Interview des Monats

Die VersicherungsPraxis24 im Gespräch mit:

 

 

Björn Freter,

Gründer und Geschäftsführer von sum.cumo ®

Digitale Transformation: Frischer Wind von außen

Autorin: Susanne Görsdorf-Kegel

In den acht Jahren seit ihrer Gründung hat sich die sum.cumo GmbH als digitaler Dienstleister für Versicherungs- und Lotteriegesellschaften etabliert. Mit gut 100 Mitarbeitern werden dabei alle Bereiche - von der Beratung über Design und Technologie bis hin zum Marketing - abgedeckt. Gegründet wurde das Unternehmen von Björn Freter, der zuvor u.a. berufliche Erfahrungen als Managing Director bei der Schaffhausen Communication GmbH gesammelt hat. VersicherungsPraxis24 sprach mit ihm darüber, wie die Zusammenarbeit mit Kunden aus der Versicherungsbranche funktioniert und was die sum.cumo GmbH als außenstehender Berater einbringen kann.

Herr Freter, sum.cumo hat sich auf Kunden aus dem Bereich Versicherungswirtschaft und Lotterie spezialisiert – was verbindet ausgerechnet diese beiden Branchen?

Freter: Dass wir für beide Branchen arbeiten dürfen, ist der Historie von sum.cumo und dem Erfahrungshorizont des Teams zu verdanken. Bei der Gründung unseres Unternehmens haben wir uns überlegt, dass beide Branchen einen hohen Bedarf an digitalen Lösungen haben, die nicht nur Einzelprojekte in IT und Marketing umfassen sollten, sondern vielmehr eine klare Vision notwendig ist, wo es in der Zukunft genau hingehen soll. Mittlerweile konzentrieren wir uns aber schwerpunktmäßig auf die Versicherungswirtschaft, weil man es in der Lotteriebranche doch eher mit einer begrenzten Anzahl von rund 16 staatlichen Gesellschaften zu tun hat, während die Versicherungswirtschaft weniger endlich ist. Allerdings bringt die Arbeit für Lotterien nach wie vor interessante Herausforderungen mit sich, von deren Lösungen auch unsere Versicherungskunden profitierten. Zum Beispiel wenn es um extrem großen Datenverkehr über das Internet geht – bei einem großen Jackpot geben in letzter Minute eine große Anzahl von Spielern ihren Spielschein ab und die Daten müssen dann in kürzester Zeit verarbeitet werden.

Sie schreiben auf Ihrer Website, dass sum.cumo 2010 von einem kleinen Team unter Ihrer Leitung gegründet wurde. Wie kamen Sie dazu – welche Voraussetzungen brachten Sie mit, ein Unternehmen zu gründen, das sich als strategischer Partner für Firmen aus diesen beiden Branchen anbietet?

Freter: Ich habe mich von vornherein auf die Internetwelt konzentriert, auch schon bei meiner Tätigkeit für Schaffhausen ab 2001 und habe mich sozusagen parallel zum Fortschritt des Internets weiterentwickelt. Die klassische Agenturwelt bedient nur einen Teil des Problems der Kunden, mein Ansatz war es von vornherein, dass dies aufgebrochen wird und das Unternehmen des Kunden ganzheitlich digital gesehen werden muss. Nach mehreren Jahren als Angestellter wusste ich, dass ich doch lieber selbst Unternehmer werden, aber gleichzeitig Teamplayer bleiben will – dass ich damit wohl nicht ganz falsch liege, zeigt sicher auch die Tatsache, dass wir bei sum.cumo eine Fluktuationsquote von 0 % haben. Nach zwei Jahren hatten wir dann das Glück, das Schweizer Unternehmen Dextra Rechtsschutz als Kunden gewinnen und von Anfang an begleiten zu können. Mittlerweile gibt es auch eine Dextra Autoversicherung, beide gehören nach wie vor zu unseren Kunden, genauso wie die Ergo-Tochter nexible und viele andere Versicherungsunternehmen.

Was heißt es konkret, dass Sie Umsetzungspartner für die Unternehmensdigitalisierung sind – die Informationen auf Ihrer Website dazu sind nicht besonders präzise?

Freter: Viele klassisch ausgerichtete Unternehmen sind ja sehr unerfahren im Betrieb von digitalen Geschäftsmodellen – deshalb ist es für sie sinnvoll, sich einen Partner dafür zu suchen, mit dem man neue Konzepte entwickelt und umsetzt. Viele denken heute noch sehr produktorientiert. Wir helfen ihnen dabei, neue Welten zu erschaffen, ihr Angebot stärker vom Customer Lifetime Value her zu denken. Wir brechen dabei mit dem klassischen Modell der Standardsoftware. Bei uns bekommen sie eine solide Basis an IT, auf der individuelle Lösungen für jeden Kunden implementiert werden können. Die IT ist bei uns nicht das Problem, sondern die Lösung und quasi die Daseinsberechtigung. Dabei streben wir eine langfristige Zusammenarbeit an und wollen gemeinsam mit unseren Kunden wachsen.

sum.cumo präsentiert sich und seine Mitarbeiter auf Ihrer Website unkonventionell mit Selfies und eher emotional. Sie sagen selbst, Sie seien „verliebt“ in Ihr Unternehmen – wie gestaltet sich unter diesen Voraussetzungen die Zusammenarbeit mit Ihren Auftraggebern, die ja wohl eher anders ticken?

