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15.11.2016

Private Krankenversicherer: Positive Entwicklungen sind rar gesät

Das Geschäftsjahr 2015 war für die meisten privaten Krankenversicherer alles andere als erfolgreich. Ein Beitragswachstum von lediglich 1,3 % im Schnitt macht das Dilemma deutlich: Die Bestände in der Vollversicherung schrumpfen, das niedrige Zinsniveau gefährdet zunehmend das kapitalgedeckte Geschäftsmodell. Der Map-Report Nr. 888 "Bilanzanalyse: Private Krankenversicherung 2004 bis 2015" hat genauer hingeschaut und 38 private Krankenversicherer unter die Lupe genommen.

Zunächst bemängelt Map-Report Chefredakteur Reinhard Klages die zum Teil dürftigen Geschäftsberichte, die es schwierig bis unmöglich machen vergleichende Betrachtungen anzustellen. Wichtige Kennzahlen würden von etlichen Anbietern nicht ausgewiesen. "Die Entwicklung des Neugeschäftes in der Vollversicherung ist bei Teilen der Branche ein gut gehütetes Geheimnis", schreibt er zum Beispiel. "In den Geschäftsberichten sind diesbezüglich kaum Angaben zu finden."

Bestandsverluste nicht gestoppt

Dennoch ist es der Redaktion mithilfe unterschiedlichster Daten gelungen, ein plausibles Bild der Entwicklung zu zeichnen. Und das sieht nicht besonders gut aus. Obwohl die privaten Krankenversicherer in der letzten Legislaturperiode von der Politik weitgehend in Frieden gelassen wurden und es weder größere Skandale noch übermäßige mediale Aufmerksamkeit gab, ist aus der Ruhe keine Kraft erwachsen. Die Bestandsverluste konnten auch 2015 nicht gestoppt werden. Knapp 8,79 Mio. Personen waren vollversichert, das sind 47.200 oder 0,53 % weniger als im Vorjahr. Nur acht Gesellschaften konnten überhaupt ihre Bestände ausbauen. In absoluten Zahlen führt die Debeka mit einem Plus von 29.622 Versicherten das Feld an. In Prozenten ausgedrückt sind dies die acht Gewinner, was die versicherten Personen betrifft (im Vergleich zu 2014):

 1.

Mecklenburgische (plus 7,24 %)

 2.

Concordia (plus 4,23 %)

 3.

HanseMerkur (plus 2,51 %)

 4.

Debeka (plus 1,30 %)

 5.

Huk-Coburg (plus 1,17 %)

 6.

R+V (plus 1,13 %)

 7.

Alte Oldenburger (plus 0,68 %)

 8.

Provinzial (plus 0,38 %)

Dem gegenüber stehen die zehn größten Verlierer an versicherten Personen in der Vollkostenversicherung (im Vergleich zu 2014):

 1.

Central (minus 4,44 %)

 2.

Gothaer (minus 2,91 %)

 3.

Münchener Verein (minus 2,80 %)

 3.

UKV (minus 2,80 %)

 5.

Bayerische Beamtenkrankenkasse (minus 2,51 %)

 6.

DKV (minus 2,48 %)

 7.

Nürnberger (minus 2,37 %)

 8.

Mannheimer (minus 2,36 %)

 9.

Allianz (minus 1,97 %)

 10.

Landeskrankenhilfe (minus 1,69 %)

Schwaches Neugeschäft

"Insgesamt kann das Neugeschäft marktdurchschnittlich nur sehr schwach gewesen sein", schlussfolgert Klages. "Wenn es der Branche zunehmend schwerer fällt, den natürlichen Bestandsverlust zu kompensieren und einige Versicherer seit Jahren schrumpfen, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie lange dieser Trend nach vier Jahren in Folge noch verkraftbar ist."

Bestandsverluste und nur geringfügige Beitragsanpassungen haben dazu geführt, dass die Beitragseinnahmen mit 1,3 % ähnlich schwach ausfielen wie im Jahr zuvor (0,9 %). Auch hier ragen einige Versicherer im positiven Sinne heraus (im Vergleich zu 2014):

 1.

Mecklenburgische (plus 11,6 %)

 2.

R+V (plus 9,5 %)

 3.

Württembergische (plus 8,7 %)

 4.

DEVK (plus 7,7 %)

Von den Schwergewichten mit mehr als 1 Mrd. EUR Beitragseinnahme befanden sich vor allem HanseMerkur (plus 6,6 %), Barmenia (plus 4,2 %) und Huk-Coburg (plus 3,5 %) auf Wachstumskurs.

Vertriebskosten immer noch zu hoch

Interessant ist auch die Betrachtung der Kostenseite. Während die Verwaltungskosten insgesamt um 855 Mio. EUR bzw. 1,1 % sanken, sank die Verwaltungskostenquote - die in Relation zur Beitragseinnahme berechnet wird - entsprechend von 2,39 % im Jahr 2014 auf 2,33 % in 2015. Das ist positiv. Gleichzeitig stieg aber die Abschlusskostenquote leicht von 6,41 % auf 6,46 %. Dabei müssten in einer Phase schwachen Wachstums die Vertriebskosten sinken. "Scheinbar wird das sinkende Neugeschäft mit steigenden Kosten eingekauft", schlussfolgert Klages.

Alterungsrückstellung auf dem Wachstumspfad

Als positiv wertet der Map-Report die steigenden Alterungsrückstellungen. Ähnlich wie die Kapitalanlagen, die im Vergleich zum Vorjahr von 232,6 Mrd. EUR auf 245,6 Mrd. EUR stiegen, wuchsen auch die Alterungsrückstellungen um 6,7 % auf 220 Mrd. EUR. Allein die fünf größten Versicherer kamen auf 120,8 Mrd. EUR, es gab bei keiner einzigen Gesellschaft rückläufige Tendenzen. Die Spitze nimmt hier die DKV mit einer Reserve von 34,8 Mrd. EUR ein, gefolgt von der Debeka (33,4 Mrd. EUR).