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12.01.2016

Vermögensvernichtung mit Genussrechten und Nachrangdarlehn: Ein Fall für die Beratungsmappe

Berater, die Argumente für ihre Gespräche mit Kunden oder Interessenten suchen, die unbedingt in Nachrangdarlehn oder Genussscheine investieren wollen, können nun wieder mit einem abschreckenden Beispiel aufwarten: Die aktuellen Insolvenzen einer Energiefirma enthalten wieder alle Standards solcher Vermögensvernichtungsaktionen.

Hintergrund

26 Mio. EUR sind im Feuer und ein paar hundert Anleger sind betroffen, die meinten, über Genussrechte und Nachrangdarlehen Geld in eine ökologisch vernünftige und ertragreiche Energiefirma anzulegen. Sie meinten offenbar auch, der Genuss bestehe darin, dass sie so in Niedrigzinszeiten ohne Risiko zwischen 6 % und 9 % Zinsen kassieren könnten. Nun ging die Tochterfirma des betroffenen Energieunternehmens, die die Erträge zur Erfüllung der Zinsversprechen liefern sollte, in Konkurs. Deren Insolvenzverwalter hat den Geldfluss zwischen Tochter und Mutter gestoppt. Laut der "Hannoversche(n) Allgemeine(n) Zeitung" hat nun auch das Amtsgericht Meppen bei der Mutter ein vorläufiges Insolvenzverfahren angeordnet.

Absehbares Ende

Seit Monaten berichten die Medien davon, dass der geplante Offshore Windpark, der bei der Einwerbung von Anlegergeld eine Hauptrolle spielte, fraglich sei, weil er in einem Schießgebiet der Bundeswehr liegt und deshalb nicht genehmigt werden könnte.

Chancenlose Anleger

Die Konstruktion zeigt, dass Anleger bei der Beurteilung eines solchen Angebotes weitestgehend überfordert sind. Sie müssten sich mit der Unternehmensstruktur der Gesellschaft, der sie ihr Geld leihen oder anvertrauen, befassen und sich eine Meinung dazu bilden, wie wahrscheinlich es ist, dass z.B. die bei einer Tochtergesellschaft anfallenden Erträge dauerhaft "ihrem" Unternehmen zufließen und so für Zins und Tilgung Ihres Darlehns sorgen. Sie müssten sich auch damit befassen, wie weit Unternehmenspläne, mit denen für die Darlehn und Beteiligungen geworben wird, realistisch sind. Nicht zuletzt geht es auch darum, wildfremden Menschen, denen die Anleger ggf. ihr Geld anvertrauen, Vertrauen entgegenzubringen.

Die Sicht der Vermittler und Berater

Die Milliardensummen, die in den letzten Jahren an den Vermittlern und Beratern vorbei in dubiose oder gefährliche Anlagen im Bereich Nachrangdarlehn und Genussrechte geflossen sind, haben auch bei den Provisionseinkünften große Lücken hinterlassen. Obwohl es immer wieder frustrierend ist, mit Anlegern über die Sicherheit von Zinsanlagen, die diese meistens für absolut sicher halten, zu diskutieren, sollten vorsorglich in jedem turnusmäßigen Beratungsgespräch und bei Erstgesprächen die Probleme der immer noch weitgehend unregulierten Nachrangdarlehns- und Genussscheinangebote behandelt werden. Der o.g. Fall könnte da sehr hilfreich sein.