Gräf: Das Format Disrupt.me! entstand ursrpünglich im Silicon Valley. In einem offenen Format stellt sich ein Unternehmen mit einem seiner Geschäftsmodelle, etwa ein spezifisches Versicherungsangebot für eine definierte Zielgruppe, einer Art Wettbewerb. Disruptoren, die aus der digitalen Szene, der Startup-Szene und auch aus der jeweiligen Branche kommen, entwickeln Angriffsstrategien auf dieses Geschäftsmodell. Aus den vielen Ideen der Teilnehmer werden die besten fünf bis sechs Angriffsstrategien ausgewählt und im weiteren Verlauf des Tages zu  Geschäftsmodellen konkretisiert. Das Instrument bietet also digitale Angriffe in spielerischer Form, bevor sie zu tatsächlichen Herausforderung im Markt werden. Auf beiden Seiten – bei den Unternehmen und bei den Disruptoren – beobachten wir erhebliche Lerneffekte. Wir setzen es hier in Deutschland gemeinsam um mit unserem lizensierten Partner Ecodynamics.

Ist es speziell auf die Versicherungswirtschaft zugeschnitten oder kann es auch auf andere Branchen angewendet werden?

Gräf: Es gibt wohl kaum eine Branche, die nicht von der Digitalisierung und somit auch von Disruption betroffen ist, darum kann das Format auch überall angewendet werden. Wir haben es zum Beispiel schon für die Fußballbranche umgesetzt und in Kürze folgt die Energiewirtschaft mit den Stadtwerken Westmünsterland. Weitere sind bereits in Planung.

War die Kooperation mit der Gothaer die erste dieser Art?

Gräf: Aus der Versicherungsbranche war die Gothaer das erste Unternehmen, das mutig genug war, sich dem Angriff der digitalen Generation proaktiv zu stellen.

Werden weitere folgen?

Gräf: Ja. Aus anderen Branchen auf jeden Fall, und wir hoffen natürlich auch, dass sich nun noch weitere Versicherer wagen. Da bin ich aber zuversichtlich.

Herr Frommer, mit welchen Erwartungen hat sich die Gothaer an der Disruptme! beteiligt?

Frommer: Wir sind mit zwei Erwartungen in die DisruptMe!-Veranstaltung gekommen: Wir wollten den Tag nutzen, um einerseits die Methode kennenzulernen und andererseits natürlich um inhaltliches Feedback zu unseren Produkten der Arbeitskraftabsicherung zu erhalten. Die Methode lernt man aus unserer Sicht am besten kennen, wenn man sie wirklich ausprobiert und das konnten wir im Laufe des Tages ausgiebig! Das inhaltliche Feedback einer jungen Zielgruppe, die zum Teil eher versicherungsfern war und uns gespiegelt hat, wie die bisherige Herangehensweise auf sie wirkt, war für uns erkenntnisreich. Und am Ende war es für uns eine gute Möglichkeit der Vernetzung in die regionale Startup-Szene.

Hat die Veranstaltung Ihre Erwartungen erfüllt, insbesondere auch in Hinsicht auf die Beteiligung des Publikums?

Gräf: Die Veranstaltung hat die Erwartungen in meinen Augen sogar übertroffen! InsurTech ist kein einfaches Thema und wir waren positiv überrascht, dass über 30 unterschiedliche Leute - von Studierenden bis hin zu Mitarbeitern anderer Versicherungen oder Makler - mitgemacht haben und vor allem so viele qualitativ hochwertige Ideen für diesen Bereich mitgebracht haben. Hier liegt noch sehr viel verstecktes Potenzial.

War dies das erste Engagement der Gothaer in dieser Richtung?

Frommer: Ja, das DisruptMe!-Format haben wir an diesem Tag das erste Mal ausprobiert.

Gab es Schwachstellen, an denen Sie noch arbeiten müssen?

Gräf: Nein.

Frommer: Wie gerade beschrieben wäre eine etwas frühere Ankündigung sicher hilfreich. Man könnte über das Angebot von Fragerunden im Vorfeld der Veranstaltung den Teilnehmern die Möglichkeit geben, sich intensiver inhaltlich damit zu beschäftigen. Zudem sollten wir in Zukunft noch mehr dahinwirken, Teilnehmer zu gewinnen, die aus einer entwickelten Geschäftsidee tatsächlich ein Startup gründen. Einige vielversprechende Ansätze wurden letztlich leider doch nicht weiterverfolgt.

Gibt es konkrete Ergebnisse in Bezug auf neue Anregungen für die Absicherung der Arbeitskraft oder diente die Veranstaltung in erster Linie dazu, neue Ideen und Denkansätze kennenzulernen?

Frommer: Ein bisschen sowohl aus auch: Wir haben insgesamt viele neue Ideen und Denkansätze kennengelernt und haben andererseits den Gewinnerteams angeboten, ihre Idee gemeinsam weiterzuverfolgen. So sind wir jetzt noch in Gesprächen mit einem der Teams, um gemeinsam herauszufinden, ob und wie wir sie gemeinsam weiterverfolgen können.

Können Sie von den Veranstaltungsergebnissen und -diskussionen etwas  in Ihr Produktangebot übernehmen?

Frommer: Impulse und Denkansätze haben wir sicher bekommen - und diese werden auch in zukünftige Produktentwicklungsprozesse einfliessen. Damit sind unsere Erwartungen erfüllt!