Freter: Wir sind bei der Zusammenarbeit mit unseren Kunden Teil des Teams, bilden gewissermaßen mit deren Mitarbeitern eine „agile Einheit“, das heißt, unsere Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen arbeiten gemeinsam einen Teil ihrer Zeit so, als ob sie zum Kunden gehören. Unsere Kunden suchen ja neue Ideen, sie stehen alle vor den gleichen digitalen Herausforderungen und profitieren bei der Zusammenarbeit mit uns von unserem Spirit, egal, ob es dabei um eine Neugründung wie nexible oder um einen internen Run-off geht, bei dem die herkömmliche und die digitale Welt noch eine Zeitlang nebeneinander her betrieben werden.

Kommunizieren Sie dabei nur mit dem Management oder beziehen Sie Mitarbeiter, Vermittler und Kunden ein?

Freter: Ich selbst kommuniziere vor allem auf der Managementebene, weil dort die Entscheidungen über strategische Projekte fallen. Aber wir haben zum Beispiel gerade auch ein Projekt bei einem Maklerversicherer, bei dem wir in der Zusammenarbeit bei den Maklern anfangen und sie kontinuierlich einbeziehen. Alle zwei Wochen legen wir ihnen quasi als Sparringspartner unsere Ergebnisse vor und diskutieren sie mit ihnen. Fachkenntnisse können sehr hilfreich sein bei der Lösung von Problemen, aber zugleich auch der größte Gegner. Ich denke, unser Vorteil ist, dass wir wissen, wie man die richtigen Fragen stellt.

Und wie sieht Ihr Kontakt mit den Mitarbeitern aus, insbesondere in Unternehmen, die einen internen Run-off durchführen?

Freter: Viele erkennen, dass sich durch die Digitalisierung neue Chancen bieten, indem das Unternehmen beispielsweise mit einer stärkeren Konzentration auf den Service in Nischen wachsen kann. Es ist aber natürlich ein Irrglaube, dass das für alle Unternehmen gilt, und auch nicht für jedes InsurTech. Viele Versicherer denken ja immer noch, dass ihre Finanzkraft sie schützt und verkennen, welch intensives Learning erforderlich ist, um die Herausforderungen zu bestehen.

Welche konkreten Projekte wurden bereits umgesetzt, von denen insbesondere auch Vermittler profitieren?

Freter: Wie schon erwähnt, haben wir Dextra bei dem Aufbau ihrer erfolgreichen Rechtsschutz- und Autoversicherungsgesellschaften von Anfang an begleitet und dabei überall mitgewirkt – das Geschäftsmodell, die Marketingstrategie und die Versicherungsplattform entwickelt. Zusammen mit Ergo haben wir in Form von nexible eine komplett neue Gesellschaft auf die Beine gestellt und arbeiten außerdem an einem maklergetriebenen Projekt, das von der Produktentwicklung bis zum Service alles umfasst.

Sehen Sie für Vermittler überhaupt noch eine wichtige Rolle in Zukunft oder glauben Sie, dass es langfristig nur noch alles online läuft?

Freter: Auch in Zukunft gilt, dass der Kunde entscheidet, nicht der Versicherer. Der Vermittler hat dabei unbedingt eine wichtige Rolle als Ansprechpartner für komplexere Produkte. Aber die Digitalisierung kann dabei helfen, Tools zu entwickeln, die er beispielsweise auf seine Website integrieren kann, um so die Beratung von Produkten wie die Autoversicherung, die sich von der Provision her kaum lohnt, kostengünstiger zu machen, ohne die Beratungspflichten zu verletzen.

Sehen Sie bereits neue technologische Entwicklungen auf die Versicherungsbranche zukommen, die die jetzige Situation ablösen?

Freter: Ja, unbedingt. Sie sehen ja zum Beispiel, wie das Smartphone im Massengebrauch in gerade einmal fünf Jahren das Leben verändert hat. Das wird auch in anderen Bereichen so kommen. Denken Sie nur an die Möglichkeiten, welche die Spracherkennung oder die künstliche Intelligenz bieten. Entscheidend ist es, dass die Fragmentierung der IT beseitigt und Landschaften geschaffen werden, die eine umfassende Datenanalyse ermöglichen, die beispielsweise in der Versicherungsbranche individuelle Lösungen statt der heutigen Standardtarife zulassen.