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28.02.2020

Alternativen zu Graumarktanlagen

Am sog. Grauen Kapitalmarkt, wo inzwischen fast wöchentlich Großschäden vermeldet werden, werden vor allem Ängste bedient. Finanzberater, die das erkannt haben und in ihre Beratungsphilosophie einbeziehen, haben es schwer. Schließlich scheinen die Ängste, nicht nur aus der Sicht der Anleger, teilweise berechtigt. Gegen Ängste zu argumentieren ist zudem meist vergebens. Ängste aufzugreifen und in sinnvolle Anlageempfehlungen umzuleiten erscheint da um Vieles erfolgversprechender.

Katastrophenangst verlangt nach Fungibilität

Die beste Katastrophenvorsorge für Anleger sind fungible Anlagen. Denn der Sinn jeglicher Anlagetätigkeit ist es, dann, wenn es darauf ankommt, auch wirklich über sein Vermögen verfügen zu können. Auch am Grauen Kapitalmarkt wird meist, leider zu Unrecht, mit Fungibilität argumentiert.

Jederzeitige verlustfreie Verfügbarkeit des Anlegergeldes ist am Grauen Kapitalmarkt fast immer eine gut verpackte Illusion, was allerdings von den meisten Anlegern nicht erkannt werden kann. So kommt es, dass Verträge über angebliche Altersvorsorgeanlagen abgeschlossen werden, die so gut wie keine Chance haben, dann wenn das Geld gebraucht wird, in Liquidität umgewandelt werden zu können. Auch wohlfundierte Argumente aus dem Gesellschaftsrecht, die die Nichteignung der meisten Anlagen am Grauen Kapitalmarkt für fast alle denkbaren Anlageziele schonungslos offenlegen, verfehlen ihre Wirkung bei den meisten Anlegern.

Ängste

Die Ängste vieler Anleger entstehen nicht nur aufgrund konkreter Erwartungen. Die weit verbreitete Unsicherheit beim Thema Geldanlegen u.a. aufgrund des weit verbreiteten erschreckenden Unverständnisses der Abläufe an den Finanzmärkten spielt gleichfalls eine wichtige Rolle.

Eine Aufzählung der häufigsten Anlegerängste beginnt mit der allgemeinen Katastrophenangst. Aber auch konkretere Ängste wie die Angst vor Konjunkturschwäche, vor den Folgen der anhaltenden Niedrigzinsphase, vor Energieproblemen und nicht zuletzt vor Altersarmut spielen eine große Rolle.

Empfehlung für Finanzberater

Finanzberatern ist anzuraten, zumindest für die häufigsten Fehlurteile von Anlegern, bei denen die Gefahr besteht, dass sie ihre Ängste mit risikoreichen Graumarktanlagen bekämpfen könnten, ein geeignetes Produktinstrumentarium vorzuhalten. Wir haben im Folgenden Beispiele aufgeführt, die bitte nicht als Anlageempfehlung gedacht sind. Beratung und Produktempfehlung sind schließlich Aufgabe des Finanzberaters und bedürfen einer professionellen Analyse der Situation des jeweiligen Anlegers.

Graumarktangebote zur Bekämpfung der Ängste

Der Graue Kapitalmarkt hält zur Angstbekämpfung u.a. Produkte wie Gold und Edelmetalle, Immobilien (Sachwertanlagen), Wald und Holz, Kryptowährungen und Agrarinvestitionen bereit. Dieses Produktspektrum leuchtet vielen Anlegern ein. Ein gravierendes Problem besteht jedoch bei den genannten Anlageformen am Grauen Kapitalmarkt in der meist fehlenden Fungibilität und Transparenz. Was nutzt es, in das richtige Anlageprodukt investiert zu haben, wenn man nicht mehr an sein Geld kommt? Wegen der mangelnden Transparenz erfährt das der Normalanleger, wenn es nicht zwischenzeitlich zur Insolvenz der Beteiligungsfirma kommt, oft erst am Tag der gewollten Verfügung.

