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16.04.2018

Containervermittler P & R insolvent - mehr als fünfzig Tausend betroffene Anleger

Der Containervermittler P & R aus Grünwald bei München ist nun laut Presseerklärung des Insolvenzverwalters Jaffe vom 19. März insolvent. Mit mehr als 50.000 betroffenen Anlegern und Schadensummen, die letztendlich in die Milliarden gehen können, könnte das einer der größten Anlageskandale Deutschlands werden.

Hintergrund

Am 15.03. wurde beim Amtsgericht München Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens bei drei in München-Grünwald domizilierten P &R-Gesellschaften gestellt. Die "Süddeutsche Zeitung" vom 20.03. berichtet ausführlich und nimmt u.a. Bezug auf die Darstellungen im jüngsten Buch des bekannten Finanzjournalisten Stefan Loipfinger "Achtung Anlegerfallen", das im Januar 2018 erschien und in dem bereits von massiven "Mietunterdeckungen" bei P & R die Rede ist. Im Klartext heißt das wohl, dass den Anlegern mehr ausgezahlt wurde als die Container an Miete erwirtschaftet haben. Ob man dies als Schneeballsystem bezeichnen kann, bleibt jedem überlassen und wird auch die nähere Zukunft zeigen.

Katastrophe für den Grauen Kapitalmarkt?

Auch wenn dieser Vorgang in den nächsten Wochen viel Medienaufmerksamkeit erhalten wird, in der Substanz wird der Graue Kapitalmarkt auch in diesem Fall kaum betroffen sein. Das zeigen frühere "Katastrophenfälle" wie den der Göttinger Gruppe oder der Prokon. Die wenigsten Anleger verstehen überhaupt, dass sie an diesem Grauen Kapitalmarkt investieren. Die Politik wird zwar reagieren, aber vermutlich, wie in der Vergangenheit auch, wegen der einflussreichen Lobby, wenig sinnvoll bzw. wirksam. Deutschland wird weiter das gelobte Land des Grauen Kapitalmarkts bleiben, trotz mehr als 50.000 vermutlich umfangreich geschädigten Anlegern.

Auswirkungen für den Vertrieb

Finanzberatung und Finanzvertrieb werden einen weiteren Imageverlust hinzunehmen haben, der Beratungsgespräche deutlich erschwert. Beratern und Vermittlern ist deshalb zu raten, sich über den Vorfall gut informiert zu halten. Nur so kann es gelingen, sich im Kundengespräch davon deutlich zu distanzieren oder geschädigte Kunden wirkungsvoll zu unterstützen.

Es gilt weiterhin, Veröffentlichungen, insbesondere des Unternehmens, mit Vorsicht zu genießen und mit anderen Informationen abzugleichen. Jüngste Äußerungen der P & R, wonach die Insolvenz dem Schutz der Anleger dienen soll, kritiklos und ungeprüft im Kundengespräch zu verwenden, kann sich später als fataler Fehler erweisen und die eigene Glaubwürdigkeit untergraben.

Natürlich haben sich bereits Rechtsanwälte zu Wort gemeldet, die gerne Mandate von Anlegern übernehmen wollen. In einem der Angebote von RA Peter Hahn aus Hamburg wird auch die Möglichkeit der Privatinsolvenz für betroffene Anleger angesprochen. Wenn nämlich der geplante Rückkauf der Container nach Ende der Laufzeit nicht erfolgt, könnten von den jeweiligen Eigentümern, also den Anlegern Standgebühren, die durchschnittlich 35 EUR pro Tag betragen sollen, gefordert werden.

Für Berater stellt sich also auch die Frage, ob sie Anlegern dazu raten sollen, einen Anwalt zu kontaktieren. Das ist eine schwierige Frage, weil Anwälte natürlich auf diesem Gebiet auch erfahren sein müssten und das ist von außen nur schwer zu beurteilen.

Für Berater, die selbst P & R-Anlagen vermittelt haben, wird es schwer werden, sich zu rechtfertigen, denn auch in diesem Falle, wie in vielen anderen auch, hat sich der Anbieter durch Risikodarstellungen im Prospekt gegen Kundenforderungen weitgehend abgesichert. Sogar Hinweise, die auf das Risiko einer Privatinsolvenz hindeuten, sollen in manchen Prospektversionen enthalten sein.

Wie werden Sie über die weitere Entwicklung informieren?

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag vom 14.03.2018

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.