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11.11.2016

US-Wahl mit weltweiten Folgen - auch für die Versicherungsbranche?

Die Wahl des designierten US-Präsidenten Donald Trump könnte sich auf die deutsche Wirtschaft und damit auch auf die Versicherungsbranche auswirken. Während die einen zum besonnenen Abwarten raten, haben die anderen bereits erste Konsequenzen gezogen.

Zu den ersten Vertretern der deutschen Versicherungswirtschaft, die sich öffentlich zu den möglichen Folgen der US-Präsidentenwahl äußerten, gehörte Allianz-CEO Oliver Bäte, der über Twitter darauf hinwies, dass man sich auf eine längere Periode der Unsicherheit einstellen müsse. Nach Bätes Einschätzung wird Trump das Handelsabkommen TTIP stoppen - trotzdem sei zu hoffen, dass er früher oder später einen Versuch machen werde, die Integration zwischen den Märkten der EU und der USA zu stärken. In Bezug auf die Außenpolitik sei Trump dagegen ein Mysterium, das trage zu wachsender Unsicherheit bei. Bäte hofft darauf, wie er in einem Interview sagte, dass es Trump gelingt, mit Investitionen in die Infrastruktur, der Verringerung des Wohlstandsgefälles und sozialen Ausgleichsmaßnahmen sowie gerechteren Bildungschancen für alle Amerikaner die Gräben, in der Gesellschaft, die dieser Wahlkampf aufgeworfen hat, zuzuschütten.

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Langfristig angelegt

Der Chief Investment Officer der Allianz-Gruppe , Dr. Andreas Gruber, wies darauf hin, dass die Kapitalmärkte sich nach ersten heftigen Reaktionen schnell wieder beruhigt hätten. Deshalb sieht sein Unternehmen keine Notwendigkeit, unmittelbare Veränderungen in der Anlagestrategie vorzunehmen, weder für sich noch für die Kunden. Ein Lebensversicherungsvertrag habe oft eine Laufzeit von mehr als 40 Jahren - in dieser Zeit regierten fünf bis zehn Präsidenten in den USA. Auch in der Vergangenheit habe die Lebensversicherung mehrfach schwierige Kapitalmarktsituationen überstanden - kein Grund zur Beunruhigung also. Das Gleiche gilt nach Aussagen eines Allianz-Sprechers auch für die Exportversicherungen.

Bei Aon Deutschland verweist man auf ein Statement der amerikanischen Kollegen, die vor allem mögliche Veränderungen bei der Gesundheitspolitik sehen, falls die Gesundheitsreform von Präsident Obama - the Affordable Care Act - zurückgezogen und durch etwas Neues ersetzt wird. und es Veränderungen bei Medicare und Medicaid, der Krankenversicherungen für ältere und behinderte Menschen bzw. für Bürger mit niedrigem Einkommen geben sollte.

Die Ankündigung von Donald Trump, Obamas Gesundheitsreformen umgehend rückgängig zu machen, war ein Grund, der das deutsch-schweizerische Fintech Knip AG dazu bewogen hat, gleich nach der Wahl alle Aktivitäten auf dem US-amerikanischen Markt einzustellen. "Noch nie hat es eine derart drastische Veränderung der Planungsgrundlagen einer ganzen Branche gegeben", stellt CEO Dennis Just gegenüber VersicherungsPraxis24 fest. Ursprünglich sollte es bis 2025 25 Mio. Versicherte geben. Dies werde nun hinfällig und die Wirtschaft müsse ihre Planzahlen korrigieren. Es fehlten dadurch Milliarden, von denen die Versicherungsbranche profitiert hätte. Als marktführendes Fintech müsse Knip da direkt handeln. Die völlig widersprüchlichen Ankündigungen von Trump seien nicht als Grundlage für langfristige Planungen geeignet, die ein Gründer nun einmal brauche. Deshalb glaubt Just, dass es Neugründungen im Bereich Fintech in den USA jetzt schwer haben, sofern sie sich nicht schnell mit Internationalisierungen, etwa in Asien oder Europa, absichern. Nach seinen Erwartungen wird der deutschsprachige Raum als stabiler Standort davon profitieren.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Susanne Görsdorf-Kegel.