Aktuelles

02.03.2016

Immobiliardarlehnsvermittler: Erste Prüfungen im Juni

Im Rahmen seiner Sitzung vom 26.02.2016 hat sich der Bundesrat für das neue Gesetz zur Wohnimmobilienkreditrichtlinie ausgesprochen. Damit kann die EU-Richtlinie noch rechtzeitig zur Umsetzungsfrist am 21.03.2016 in nationales Recht umgesetzt werden. Alle Beteiligten gehen davon aus, dass Bundespräsident Joachim Gauck noch im März das Gesetz unterschreiben wird. Für Immobiliardarlehnsvermittler bedeutet dies, dass die ersten Prüfungen wahrscheinlich im Juni abgenommen werden.

Zu den umstrittensten Regelungen für die Banken und Verbraucher gehörte zweifelsohne das Widerrufsrecht für den Darlehnsnehmer. Dieser "ewige Widerrufsjoker" ist aber nunmehr vom Tisch und wurde durch das Gesetz abgeschafft. Vielmehr gilt künftig folgendes: "Das Widerrufsrecht erlischt spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach dem Vertragsschluss oder nach dem in Satz 1 genannten Zeitpunkt, wenn dieser nach dem Vertragsschluss liegt."

Die Verzögerung der Gesetzesentscheidung hatte u.a. auch mit der differenzierten Betrachtung über die weiteren Themen zu tun, welche Gewerbeerlaubnis nach § 34c GewO für den Erhalt der Übergangsregelung sowie der "Alten-Hasen-Regelung" maßgeblich sein soll. Hier haben sich die Praktiker eindeutig durchgesetzt, denn es genügt schon die Erlaubnis nach § 34c GewO für die Darlehnsvermittlung zur Nutzung der Übergangsregelung sowie als "Alter-Hase" eingestuft werden zu können.

Die Ländervertretungen müssen jetzt die gewerberechtliche Umsetzung des Gesetzes in der ImmVermV noch auskleiden. Hierzu treffen sich die Länderverterter im April 2016. Damit wird die ImmVermV als Grundlage für die praktische Umsetzung des Gesetzes noch auf sich warten lassen. Aus Kreisen des DIHK wurde jedoch bekannt, dass man sich auf die erste Prüfung dann im Juni 2016 vorbereite.

Zulassung § 34i GewO

Für die Zulassung nach § 34i GewO benötigt der Immobiliardarlehnsvermittler einen guten Leumund, muss in geordneten Vermögensverhältnissen leben, eine Vermögensschadenhaftpflicht vorlegen und sachkundig sein. Für den Nachweis der Sachkunde gibt es drei Möglichkeiten:

1. Der Vermittler/in verfügt über eine vergleichbare Berufsqualifikation z.B.:

  • Immobilienkauffrau/-mann

  • Bankkauffrau/-mann

  • Sparkassenkauffrau/-mann

  • Kauffrau/-mann für Versicherungen und Finanzen "Fachrichtung Finanzberatung"

  • Geprüfte(r) Immobilienfachwirt/in

  • Geprüfte(r) Bankfachwirt/in

  • Geprüfte(r) Fachwirt/in für Finanzberatung

  • Geprüfte(r) Fachberater/in mit zwei Jahren Berufserfahrung

2. Der Vermittler/in gehört zu den sog. "Alten Hasen": "Alter-Hase" ist, wer seit dem 21.03.2011 ununterbrochen den Nachweis liefern kann, als Wohnimmobiliardarlehensvermittler aktiv tätig gewesen zu sein. Wie dieser Nachweis geliefert werden soll, ist noch in den Gremien heiß diskutiert. Reicht der Nachweis einer Baufinanzierungsberatung schon aus, um als "Alter-Hase" eingestuft zu werden, oder müssen hier auch gewisse Vorgaben in der Anzahl und/oder Volumen der abgewickelten Finanzierungen eingehalten werden? Wie soll dann dieser Nachweis erbracht werden und was ist mit den Beratungen, welche nicht zum provisionspflichtigen Geschäft führten. Kann z.B. eine Bank dem Vermittler bestätigen, dass regelmäßig Baufinanzierungsgeschäfte angedient wurden? Diese Fragen werden dann im Laufe des Aprils im Länderausschuss geklärt werden müssen.

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3. Als dritte Variante besteht die Möglichkeit, die Sachkundeprüfung für die geprüfte Fachfrau/den geprüften Fachmann für Immobiliardarlehnsvermittlung IHK abzulegen. Diese Sachkundeprüfung wird aus insgesamt drei Teilen bestehen. Den schriftlichen Teil mit den beiden Überschriften "Kenntnisse für die Immobiliardarlehnsvermittlung und -beratung" sowie "Finanzierung und Kreditprodukte". Natürlich wird es auch für diese Einstiegsqualifikation eine praktische Prüfung geben. Diese wird voraussichtlich wieder aus einem simulierten Beratungsgespräch bestehen. Darin hat der Prüfungsteilnehmer die Aufgabe, in ca. 20 Minuten dem Kunden auf seine finanziellen Verhältnisse sowie Ziele und Wünsche bezogene Finanzierungsvorschläge zu unterbreiten. Die ImmVermV wird noch aufzeigen müssen, ob diesen praktischen Prüfungsteil alle Teilnehmer absolvieren müssen oder es mögliche Befreiungen gibt. So könnten z.B. Berater, welche schon eine Registrierung nach § 34d GewO oder § 34f GewO besitzen, von dem praktischen Prüfungsteil befreit werden. So sah es der bisherige Entwurf zur ImmVermV vor, aber dies ist noch nicht beschlossen.

Was ist zu tun?

Hier ein grafischer Überblick:

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Unabhängig von der jeweiligen Einzelfallbetrachtung bezüglich der Sachkundeprüfung, ist ein Finanzdienstleister immer bemüht, sich in seinem Kernkompetenzfeld weiterzubilden. Hierzu bieten die jeweiligen Akademien genügend interessante Weiterausbildungsangebote an.

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