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02.05.2019

Neue Auflage der "Deutschlandrente"? Verbraucherzentrale fordert Extrarente

Neuer Wein in alten Schläuchen? Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert ein neues Modell der Altersvorsorge, die sog. Extrarente (mehr: https://www.vzbv.de/pressemitteilung/vzbv-stellt-extrarente-vor). Die Extrarente erinnert in vielem an die Deutschlandrente: Obligatorium mit Opting-Out, öffentlich-rechtlicher Träger, freie Kapitalanlage ohne jede Garantie, kostengünstig und Abwicklung über den Arbeitgeber.

Begründet wird diese Forderung mit einer neuen Umfrage - so die Pressemitteilung der vzbv - "58 Prozent aller Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland würden gerne mehr privat für das Alter vorsorgen, nennen aber mangelndes Vertrauen in die Angebote am Markt als Hinderungsgrund. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Umfrage von KantarEmnid im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Der vzbv fordert, die private Altersvorsorge zu reformieren und schlägt unter dem Namen "Extrarente" ein Modell für ein öffentlich-rechtlich organisiertes Standardprodukt vor. Knapp drei Viertel der Verbraucher befürworten ein solches Standardprodukt."

Damit eine einfache und kostengünstige private Altersvorsorge in Deutschland Realität wird, fordert der vzbv, dass die Bundesregierung einen Gesetzentwurf für ein Standardprodukt vorlegt. Dies sei noch in diesem Jahr realisierbar. Der Verbraucher solle schon ab 2022 mit der Extrarente vorsorgen können.

Pikant: Nachdem beim sogenannten Sozialpartnermodell überdurchschnittlich häufig in der Umfrage das Garantieverbot als Hindernis genannt wird, weil - wenig überraschend - die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen eine nicht vorhandene Garantie wenig schätzen, soll auch die Extrarente keine Garantie in der Ansparphase enthalten. Das ist - bei professioneller Kapitalanlage - gut für die Rendite, aber eben schwierig zu kommunizieren. Auch eine Riesterförderung der Extrarente möchte man bei der vzbv nicht ausschließen, allerdings nur, wenn der Förderrahmen der Riesterrente angepasst wird und es bei Riester keinen Garantiezwang mehr gibt.

Obwohl keine Betriebsrente, soll jeder Arbeitgeber gezwungen sein, die Extrarente anzubieten. Das bedeutet mehr Verwaltungsaufwand gerade für kleine und mittelständische Unternehmen. Die vzbv sieht diese Verpflichtung auf gleicher Höhe mit der Abführung von Steuern und Sozialabgaben durch den Arbeitgeber.

Die Extrarente soll, soweit ersichtlich, nur in Form eines Auszahlplanes oder eine lebenslangen Rente genutzt werden können. Hier darf auch eine garantierte Rente eines Versicherers gewählt werden. Bei einem Auszahlplan kann es wohl abhängig von der Kapitalmarktlage auch zu Schwankungen der Rente nach oben oder auch nach unten kommen. Mit der Option eine garantierte Versichererrente zu wählen, meidet die Extrarente einen "Webfehler" des Sozialpartnermodells, wo es keine Möglichkeit gibt in der Rentenphase Garantien auszusprechen. Bei allen Sicherungsoptionen verbleibt dort das Restrisiko einer nach unten schwankenden Rente.

Fazit:

Die Extrarente wirbt mit "fair.einfach.mehr" und kommt - wie die Deutschlandrente - als Gegenentwurf zur Riesterrente oder Betriebsrente, insbes. zum Sozialpartnermodell daher. Allerdings fußt die Grundidee auf Cherry-Picking, Wettbewerbsverzerrung und Ablasten von Aufwände auf Dritte. Auch die anderen Angebote lassen sich genauso kostengünstig organisieren, wenn z.B. der Arbeitgeber den Aufwand des Opting-Outs handelt. Und wenn es ein Level-Playing-Field bei den Garantien gibt, sind die anderen Angebote genauso leistungsfähig. Die Extrarente macht damit die Altersvorsorge noch komplexer und priviligiert einseitig ein neues Produkt.