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17.07.2017

Krankenversicherung: Ab 1. August gibt es Erleichterungen für Rentner

Viele Rentner kommen nicht in den Genuss der günstigen "Krankenversicherung der Rentner", weil sie nicht ausreichend Vorversicherungszeit vorweisen können. Mit einer Neuregelung sollen nun auch mehr Ältere die Möglichkeit haben, die Vorzüge in Anspruch zu nehmen.

Bei der Krankenversicherung für Rentner (KVdR) handelt es sich nicht um eine Krankenkasse, sondern eher um den Status des Rentners: Wer in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens zu 90 % gesetzlich versichert war, darf in die KVdR. Die Vorteile bestehen darin, dass auf private Einkünfte wie Mieteinnahmen, Privatrenten oder Zinsen keine Krankenkassenbeiträge zu zahlen sind, sondern nur auf die gesetzliche Rente, auf Arbeitseinkommen und auf sogenannte Versorgungsbezüge wie Betriebsrenten, Pensionen oder Zahlungen von Versorgungswerken. Die Krankenkasse kann wie auch sonst üblich frei gewählt werden.

Privatversicherte können nicht in die KVdR

Bei der sogenannten 90/10-Regelung spielt es keine Rolle, ob man während der Erwerbstätigkeit in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert, freiwillig versichert oder familienversichert war. Es genügt, dass man überhaupt in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert war. Die Zeit des Erwerbslebens reicht dabei vom Beginn der ersten Erwerbstätigkeit, einschließlich Berufsausbildung und Selbstständigkeit, bis zur Stellung des Antrages auf gesetzliche Rente.

Wenn Senioren die Kriterien für die Aufnahme in die Krankenversicherung der Rentner nicht erfüllen, haben sie dennoch die Möglichkeit, sich weiterhin freiwillig gesetzlich zu versichern, sofern sie bereits vor dem Renteneintritt bei einer gesetzlichen Kasse waren und die Vorversicherungszeiten erfüllen. Allerdings müssen sie dann auf alle Einnahmen auch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung entrichten.

Für privat Krankenversicherte spielt die KVdR keine Rolle. Sie sollten aber einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung beantragen, wenn sie gesetzliche Rente beziehen. Diesen Zuschuss können auch freiwillig gesetzlich versicherte Rentner beantragen.

Kindererziehungszeiten werden angerechnet

Mit der Reform des Heil- und Hilfsmittelgesetzes gilt ab 1. August 2017 eine neue Regelung für Erziehende. Bei ihnen gelten pauschal pro Kind drei Jahre als Vorversicherungszeit, unabhängig von der Krankenversicherung des Ehe- oder Lebenspartners. Besonders für Partner von privat Krankenversicherten ist dies eine Verbesserung. Nach der alten Regelung waren sie während der Erziehungszeit nicht gesetzlich krankenversichert und erfüllten mitunter wegen der Kindererziehung nicht die erforderliche Vorversicherungszeit.

Tipp: Rentner müssen selbst aktiv werden. Wenn sie denken, dass sie nun die Bedingungen für die Krankenversicherung der Rentner erfüllen, müssen sie bei ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Neuberechnung stellen. Wer abgewiesen wird, sollte dennoch auf Prüfung bestehen, rät Claudia Widmaier, Sprecherin des GKV Spitzenverbandes. Mitgliedsunternehmen seien bereits im April 2017 mit einem Rundscheiben auf die Änderungen hingewiesen worden. Rentner sollten die Geburtsurkunden der Kinder einem schriftlichen Antrag beifügen.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Elke Pohl.