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24.05.2016

Ethik und Ökologie: Argumente für gute und schlechte Anlagen

Von alternativer Energiegewinnung, über die Ablehnung von Waffen- und Tabakgeschäften, bis hin zur Investition in Zukunftsprojekte, zum Beispiel zur Sicherung der Süßwasserversorgung: Die Themen Ethik und Ökologie sind bei immer mehr Anlegern positiv besetzt. Davon profitierten bislang leider viel zu oft dubiose Anbieter des grauen Kapitalmarktes und viel zu selten seriös agierende Finanzberater. Das könnte sich in Zukunft ändern.

Hintergründe

"AXA trennt sich von Tabakaktien" berichtet das Handelsblatt ganz aktuell unter dem 23.05.2016. Das kann man als Zeichen dafür werten, dass sich mehr und mehr auch die großen Anbieter am Finanzmarkt dem Thema Ethik zuwenden und natürlich auch dafür, dass sich immer mehr Anleger für das Thema begeistern lassen. Die Reaktion der Großen erfolgt allerdings spät, wenn man z.B. an die Riesenkatastrophen denkt, die Anbieter wie PROKON oder Windreich in den letzten zehn Jahren bei deutschen Altersvorsorgeanlegern mit diesen Themen angerichtet haben. Inzwischen gibt es fast wöchentlich Berichte von Totalverlusten bei Anlegern im Bereich Solar und Wind, vorzugsweise über Nachrangdarlehn und Genussscheine, aber auch über geschlossene Fonds.

Erstaunlich dabei: Der deutsche Finanzvertrieb war meist kaum beteiligt, weil die Anleger häufig über Zeitungsannoncen und Werbeplakate in Straßenbahnen und natürlich über das Internet akquiriert wurden. Manchmal wurde sogar damit geworben, dass keine Vertriebskosten anfallen würden.

Überhaupt, können die Anbieter vom unregulierten sog. grauen Kapitalmarkt bei der Werbung "in die Vollen" gehen, wohingegen die meist erfolgreichen Investmentfonds mit ethisch-ökologischen Inhalten umfangreiche gesetzliche Aufklärungspflichten zu erfüllen haben. Das Ergebnis: Bei den Investmentfonds gibt es eine Menge Papier mit geprüften Inhalten und auf der Seite der Graumarktanbieter nichtssagende aber erfolgreiche Schlagworte nach dem Muster: Geld verdienen mit einer sauberen Umwelt.

Empathie statt gesunder Menschenverstand

Während die Fachmedien ihre Recherchekapazitäten in der Vergangenheit vorwiegend, auf die regulierten und somit eigentlich weitgehend sicheren Investmentfonds ansetzten, indem sie deren Details sezierten, wurde und wird über die Milliardenschäden am Graumarkt kaum berichtet. So entstand ein Klima in dem der Eindruck vorherrschte, dass ein Genussrecht einer zuvor nie gehörten Windanlagenfirma weit sicherer sei als ein von Fachleuten gemanagter und von der BaFin auf der Basis strenger europäischer Gesetzgebung überwachter Investmentfonds.

Dabei half das Gutmenschentum, das manche Graumarktanbieter wie eine Fahne vor sich hertrugen, während mancher von ihnen das Geld der Anleger statt in Windkraft oder Solar in Treuhandkonten in der Karibik investierten.

Empfehlungen an Finanzberater

Nicht nur Anleger sind bei der Beurteilung eines Genussrechts- oder Nachrangdarlehnsanbieters vom grauen Kapitalmarkt weit überfordert. Das gilt zwangsweise auch für Finanzberater, denn die deutsche und europäische gesellschaftsrechtliche Gesetzgebung lässt Gesellschaftsformen zu, die als intransparent zu bezeichnen weit untertrieben wäre. Für Finanzberater, die sich den vertriebstechnisch interessanten Bereich der ethisch-ökologischen Anlagen erschließen wollen, bleiben so eigentlich nur die Investmentfonds mit ihrer weitreichenden Regulierung. Wer diesen Rat ignoriert, geht hohe persönliche und finanzielle Risiken ein und täuscht in der Regel auch seine Anleger, die bei ihrem Berater Kenntnisse voraussetzen, die er bei Graumarktanlagen gar nicht haben kann.

Fazit

Jetzt, nach dem gefühlt tausendsten Crash eines angeblich ethischen-ökologischen Anlageangebotes am grauen Kapitalmarkt, scheint, siehe AXA, auch den großen Anbietern der Boden bereitet für eine Ausrichtung ihres Geschäftes auf dieses Thema, das mit jeder neuen Hiobsbotschaft über Ökologiefrevel, kriegerische Ereignisse, Wasser- und Nahrungsmangel tiefer in das Bewusstsein der Anleger vordringt. Offenbar benötigten manche Anbieter die oft durch plumpen Betrug verursachten Anlegerkatastrophen zur Bewusstseinserweiterung.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.