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11.10.2016

BaFin zieht die Daumenschrauben an bei regulierten Pensionskassen: Neue Tarife nur mit vorsichtig kalkulierten Sterbetafeln

Lange wurden die Versicherer beschuldigt, Sterbetafeln zu verwenden, die von einer zu hohen Langlebigkeit ausgehen. Insbesondere berücksichtigen die seit 2004 verwendeten Sterbetafeln der Versicherer Langlebigkeitstrends. Das führte zu einer Marktverzerrung zu anderen Versorgungsträgern, wie z.B. regulierten Pensionskassen, die zum Teil andere Sterbetafeln benutzten. Nun stellt die BaFin in einer Auslegungsentscheidung zu neuen Tarifen bei regulierten Pensionskassen fest, dass der allgemein beobachtete Trend zur Erhöhung der Lebenserwartung auch bei Versicherungsbeständen von Pensionskassen festzustellen ist. Das überrascht Fachleute nicht.

Die BaFin wird daher ab sofort neue Tarife mit Erlebensfallcharakter von regulierten Pensionskassen nur noch genehmigen, wenn diese Tarife Rechnungsgrundlagen für die Berechnung der Deckungsrückstellung verwenden, die den allgemein beobachteten Trend zur Erhöhung der Lebenserwartung umfassend berücksichtigen. Diese Anforderung ist in der Regel erfüllt, wenn geeignete Generationentafeln oder, als Näherungsverfahren, geeignete Grundtafeln mit Altersverschiebung verwendet werden. Die Anforderung kann grundsätzlich auch bei Verwendung von Periodentafeln erfüllt werden. Sofern Periodentafeln verwendet werden, ist in der Regel ein Projektionszeitraum für die Berücksichtigung des Trends zur Erhöhung der Lebenserwartung von mindestens 25 Jahren zu verwenden. Bei Vorliegen entsprechender Erkenntnisse, z.B. über das erwartete durchschnittliche Alter der Versicherten bei Vertragsbeginn, ist die Berücksichtigung eines längeren Projektionszeitraums erforderlich.

Es wird in der Regel nur schwer möglich sein, aus den Beständen einer einzelnen regulierten Pensionskasse einen konkreten Trend zur Erhöhung der Lebenserwartung mit hinreichender Zuverlässigkeit zu ermitteln. Daher ist es im Allgemeinen vertretbar, Trendfunktionen aus Sterbetafeln zu verwenden, deren Verwendung im Bereich der betrieblichen Altersversorgung oder der Lebensversicherung allgemein anerkannt ist. Ausnahmen sind nicht mehr möglich.

Fazit:

Schon im Mai hatte die BaFin auf die Risiken regulierter Pensionskassen, die regelmäßig Rentenleistungen - oft ohne Kapitalwahlrecht - erbringen, hingewiesen. Die Auslegungsentscheidung war schon lange überfällig.