Aktuelles

29.11.2016

Zinswende in Sicht: Was ist zu tun?

"Eindeutige Signale - Yellen bereitet Zinsanhebung vor" berichtete z.B. der Nachrichtensender n-tv im Internet unter dem 17.11.2016. Wenn das nun so kommt, wie es die US-Notenbankchefin ankündigt - woran eigentlich derzeit niemand ernsthaft zweifelt -, dann tritt das ein, worauf wir unsere Leser schon in vergangenen Beiträgen zum Thema der Woche (KW 25 und KW 41) vorbereitet haben.

Hintergrund

Die Folgen können gerade für deutsche Anleger, deren Altersvorsorge zum aller größten Teil zinssensibel investiert ist, gravierend ausfallen. Finanzberater sollten sich kurzfristig dringend mit dieser neuen Situation auseinandersetzen, um ihre Kunden sachgerecht über die neue Lage informieren zu können. Gerade in der ersten Phase der Zinserhöhungen könnte es, auch wegen der politischen Situation in den USA, zu hektischen Ausschlägen und damit zu starken Wertveränderungen in Anleihenportefeuilles kommen.

Vermögensstrukturen verschieben

Altersvorsorge funktionierte in der Vergangenheit fast ausschließlich über festverzinsliche Wertpapiere aller Art in Lebensversicherungen und Rentenfonds. Das war auf langen Termin gesehen in den letzten zwei Jahrzehnten für Anleger eine gute Sache, wie der untenstehende Chart, der dankenswerterweise von der seit Jahrzehnten als Baufinanzierungsspezialisten erfolgreich tätigen FMH-Finanzberatung zur Verfügung gestellt wurde, zeigt. Seit den Jahren 95/96 ging es mit den Zinsen (im Chart abgebildet durch die Entwicklung der 10-jährigen Bundesanleihen), trotz vergleichsweise starker Ausschläge bei der Inflationsrate, relativ gleichmäßig nach unten (von knapp 8 % in 1995 auf aktuell nahe null Prozent). Anleihen brachten während dieser ganzen Zeit also nicht nur Zinsen ein, sondern auch Kursgewinne, zuletzt jedoch von beidem immer weniger.

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Hauptproblem: Wie überzeuge ich den Anleger?

Die aktuelle Anlegergeneration hat also zum großen Teil eine Zeit steigender Zinsen noch nicht erlebt. Zusammen mit der uns Deutschen offenbar per Muttermilch eingetrichterten falschen Meinung, dass Anleihen zwar mehr oder weniger Zinsen, aber niemals einen Kapitalverlust bringen können, sind Finanzberater sehr gefordert. Sie sind es nämlich, die ihren Kunden die neue Botschaft vom Trendwechsel der Zinsen und dessen Folgen für das Anlegervermögen vermitteln müssen.

Alternativen

Die Aufgabe der Finanzberater wird weiter erschwert dadurch, dass die Alternativen nicht ganz einfach zu vermitteln sind:

  • Viele Anleger hegen z.B. eine meist zwar unbegründete, aber dafür umso tiefere Abneigung gegen Aktienanlagen, die angesichts der weiter positiven Geschäftsentwicklung in Deutschland und einigen anderen Anlageländern erste Wahl sein müssten.

  • Für Immobilien sind Anleger dann schon leichter zu begeistern. Aber für Normalanleger sind die Anlagemöglichkeiten eher gering. Hinzu kommt, dass steigende Zinsen die Immobilienfinanzierung verteuern. Was das mit dem Immobilienmarkt macht, ist schwer vorauszusagen.

  • Für Edelmetalle sind die Deutschen meist besonders leicht zu erwärmen. Derzeit häufen sich, neben den auch von uns mehrfach geschilderten Marktproblemen, die Berichte über die massiven Umweltschäden, die beim Schürfen nach Gold angerichtet werden. Ob das die Goldpreisentwicklung fördert, ist ungewiss. Hinzu kommen die vielen unseriösen Anlageangebote mit Edelmetallhintergrund, mit denen der deutsche Markt derzeit überschwemmt wird.

  • Leicht zu verkaufen sind Graumarktprodukte, die der Anleger nicht versteht, die aber eine feste "Verzinsung" auch bei Gestaltungen versprechen, bei denen es sich beim Zinsversprechen zwangsläufig immer um ein falsches Versprechen handeln muss.

Fazit

Im Gespräch mit dem Kunden zeigen vorzeitige Hinweise des Finanzberaters auf zu erwartende Entwicklungen. Dadurch wird sowohl Fachkompetenz vermittelt als auch Vertrauen geschaffen.