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08.06.2018

Kreativität ohne Grenzen: Die große Vielfalt der Startups

Im Rahmen des 1. Hamburger Insurance Innovation Day bekamen insgesamt 19 Startups die Gelegenheit zur Vorstellung ihrer Geschäftsmodelle. Es präsentierten sich InsurTechs und FinTechs aus ganz Deutschland und mit ganz unterschiedlichen Ansätzen - vom digitalen Versicherer über datenvisualisierte Kommunikationslösungen bis hin zum InsurTech as a Service-Anbieter war alles vertreten. Schon die Liste der Teilnehmer versprach ein Who-is-Who der Branche.

Slot 1 teilten sich ELEMENT, wefox, sysmo, profino, Crowdheroes. In Slot 2 konnten sich Getsafe, Adam Riese, sum-cumo und KASKO präsentieren. Da beide Slots zeitlich parallel angesetzt waren, konnte VersicherungsPraxis24 für Sie die Startups von einem Slot - der Nr. 2 - genauer unter die Lupe nehmen - hier die Portraits:

Getsafe Digital GmbH: Ein Vorreiter öffnet sich für Makler

Die Getsafe Digital GmbH aus Heidelberg ist als digitaler Makler ein Vorreiter unter den InsurTechs - und dass sogar auf europäischem Parkett. Das Unternehmen hat es sich zum Ziel gemacht, eigene Versicherungslösungen zu entwickeln, dabei alle Sparten abzudecken und alles in einem Verwaltungssystem abzubilden. Der Kunde werde schon im Onboarding-Prozess per Bot begleitet, schilderte Karl Grandl (Head of Insurance) den interessierten Teilnehmern. Allein durch Eingabe einiger weniger Daten werde ein Grundstock für ein erstes Angebot gelegt, beispielsweise eine Single-Haftpflicht. Dann gehe es darum, dem Kunden Vorschläge für Erweiterungen zu geben. Und wenn der Kunde erst einmal abgeholt ist, denkt Getsafe auch karitativ. So können zum Beispiel erwirtschaftete Überschüsse auf Wunsch des Einzelnen auch gespendet werden. Bisher werde dieses Feature aber eher in geringem Maße genutzt, räumt Grandl ein. Im Leistungsfall kann der Kunde die Schadenbearbeitung komplett online steuern - und zwar in nur drei Sekunden mithilfe von Bot- und Fotofunktion.

Da sich der Startup-Pionier als Marktplatz für Versicherungslösungen sieht, sind Kooperationen gern gesehen. Mit der Münchener Rück arbeite Getsafe bereits erfolgreich zusammen, man könne aber auch weitere Risikoträger aufnehmen, so Grandl. Und was gibt es für neue Projekte? Auch das verriet Grandl in einem kurzen Umriss. Im September 2018 werde ein neuer Einkommensschutz gelauncht, der mit einer Risikoprüfung auf Basis von neun Fragen auskomme und der sich in Form einer visualisierten Körperreise darstelle. In dem Getsafe-Tarif erfolge eine sofortige Berechnung anhand der Eingabe und auf Grundlage eines Katalogs von vers.diagnose. Es gäbe keine Ausschlüsse, sondern entweder einen Zuschlag oder eine Ablehnung. Zudem arbeite das Unternehmen gerade daran, sich auch dem Vertriebsweg Makler zu öffnen.

Adam Riese: Das InsurTech des etablierten Versicherers

Adam Riese wurde von Dr. Christian Wolter (Head of Marketing, Websitemanagement & Analytics) vorgestellt. Warum dieser Name? Gerne erklärte Wolter dem Auditorium, wie es zu der Namensgebung gekommen ist. Adam Riese zeige eine Nähe zu Zahlen und sei durch die Historie sehr positiv besetzt. Das wollte man sich als Unternehmen für den ersten Eindruck beim Kunden zu Eigen machen. Das Startup, das zur W&W-Gruppe gehört, sei eng mit dem Haupthaus verknüpft. Der etablierte Versicherer habe zwar eine starke Ausschließlichkeit und bewege sich bereits nah am Kunden, W&W wolle mit dem InsurTech nun aber auf das veränderte Kundenverhalten reagieren und andere Zielgruppen erreichen. Das sei auch gelungen, wie erste Analysen der nunmehr sechs Monate Marktpräsenz zeigen, führte Wolter stolz an. Dem Kunden biete Adam Riese Versicherungslösungen in den Sparten Sach und Komposit. Der große Vorteil im Leistungsfall sei der digitale Schaden-Journey, der unter fünf Minuten zum gewünschten Ergebnis führe und mit der Erleichterung der Spracheingabe arbeite. Einen großen Absatzkanal verzeichne das InsurTech über Makler, was verdeutliche, dass sich die Präsenz auf der DKM ausgezahlt habe, betont der Marketingleiter. Aber auch bei Check24 könne sich das Unternehmen sehr gut behaupten. Man merke, dass das Vergleichsportal bei Kunden ein besonderes Vertrauen genießt, was sich auch auf die dort präsenten Partner übertrage.

