Aktuelles

11.05.2016

Die Änderung des Höchstzillmersatzes durch das LVRG und seine Auswirkung auf die Courtagezusagen

Das Niedrigzinsumfeld übt seit Jahren einen enormen Druck auf die deutschen Lebensversicherer aus. In dem Entwurf des Lebensversicherungsreformgesetzes (LVRG) vom 18.06.2014 hat daher auch die Bundesregierung in deutlichen Worten geäußert, welche Bedeutung und Konsequenzen dies für die Branche hat und wie wichtig und alternativlos die dazu vorgenommenen Maßnahmen für eine Kurskorrektur sind. Im Hinblick auf die Abschlusscourtagen, die ein Kernthema dieses Gesetzes sind, wurde ausgeführt: "Der Höchstzillmersatz für die bilanzielle Anrechnung von Abschlusskosten wird (auf 25 Promille) gesenkt. Hierdurch soll Druck auf die Versicherungen ausgeübt werden, die Abschlusskosten zu senken". In der Folge haben die Versicherer natürlich diese Vorgaben auf der bilanziellen Seite umgesetzt.

Senkung der Courtage? Nicht wirklich...

Dem Kern der Regelung, nämlich eine an den 25 Promille orientierte Absenkung der Abschlusscourtagen vorzunehmen, um das Unternehmens- und Endkundenkapital wieder zu stärken, sind die Versicherer aber nur bedingt gefolgt. Es wurden zwar eine Vielzahl von neuen Vergütungsmodellen angeboten wie z.B.

  • der Beibehalt der Courtagehöhe bei Verlängerung der Stornohaftung,

  • die Aufteilung der Vergütung in eine niedrigere Abschluss- und eine laufende Abschlussvergütung (bzw. eine erhöhte Bestandspflegecourtage) oder

  • die Zahlung einer ratierlichen Courtage über die Dauer der Stornohaftungszeit.

Eine echte Senkung der Courtage, die sich an der Vorgabe des Höchstzillmersatzes von 25 Promille orientiert, ist aber bislang die Ausnahme geblieben.

Reaktion der BaFin

Folglich hat auch die BaFin auf diese Vorgehensweise reagiert. Einer Untersuchung im Sommer 2015, aus der hervorging, dass die Abschlussprovisionen nicht wie gewünscht abgesenkt wurden, folgte im Frühjahr 2016 eine deutliche Ansage von Frank Grund, dem Versicherungsaufseher der BaFin, der in einem Interview gegenüber der Süddeutschen Zeitung die Richtung für die Zukunft vorgab: "Was die Versicherer bisher getan haben, reicht nicht aus".

Fazit

Für die Versicherer keine einfache Situation. Sie könnten sicher zügig die Courtagen senken. Das Risiko kurzfristig an Attraktivität und damit auch Vermittler zu verlieren, ist dann aber entsprechend hoch. Und ein langes Warten für eine erneute Anpassung der Courtagezusagen führt auf Dauer vielleicht dazu, dass die Bundesregierung nach dem LVRG ein weiteres Mal per Gesetz einschreitet und die Anpassung der Courtagen dann erzwingt - wie schmerzhaft das für Versicherer und Vermittler wird, das wird sich zeigen.