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14.01.2016

Regulierung von Schwammschäden in der Gebäudeversicherung

Sind in einer Gebäudeversicherung Schäden durch Schwamm mitversichert, besteht laut einem Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts vom 04.06.2015 - 16 U 3/15 für den gesamten Schwammbefall des versicherten Gebäudes und nicht nur hinsichtlich der innerhalb der Vertragslaufzeit konkret nachgewiesenen Befall-Stellen Versicherungsschutz.

Der Fall

Der Kläger war Eigentümer eines mehrgeschossigen Hauses. Im Rahmen der Gebäudeversicherung waren auch Schäden durch holzzerstörende Pilze (Schwamm) sowie Hausbockkäfer mitversichert.

Nach Kündigung der Versicherung entdeckte der Kläger kurz vor Vertragsablauf einen erheblichen Schwammbefall, den er dem Versicherer meldete. Dieser verlangte von ihm noch vor Vertragsablauf genauere Angaben und Nachweise, aus denen sich der Befall mit einer versicherten Schwammart ergab. Ein Sachverständiger entnahm 36 Proben aus dem Bauholz des Gebäudes. In 24 dieser Proben stellte er einen Befall durch Hausschwamm fest.

Der Versicherer wollte nur für die Kosten der Sanierung der von dem Sachverständigen festgestellten Schadstellen aufkommen. Für bisher nicht angezeigte Befall-Bereiche wollte er nicht einstehen, weil es sich dabei um neue Schadenfälle nach Ablauf des Vertrages handele. Eigene Ermittlungen stellte der Versicherer nicht an.

Die Entscheidung

Eine Beschränkung des Versicherungsschutzes auf Schäden, die bis zum Ende der Vertragslaufzeit positiv festgestellt und der Versicherung konkret angezeigt worden waren, ließ sich nach Meinung des OLG aus den Versicherungsbedingungen nicht entnehmen. Dort hieß es, dass der Versicherungsfall beginnt, sobald der Versicherungsnehmer von dem Schadenereignis Kenntnis erlangt, spätestens mit der Feststellung des Schadens durch den Versicherer.

Das Gericht stellte darauf ab, dass in derartigen Fällen in aller Regel zunächst eine einzelne Stelle auffällig wird und dies dadurch dem Versicherungsnehmer zur Kenntnis gelangt. Dessen Meldung zieht dann weitere Untersuchungsmaßnahmen nach sich, die regelmäßig einen weiteren Befall zu Tage fördern, dessen Sanierung insgesamt Inhalt des Versprechens des Versicherers ist. Wäre das anders, so würde der Versicherer den Umfang seiner Leistungspflicht allein dadurch reduzieren können, dass er, wie im entschiedenen Fall, die nach der ersten Schadenmeldung vorgesehenen eigenen Feststellungen unterlässt oder verzögert.

Der Versicherer musste somit auch für die erst kurz nach Vertragsablauf festgestellten Schäden aufkommen.