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13.04.2016

Minuszinsen werden normal: Die Folgen für die Altersvorsorge

Immer mehr Länder vergüten für ihre Staatsanleihen keine Zinsen mehr. Minusrenditen für Staatsanleihen werden so zur Normalität. Sichere Altersvorsorge nach den Mustern von gestern funktioniert nicht mehr. Wer Rendite haben will, muss Risiken eingehen, ob er will oder nicht.

Hintergrund

Der Club der Minuszinsstaaten ist in letzter Zeit kräftig angewachsen. Aktuell sind es weltweit neun Staaten, viele aus Europa, bei denen der Anleger für seine Darlehnshingabe keine Zinsen mehr bekommt, sondern welche bezahlen muss. In der folgenden Liste (Quelle: www.finanzen.net) haben wir zunächst diejenigen neun Staaten mit ihren Minusrenditen aufgeführt, die per 07.04.20160 und bei fünfjährigen Laufzeiten zum Minuszinsclub gehörten:

  • Schweiz: - 0,58 %

  • Niederlande: - 0,37 %

  • Deutschland: - 0,36 %

  • Belgien: - 0,30 %

  • Frankreich: - 0,23 %

  • Japan: - 0,21 %

  • Schweden: - 0,18 %

  • Dänemark: - 0,13 %

  • Irland: - 0,09 %

Hinzu kommen mindestens vier weitere Staaten (Spanien, Norwegen, Kanada und Großbritannien), die bei gleicher Laufzeit weniger als 1 % Rendite bieten, was bedeutet, dass eine Anlage in diesen Anleihen nach Kosten und Steuern leicht gleichfalls zu einer Minusrendite führt.

Altersvorsorge mit sicheren Staatsanleihen

Egal ob betrieblich oder privat, Altersvorsorgesysteme in Deutschland benötigen ein hohes Sicherheitsniveau entsprechend dem Bedarf des typischen deutschen Altersvorsorgers. Um dieses Sicherheitsniveau darzustellen, benötigen alle Konstrukteure und Verwalter von Altersvorsorgesystemen eine Basisanlage mit einem sicheren Zins. Der sichere Zins wurde bislang über sichere Staatsanleihen, also insbesondere Bundesanleihen, dargestellt. Eine Bundesanleihe mit einem Minuszins kann jedoch in diesem Sinne nicht mehr als sicher bezeichnet werden. Die Lebensversicherungsgesellschaften haben inzwischen reagiert. "Normale" Lebensversicherungsverträge sind out, weil das Garantiesystem mit Minuszinsen nicht mehr funktioniert.

Wer höhere Zinsen haben will, muss höhere Risiken eingehen. Das funktioniert auch ohne zusätzliches Währungsrisiko vor allem mit griechischen Staatsanleihen, die derzeit bei fünfjähriger Laufzeit 9,18 % Rendite bieten. Diese Rendite sagt uns deutlich, dass der Finanzmarkt ein Engagement in diesen Anleihen für höchst spekulativ hält. Sie sind also für die Altersvorsorge eher nicht geeignet. Favoriten sind derzeit Aktien, vor allem solche mit hohen Dividendenzahlungen. "Dividenden sind die neuen Zinsen." Dieser Spruch gehört inzwischen zum Standardrepertoire vieler Finanzberater und Finanzjournalisten.

Wie könnte es weitergehen?

Schon im Juli letzten Jahres wurde der Anleiheguru Bill Gross in der Wirtschaftswoche mit dem Seufzer zitiert: "Ich bete für höhere Leitzinsen". Sein Gebet wurde bislang erhört, aber das kann sich eigentlich nur jemand wünschen, der am Anleihemarkt eher nicht engagiert ist. Wenn die Renditen steigen, verlieren die Anleihebestände schließlich an Wert und da das Niveau nun wirklich gerade sehr niedrig ist, dürfte die Reaktion bei einem deutlichen Anheben der Leitzinsen so drastisch ausfallen, dass die Anleihebestände in relativ kurzer Zeit sehr viel an Wert verlieren würden. Da die EZB ebenso wie die amerikanische Notenbank Fed derzeit keine Zinsanhebungsdrohungen ausstößt, eher das Gegenteil, könnte uns der augenblickliche Zustand aber noch einige Zeit erhalten bleiben.

Klassisches Ausstiegsszenario?

Wer derzeit in Anleihen engagiert ist, der dürfte in den vergangenen Jahren gut abgeschnitten haben. Diese Situation zum zumindest partiellen Umstieg in Aktien zu nutzen, ist angesichts der Gefahr eines Wertverlustes bei wieder steigenden Zinsen eine ernsthafte Überlegung wert. Die hohen Dividendenrenditen vieler deutscher Aktien lassen diese Idee besonders attraktiv erscheinen. Unter dem 06.04.2016 hat die Zeitschrift "Börse online" auf ihrer Homepage eine Liste von Aktien mit hohen Dividendenrenditen veröffentlicht. Ein paar Kostproben gefällig? Allianz: 5,57 %, Daimler: 5,15 %, Münchner Rück: 4,75 %, BASF: 4,6 %. Man muss sich als Anleger oder Berater die Sache aber nicht zu kompliziert gestalten. Dafür gibt es eine Reihe von Dividendeninvestmentfonds wie den DWS Top Dividende, den BL-Equities Income oder den INVESCO Global Equity Income.

Fazit

Anleger, die das Risiko von Aktienanlagen scheuen, sollten sich das Wertverlustpotenzial ihrer Rentenanlagen im Falle wieder steigender Zinsen von ihrem Berater errechnen lassen. Da dürfte sich die Scheu sicher zumindest partiell abbauen.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.