Ein weiteres Problem, neben der mangelnden Fungibilität und Transparenz, ist das Sicherheitsniveau dieser Anlagen. Zudem sind Graumarktanlagen in aller Regel mit hohen Provisionen für den entsprechenden "Berater" belastet, die schon für sich genommen, einen wirtschaftlichen Erfolg der Anlage oft fraglich erscheinen lassen. Außerdem sind die hohen Provisionen dazu angetan, den "Berater", allein wegen dieser Provisionen, zur Empfehlung dieser Produkte zu verleiten.

Fungible (liquide) Produktalternativen

Es ist leicht und unkompliziert möglich, Graumarktangebote durch fungible und überwachte Finanzprodukte zu ersetzen, die zudem meist ein wesentlich geringeres Anlagerisiko, geringere Kosten und weit bessere Anlagechancen aufweisen. Themenorientiert lassen sich die fungiblen und dadurch sichereren Alternativen zu Graumarktanlagen wie folgt beschreiben:

Wer eine allgemeine Katastrophenangst mit sich herumträgt, der kann unproblematisch und zu vergleichsweise geringen Kosten in überwachte Produkte zur Katastrophenanlage Nr. 1, dem Gold, investieren. Die Auswahl ist riesig: Bei den Publikumsfonds, die meist in Goldminenaktien investieren, gibt es eine Reihe von Fonds mit einer oft jahrzehntelangen erfolgreichen Historie. Auch im ETF/ETC-Bereich gibt es Fonds, die teilweise zu geringen Kosten u.a. auch in physisches Gold investieren und dennoch, genauso wie die Publikumsfonds, börsentäglich wieder in Liquidität zurückverwandelt werden können oder auch in physischem Gold auszahlbar sind.

Ängste vor Geldentwertung werden am Graumarkt oft mit Produkten wie Immobilienfonds auf KG- oder Nachrangdarlehnsbasis und nicht fungiblen Private Equity Anlagen, bedient. Diese Anlagen werden oft wegen ihres angeblichen "Sachwert"-Charakters empfohlen. Dabei handelt es sich in der Regel um Investitionen in Unternehmensbeteiligungen (KG-Beteiligungen) und Darlehnskonstruktionen (z.B. Nachrangdarlehn). Der Begriff Sachwertanlagen führt ohnehin bei Graumarktanlagen oft in die Irre, weil ja tatsächlich nicht in Sachwerte, sondern in Unternehmensbeteiligungen und Darlehn investiert wird, bei denen der Sachwertcharakter zunächst nur auf dem Papier, dem Prospekt steht (Blind Pool).

Viele Anleger verkennen, dass man diese Anlagethemen sehr einfach, fungibel, risikoreduziert und chancenoptimiert sowie frei von Abwicklungsrisiken und dafür mit hohem Transparenzniveau über Immobilienaktienfonds, Private Equity ETFs und über Fonds mit Aktien von Forst- und Agrarbetrieben abdecken kann. Allesamt Anlagen, die, ganz im Gegensatz zu Graumarktanlagen, börsentäglich auch wieder veräußert werden können.

In Kryptowährungen zu investieren, ist eine Vorgehensweise, die eine ausgeprägte Risikobereitschaft voraussetzt und deshalb für den Bedarf eines Normalanlegers, der seine Altersvorsorge regeln will, nicht in Betracht kommt.

Allerdings, wenn Anleger die Werbeaussagen der Graumarktanbieter ungeprüft und gutgläubig als real ansehen, ist ihnen nicht zu helfen. Helfen kann jedoch der Rat eines kompetenten Finanzberaters.

Fazit

Für Angebote des Graumarktes gibt es, leicht für jedermann und durch geringe Mindesteinzahlungen zugänglich, durchgehend Alternativen, die wesentlich bessere Chancen und wesentlich geringere Risiken als die entsprechenden Graumarktanlagen aufweisen. Dass dennoch viele Anleger Graumarktanlagen den aussichtsreicheren Alternativen vorziehen, kann eigentlich nur mit dem ganz wesentlich höheren Provisionsniveau dieser Anlagen erklärt werden.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.