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07.11.2019

Defensive Finanzanlagen sind in turbulenten Zeiten gefragt

Die Welt ist aus der Sicht von Anlegern und ihren Beratern unübersichtlicher und damit risikoreicher geworden. Vermittler defensiver Anlageformen sind gefragt. Finanzberater, die ihren Bestandskunden Umschichtungen mit dem Ziel erhöhter Sicherheit anbieten, sind oft erfolgreich. Die Frage stellt sich nur: Welche Anlageformen sind überhaupt als defensiv einzuschätzen?

Hinweis: Die folgende Aufzählung von Anlageformen mit Sicherheitsappeal ist vermutlich aus der Sicht des einen oder anderen Lesers nicht vollständig. Unsere Bewertung der genannten Anlagen könnte bei manchem Leser auf Widerspruch stoßen. Das liegt natürlich daran, dass es auf dieser Welt leider keine dauerhafte und absolut verlässliche Form von Sicherheit gibt und deshalb auch keine absolut sichere Kapitalanlage. Das wiederum hat u.a. damit zu tun, dass sich diese Welt dauernd verändert und dass Prognosen deshalb nicht eintreffen müssen.

Der Klassiker: Festverzinsliche

Fast könnte man sagen, von alters her bildeten die festverzinslichen Wertpapiere die klassische Sicherheitsergänzung zu Unternehmensbeteiligungen über Aktienanlagen. Die Niedrigzinsperiode hat den Anleihebesitzern während der Phase eines immer weiter fallenden Zinsniveaus noch einmal kräftig Geld in die Kassen gespült, bis das Zinsniveau bei der Nulllinie angelangt war und jetzt sogar Strafzinsen drohen. Das ändert natürlich nichts daran, dass zum Beispiel Bundesanleihen nach wie vor als nominell sehr sichere Anlagen angesehen werden müssen. Allerdings sind die Zinserträge sehr bescheiden und es drohen in diversifizierten Rentendepots bei wieder steigenden Zinsen Kursverluste.

Die Betörende: Gold

Gold als Sicherheitsanlage zu bezeichnen, ist problematisch. Denn eigentlich investiert der Goldkäufer in ein Metall, das zwar wunderschön glänzt, aber kaum Nutzwert besitzt, auch keine regelmäßigen Erträge abwirft, aber bei Erwerb, Verwahrung und Wiederverkauf Kosten verursacht. Gold wird so automatisch zum Verlustgeschäft, wenn der Preis nicht steigt. Die Preisentwicklung beim Gold ist zudem besonders schwer zu prognostizieren, weil die Interessen derjenigen Institutionen, die den weit überwiegenden Teil der Goldbestände halten, stark veränderbar sind und sich logischen Gedankengängen nicht immer erschließen. Dies ergibt sich u.a. daraus, dass zum Beispiel sich ergebende politische Konstellationen unerwarteten und gravierenden Einfluss auf die Goldpreisentwicklung haben können. Schließlich liegt das meiste Gold in staatlichen Tresoren.

Die Überschätzte: Immobilien

Die Immobilie hat ihren Ruf als Sicherheitsanlage zweifellos zu Recht. Insbesondere die eigengenutzte Immobilie kann helfen, so manche Unbill des Lebens abzufedern. Immobilien als Kapitalanlage allerdings können, wie. z.B. die Entwicklung am Grauen Kapitalmarkt der letzten 30 Jahre zeigt, hohe Vermögensverluste verursachen bis hin zur Privatinsolvenz. Auch der Erwerb von z.B. Eigentumswohnungen für die Kapitalanlage kann verlustreich sein. Das liegt u.a. auch an den Marktbedingungen: Im Gegensatz zum Wertpapieranlagemarkt ist der Immobilienanlagemarkt sehr weitgehend unreguliert. Fast jedermann kann Immobilienanlagen anbieten. Auch können sich viele Anleger nicht vorstellen, dass Immobilien auch Wertverluste erleiden können und werden so leicht zum Opfer unseriöser Anbieter.

Die liebste Strategie der Berater: Diversifikation

Angesichts der Unwägbarkeiten politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen ist die Diversifikation von Vermögen sicher die wichtigste Form der Absicherung, obwohl es auch hier natürlich keine endgültige Sicherheit geben kann. Die Diversifikation ist sinnvoll in Bezug auf Anlageformen, Branchen, Länder/Staaten und gelegentlich auch in Bezug auf die Währung. Die Notwendigkeit von Diversifikation leuchtet auch unerfahrenen Anlegern ein. Diversifikation muss jedoch innerhalb des Vermögens transparent und beherrschbar sein. Die Allokation eines diversifizierten Vermögens muss außerdem veränderten Situationen angepasst werden können. Damit fallen viele Angebote des Grauen Kapitalmarktes vollständig aus, weil die Transparenz oft fehlt. Meist ist dem Beteiligten auch gar nicht bekannt, in welche Zielanalagen sein Fonds" investiert, in welcher Währung dies geschieht, in welchem Land/Staat die Investition stattfindet usw. Damit wird die Diversifizierung eines Vermögens, das auch in Graumarktprodukte investiert ist, zu einem Stochern im Nebel.

Insgesamt

Gerade Defensivstrategien bedürfen einer permanenten Überwachung durch einen kompetenten Fachmann. Defensive Anlageformen können sich zu risikoreichen Anlageformen wandeln, wie in vielen Bereichen der Anlage in Festverzinslichen aufgrund der Niedrigzinspolitik erkennbar. Dies ist ein ergiebiges Feld für kenntnisreiche Finanzberater. Sicherheit ist und bleibt schließlich das Argument Nr.1 bei der Beratung privater Anleger.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.