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01.08.2016

Unfallversicherung nach Art der Schadenversicherung

Der Ansatz einer Unfallschadenversicherung ist noch relativ neu. Im Unterschied zum traditionellen Unfallversicherungsschutz wird hier nicht über festgelegte Versicherungssummen für den Invaliditätsfall, gekoppelt an Gliedertaxen, Progressionsstaffeln und Mitwirkungsanteilen eine Leistung erbracht. Diese neue Form der Unfallversicherung setzt vielmehr auf dem Prinzip der Schadenversicherung auf und übernimmt alle nachweisbaren finanziellen Einbußen bis zur Höhe einer Deckungssumme. Man kennt vergleichbare Konstrukte bereits aus dem Bereich der Fahrerunfallversicherung, der gesetzlichen Unfallversicherung, der workers compensation in skandinavischen Ländern und der UVG in der Schweiz.

Es werden die finanziellen Folgekosten nach bestimmten Regeln analog GUV und Haftpflichtversicherung übernommen. Das erfolgt dann entweder anhand eines definierten, ausführlichen und umfassenden Leistungskataloges oder aber nach geltender Schadenersatzrechtsprechung.

Geleistet wird auch bei der Unfallschadenversicherung grundsätzlich ab 1 % Invalidität bis zu einer Deckungssumme von maximal z.B. 10 Mio. EUR. Bei dieser Form der Unfallversicherung werden dann nicht nach Gliedertaxe, sondern, analog zu Schadenersatzansprüchen, die einzelnen Schadenkomponenten bewertet. Diese Vorgehensweise bietet die Möglichkeit, tatsächlich bedarfsgerecht individuelle Lebenssituationen der Betroffenen und deren finanziellen Folgewirkungen abzusichern.

Ein besonderer Aspekt besteht darin, dass der eigentliche Vorteil bei Extremfällen und schweren Unfällen liegt - hier leistet der Ansatz i.d.R. deutlich mehr als eine traditionelle Unfallversicherung. Dafür leistet sie bei leichteren Verletzungen weniger. Es fragt sich also, wofür man die Absicherung vereinbaren will: Eür die Deckung des worst case und bei schweren Verletzungen oder aber in den Bereich bis 40 % Invaliditätsgrad, in dem die Mehrzahl der Unfälle anzusiedeln ist. Bei Extremfällen ist der Verunfallte finanziell am besten gestellt, zumal dann, wenn der Unfall fremdverschuldet ist und der Schaden haftpflichtig gemacht werden kann (soweit entsprechende Deckung beim Unfallverursacher vorhanden ist).

Insofern müsste der Unfallschadenansatz insbesondere bei den Personengruppen auf verstärkte Resonanz treffen, die ein erhöhtes Bedarfs- und Risikoprofil aufweisen sowie bei denen, die aufgrund der gefahrgeneigten Tätigkeit (Auslandsaufenthalte) oder der herausgehobenen Bedeutung und Aufgabenstellung für das Unternehmen abzusichern sind.

Problematisch können strittige Schuldfragekonstellationen werden bzw. wenn der Verursacher nicht zu ermitteln ist oder aber kein Fremdverschulden gegeben ist. In diesen Fällen - also gerade auch bei Eigenverschulden - leistet die Unfallschadenversicherung und übernimmt das Risiko.

Die Schadenunfallversicherung füllt dann auf, wenn keine oder strittige Haftpflichtansprüche bestehen. Sie regressiert, wenn sich die Unfallschadenversicherung einen Teil der Leistungen zurückholen kann - nachdem die Leistung dem Verunfallten gegenüber erbracht wurde.

Die Deckung ist also subsidiär, d.h. die Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung, der Rentenversicherung, gesetzlichen Unfallversicherung und aufgrund durchgesetzter Haftpflichtansprüche werden eingezogen.

Folge: Es wird für die finanziellen Folgen geleistet, die über die Leistungen der vorweggehenden Versicherungen hinausgehen. Schadenkomponenten sind beispielsweise dann Verdienstausfall, Umbaukosten, Heilbehandlungskosten, Hilfsmittelkosten, Pflegekosten, Haushaltsführungskosten, Assistance-Leistungen, Schmerzensgeld, Rentenversicherungsbeiträge, Umschulungskosten.