sum-cumo: Erfolgsprojekt nexible als Aushängeschild

20 Minuten können schnell vorbei sein, denn schon ging es mit sum-cumo weiter. Die GmbH ist mittlerweile acht Jahre im Markt und versteht sich als Dienstleister für Unternehmen, die die Digitalisierung mit kompetenten Partnern und nicht (ausschließlich) eigenständig umsetzen wollen. Die innovative Firma ist als "alter Hase" der Branche schon mit eindrucksvollen Projekten in Erscheinung getreten. Den größten Kunden "nexible" haben wir in nur sechs Monaten gelauncht, erzählt Christoph Biallas (Mitglied der Geschäftsleitung). In so einer kurzen Zeit sei es natürlich nicht möglich gewesen, alles umzusetzen. So sei man am Anfang ohne Operation und Claims gestartet und habe im Hintergrund - also für den Kunden nicht sichtbar - zunächst noch mit viel Handarbeit agiert. Der volldigitale Versicherer - für sum-cumo aber mit ausreichender Zeit kein Problem. Dabei läge der Fokus immer auf dem Kunden bzw. User. Und um dies zu erreichen werde bei allen Projekten beispielsweise mit Prototyping und Fokusgruppen gearbeitet. Innovation in der Versicherungswirtschaft sei heutzutage vor allem auf ein "Mehr" zum Produkt gerichtet. Und da wäre es sehr schön, dass es das Problem "Overshooting" hier nicht gäbe. Bei User Experience bestehe keine Gefahr von zu viel.

KASKO: Selbstbewusster Partner auf internationalem Parkett

Kasko ist ein weltweit agierendes Unternehmen, das sich selbstbewusst mit dem Satz präsentiert: In 2-3 Wochen werden Sie digital! Es bietet in mittlerweile fünf Ländern (Deutschland, Großbritannien, Schweiz, Kanada, USA) interessierten Unternehmen "InsurTech as a Service" an, wobei Co-Founder Nikolaus Sühr einräumt, dass das Unternehmen nicht den Anspruch hat, alles selbst zu übernehmen. In den Bereichen Payment oder Analytics würden kompetente Partner einbezogen, sodass sich KASKO auf die Kernkompetenzen Beratung, Entwicklung und laufende Optimierung von Versicherungsservices konzentriere. Der Blick auf die Technik lässt durch Plugin oder Api eine besondere Flexibilität vermuten, mit der Digitalisierung keine Grenzen gesetzt sind. In Deutschland agiert das Startup von Hamburg aus - inkl. Vermittlerlizenz.

Nach dem Mittagessen folgten schließlich die Vorstellungsrunden der Slots 3 und 4. Slot 3 nutzen für sich ONE, Mjoo, Haftpflicht Helden, Smart Insur Tech und bi:sure aus Münster. Den Slot 4 teilten sich Neodigital, Nect, Picsure, SkenData und CodeCamp:N. VersicherungsPraxis24 hat für Sie Slot 3 besucht:

ONE: Das InsurTech mit großem Bekanntheitsgrad

Das zur wefox-Gruppe gehörende Startup ist im Februar 2018 mit einer digitalen Hausrat- und Haftpflichtversicherung live gegangen und zählt bereits heute 12.000 Kunden. Wie schon bei einigen Vorrednern ist auch Alexander Huber (Co-Founder) besonders stolz auf den vollautomatisierten und damit besonders schnellen Prozess der Schadenbearbeitung. Der Kunde ist in 3 Minuten mit den Eingaben fertig und erhält in 60 % der Fälle noch am gleichen Tag seine Leistung. Mit einem Bonussystem wird der Kunde bei Schadenfreiheit belohnt oder kann - wie bei Getsafe - sein Cashback spenden. Huber sprach ebenfalls über next steps des Unternehmens. In Q2 widme sich das Unternehmen vor allem der Schadenprävention in Form des "ONE-Coaches". Im Gemeinschaftsprojekt mit Munich Re und Axon Vibe will das Startup ein Punkte-Belohnungs-System einführen. Zudem arbeite man an einer Absicherung in Echtzeit.

