Aktuelles

28.04.2020

Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft (GVNW) e.V. fordert neue Pandemiedeckung zum Schutz der Wirtschaft.

Sehr geehrte Damen und Herren, durch die COVID-19-Krise sind viele der von uns vertretenen Unternehmen stark in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung betroffen. Die finanziellen Folgen der Krise sind derzeit noch kaum zu überblicken. Die nationalen Regierungen und auch die EU haben weitreichende, milliardenschwere Notfallprogramme aufgelegt, um die Gesundheitssysteme zu stärken sowie die stark belastete Wirtschaft so weit zu unterstützen, dass nachhaltige Schäden möglichst gering gehalten werden. Die massiven staatlichen Finanzierungen könnten zukünftig zu nicht unerheblichen Belastungen der Steuerzahler führen.

Die Pandemie zeigt uns auch, dass die bestehenden Versicherungslösungen für die Wirtschaft keinen ausreichenden Schutz bieten. So wird z.B. eine üblicherweise im Rahmen eines Sachversicherungsprogramms eines Unternehmens abgeschlossene Betriebsunterbrechungsdeckung nur dann eintreten, wenn ein gedeckter Sachschaden für eine solche Betriebsunterbrechung ursächlich ist. Bei bestehenden Betriebsschließungsversicherungen verweigern einige Versicherer Zahlungen mit dem Hinweis auf das Infektionsschutzgesetz, in das SARS-CoV-2 erst Ende März 2020 aufgenommen wurde. Pandemierisiken sind darüber hinaus aktuell nicht versicherbar.

Als Vertreter der versicherungsnehmenden Wirtschaft und der deutschen Industrie sehen wir in unserer Praxis derzeit eine Vielzahl von Beispielsfällen, in denen versicherungsnehmenden Unternehmen der Deckungsschutz in Schadenfällen aufgrund der Corona-Pandemie nicht gewährt wird. Neben einer Reihe von versicherungsrechtlichen Deckungsstreitigkeiten erwarten wir, dass auch die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Versicherung und deren Reputation wieder in den Unternehmen aufflammen wird.

Vor diesem Hintergrund gilt es nach unserer Auffassung, aus dieser Situation bereits jetzt die richtigen Schlüsse zu ziehen und Vorkehrungen zu treffen, um vergleichbare Situationen in Zukunft besser bewältigen zu können, ohne zuerst und ausschließlich auf den Steuerzahler zurückgreifen zu müssen. Wenn die Corona-Krise unter Kontrolle gebracht wurde und unsere Lebensweise sich wieder auf dem Weg zur Normalität befindet, müssen wir uns ernsthaft Gedanken darüber machen, wie Wirtschaft und Industrie auch in Deutschland besser gegen die wirtschaftlichen Folgen von Epidemie- und Pandemierisiken geschützt werden können. Deswegen fordert der GVNW, dass die private Versicherungswirtschaft zusammen mit staatlicher Unterstützung eine geeignete Struktur für die Absicherung zukünftiger Pandemierisiken aufbaut. Hierüber sollte dann zukünftig Versicherungsschutz gegen Pandemierisiken für Unternehmen leicht zugänglich sein und eine umfassende Deckung gegen die wirtschaftlichen Folgen einer erneuten Pandemie bieten. Eine solche Deckungsstruktur könnte z.B. in Form eines Pandemie-Pools gestaltet werden. Hierfür gibt es international zahlreiche funktionierende Beispiele für die Abdeckung von Kumulrisiken - z.B. bei Naturkatastrophen, Terrorrisiken oder speziellen Gefahren (wie z.B. Nuklearrisiken).

Der GVNW steht bereits im Dialog mit Vertretern verschiedener Institutionen, um die Diskussionen für zukünftige Pandemiedeckungen anzuregen und voranzutreiben.

Dazu der Vorstandsvorsitzende des GVNW, Dr. Alexander Mahnke:

"Bei einer Pandemie handelt es sich dem Grunde nach um keinen "schwarzen Schwan", wir wussten alle, dass ein solches Risiko sich eines Tages realisieren könnte. Das Ausmaß, nicht zuletzt auch in wirtschaftlicher Sicht, hat uns indessen kalt erwischt. Der Versicherungsmarkt bietet hiergegen bislang keine geeignete Absicherung und kann dies aufgrund der hierfür notwendigen Finanzkapazitäten auch in Zukunft alleine nicht tun. Aus diesem Grund sind wir der Meinung, dass eine privatwirtschaftlich-staatliche Initiative nötig ist, um ein für die Zukunft geeignetes Absicherungsinstrumentarium zu schaffen. Vorbild könnte z.B. EXTREMUS sein, der im Nachgang zum 11.9.2001 in Deutschland gegründete Terrorversicherer, hinter dessen von der deutschen Versicherungsindustrie zur Verfügung gestellten Versicherungskapazität der Bund mit einer Staatsgarantie steht. Wir appellieren an alle Marktteilnehmer, hierzu schnell Gespräche aufzunehmen!"

Über den GVNW

Der Gesamtverband der versicherungsnehmenden Wirtschaft e.V. (GVNW), Bonn, vertritt seit 1901 die Interessen der versicherungsnehmenden Wirtschaft gegenüber Versicherern, deutschen und europäischen Institutionen. Er berät und unterstützt seine Mitgliedsunternehmen bei Fragen rund um die Versicherung von gewerblichen- und industriellen Risiken. Ferner setzt sich der GVNW für die Weiterentwicklung von Versicherungs- und Risikotransferlösungen ein.

Der GVNW steht in der Nachfolge und Tradition des am 11. Juni 1901 gegründeten Deutschen Versicherungs-Schutzverband e.V. (DVS) und des am 24. April 1969 gegründeten Bundesverbands firmenverbundener Versicherungsvermittler und -gesellschaften e.V. (bfv).

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