Aktuelles

26.09.2016

Geldwäsche: Aktuelles Thema auch für Finanzdienstleister

Nach den "Panama-Papers" folgen nun die "Bahama-Leaks". In beiden Fällen handelt es sich um öffentlich gewordene umfangreiche Datensammlungen über Finanzgeschäfte von teilweise höchst prominenten Personen, bei denen der Verdacht besteht, dass ein wichtiger Grund für deren Finanzgeschäfte die Steuerumgehung ist. Diese Länder werden aber offensichtlich häufig auch als Geldversteck von Kriminellen genutzt. Weil das ein Medienthema ist, werden manche Kunden darüber mit ihrem Berater reden wollen, worauf dieser wiederum vorbereitet sein sollte. Auch bei der Produktauswahl kann dieses Thema wichtig sein.

Hintergrund

In der "Süddeutschen Zeitung" werden derzeit aus den Bahama-Leaks erste Daten, die Prominente und Politiker betreffen, veröffentlicht. Sie zeigen das Bild einer globalen Politiker-Kaste, die offenbar nicht davor zurückschreckt, neben wichtigen öffentlichen Ämtern gleichzeitig und gegen alle Regeln, intransparente Gesellschaften auf den Bahamas zu führen.

Womit diese Personen offensichtlich nicht gerechnet haben, ist, dass es in Zeiten der weltweiten sekundenschnellen Kommunikation unmöglich geworden ist, solche Aktivitäten auf Dauer geheim zu halten. Womit sie allerdings offenbar weiter rechnen können, ist mit der Unterstützung der jeweils betroffenen Regierungen und der passiven Haltung der Regierungen der Staaten, die von diesen Aktivitäten z.B. durch geringere Steuereinnahmen, vermutlich in vielfacher Milliardenhöhe, betroffen sind.

Was hat das alles mit dem Berateralltag zu tun?

Erfahrene Finanzberater wissen, dass es im Kundenkontakt risikoreich ist, in solchen Diskussionen frühzeitig Stellungnahmen abzugeben. Sinnvoller erscheint es, in sachlicher Form die Entwicklung des Geldwäsche- und Schwarzgeldthemas in den letzten Jahren darzustellen und so aufzuzeigen, dass mit dem Wegfall der Schweiz als Schwarzgeldverwahrort eine globale Entwicklung eingesetzt hat, die nach und nach auch die vielen anderen sog. Steueroasen erfassen dürfte.

Für Berater und Kunden gibt es jedoch auch einen sehr konkreten Anknüpfungspunkt: Wer seinen Kunden ein Finanzprodukt empfiehlt, in dessen Prospekt eine ausländische Firma als Initiatorin, Projektpartner usw. genannt wird, muss sich darüber im Klaren sein, dass das Risiko der "Fehlverwendung" der Einzahlungen der Beteiligten wesentlich erhöht ist. Bis ein Rechtsvertreter im jeweiligen Ausland gefunden ist, der dann meist für großes Honorar tätig werden könnte, kann das Geld längst in einer der Steueroasen gelandet sein, wo es nach wie vor weitgehend unerreichbar für Schadenersatzforderungen geschädigter Anleger ist.

Besonders gravierend erscheint die Situation bei den offenbar äußerst beliebten Edelmetallsparplänen, die über die Schweiz und Liechtenstein in Deutschland für geringste Monatsraten angeboten werden. Meist entstehen jahrzehntelange Einzahlungsverpflichtungen und hohe Kosten. Hinzu kommt, dass die Kosten für die Geltendmachung von Ansprüchen wegen der grenzüberschreitenden Rechtslage, auch nach den Erfahrungen des Freiburger Rechtsanwalts Norbert Müller (Müller & Coll.), häufig über dem Investitionsbetrag liegen. Somit besteht im Schadenfall das hohe Risiko des Totalverlusts der Einlage.

Aufmerksam werden sollten Finanzberater auch dann, wenn die Vertriebsvereinbarung mit einem ausländischen Anbieter bzw. dessen ausländischer Vertriebsgesellschaft geschlossen werden soll. Dabei könnten deutsche Vertriebsregularien ausgehebelt werden, was z.B. Einfluss auf die Sicherheit des Provisionsflusses hat, aber auch eine Beschränkung der Möglichkeiten des Anlegers/Beteiligten auf Schadenersatzklage bedeuten kann. Letztendlich dürfte ein Berater, der Provisionen aus dem Ausland bezieht, der erhöhten Aufmerksamkeit seines Finanzamts sicher sein. Gleiches gilt für den Anleger, der seine Einlage ins Ausland überweist.

Hinweis

Dass das Thema Geldwäsche in der Branche angekommen ist, zeigt auch der Workshop "Geldwäscheprävention", der vom bsi Bundesverband Sachwerte und Investmentvermögen e.V. für den 18.10.2016 in Berlin geplant ist.