Mjoo: Alsterspree gibt Rückenwind

Mit seiner Contentstärke in einem erklärungsbedürftigen Umfeld setzt Alsterspree seine Digital-Strategie konsequent fort und launcht mit Mjoo das erste Startup für datenvisualisierte Videokommunikation. Mithilfe der Dynamic Video Plattform können Versicherer und Vermittler ihren Kundendialog zukünftig digitalisieren. Der Individualisierung erfolgt durch ein Lochkartenprinzip. Beispielsweise können Versicherer auf diesem Wege erklärungsbedürftige Abrechnungen im Leistungsfall einer Krankenversicherung vereinfacht darstellen - egal ob im Stil eines Comics oder als Realfilm. Denkbar sind aber auch Terminerinnerungen, Gruß- und Danke-Videos oder aber ein persönliches Angebot als Upsell-Möglichkeit. Ein Hinweis ist Dennis Ullmann, Account Manager bei Mjoo, besonders wichtig: Sämtliche Schnittstellen der Versicherer können ausgespielt und dadurch die Datenübergabe aus dem CRM realisiert werden. Natürlich werde dabei der Datenschutz groß geschrieben. Aber wer dennoch lieber ohne Datentransfer arbeiten möchte, könne auf eine "Light Version" zurückgreifen. Referenzkunden unter den Versicherern sind zum Beispiel schon jetzt Allianz, Gothaer und HanseMerkur.

Haftpflicht Helden: Und noch ein Pionier der ersten Stunde

Vor drei Jahren machte die Insurance Hero GmbH mit der Marke Haftpflicht Helden auf sich aufmerksam und schallte ins Land: "So einfach ist Haftpflicht"! 2018 steht Stefan Herbst auf der Bühne des Albert-Schäfer-Saals und möchte den Teilnehmern weniger vom Geschäftsmodell, sondern eher davon erzählen, was die Unternehmer die letzten Jahre dazugelernt haben, welche Erfahrungen gesammelt werden konnten. Ein beeindruckend altruistischer Ansatz. Anhand eines Vergleichs der Popgruppen Brosis und Rolling Stones machte er zunächst deutlich, wie wichtig die richtige Teamstruktur in Startup-Unternehmen ist. Wie bei gecasteten Popgruppen, so ist es auch bei künstlich zusammengestellten Teams, sie funktionieren längst nicht so gut wie gewachsene Teams. Und damit ein Team die Kreativität erfolgreich freisetzen kann, müsse man Freiräume schaffen. Denn die meisten Innovationen entstehen außerhalb von Büroräumen, Silos bremsen 80 % der relevanten Innovationen, so Herbst. Zudem seien in den Teams verschiedene Charaktere hilfreich, mit vielfältigem Know-how. Wobei klar sein müsse, dass ihr Ego am Empfang abzugeben ist, um nicht von Diskussion und Reibung unnötig abgelenkt zu werden. Und natürlich gelte in jedem Startup der notwendige "Keep up-Gedanke". Nur wer ein ausgeprägtes Durchhaltevermögen mitbringt, kann die Achterbahnfahrten und die monatlichen Nahtoderfahrungen überstehen. Für die Zuhörer gab es vom Founder aber auch einen Tipp zur Authentizität: "Nehmen Sie Ihre Kunden ernst und stellen Sie keine beliebigen Stockphotos auf die Seite, die suggerieren sollen, dass sei Ihr Team". Und die Investorenlandschaft? Die könne sich in Deutschland gerne verbessern, kritisierte Herbst. Deutsche Investoren seien leider entweder rar oder ohne ausreichendes Verständnis für den Markt, sodass bspw. verwundert auf rückläufige Mai-Zahlen geblickt werde, obgleich in offensichtlicher Art viele Feiertage in einem Monat zusammentreffen.

Smart InsurTech: Von großer Schwester profitieren

Gerhard Cremer fasste sich kurz und stellte heraus, dass Smart InsurTech dem Vorbild seiner großen Schwester Europace der Hypoport AG nacheifern und diese Erfolgsgeschichte gerne in der Versicherungswirtschaft fortschreiben wolle. Dabei bestehe die Zielsetzung nicht darin, Disruption zu betreiben, mal wolle eher als Supporter agieren. Unternehmen könnten dabei entweder durch modulare Ansätze unterstützt werden oder vollfunktionsfähige Plattform erhalten.

bi:sure: Innovation aus dem Münsterland

Nicht Berlin, nicht München...im Jahr 2017 hat bi:sure seine Zelte im traditionsreichen Münster aufgeschlagen. Durch einen Invest in Höhe von 4 Mio. EUR konnte das Startup direkt nach Gründung das Gewerbeportal für blau direkt-Mitglieder werden und den etablierten Maklerpool als strategischen Partner gewinnen. Durch einen voll-digitalisierten Prozess bildet die Plattform die gesamte Gewerbekundenberatung ab - vom Vergleichsrechner mit integrierter Ausschreibungsplattform über Online-Beantragung mit digitaler Antragsstrecke bis zur Vertragspflege. Zudem ist mit simplr business eine RoboAdmin angedockt, die sich um Jahresmeldungen oder Schäden kümmert, erläuterte Ulf Papke als Gründer von bi:sure.

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Dieser Beitrag wurde erstellt von Yvonne Becker.