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07.01.2016

Auslandskrankenversicherung übernimmt Flugkosten bei Notoperation

Ein Krankenversicherer musste einer Versicherungsnehmerin ca. 21.500 EUR für den Rückflug von Portugal nach Deutschland erstatten, weil eine gebotene Notoperation in Portugal nicht gewährleistet war. Dies geht aus einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm hervor (OLG Hamm, 30.10.2015 - 20 U 190/13).

Der Fall

Die Klägerin unterhielt bei der beklagten Versicherungsgesellschaft eine sog. "Langfristige Auslandskrankenversicherung". Nach den Versicherungsbedingungen hatte der Versicherer die dem Versicherten durch einen medizinisch notwendigen Rücktransport aus dem Ausland in die Bundesrepublik Deutschland entstandenen, den üblichen Fahrpreis übersteigenden Kosten zu übernehmen.

Während eines Arbeitsaufenthaltes der Klägerin in Portugal waren bei ihr gesundheitliche Beeinträchtigungen aufgetreten. Die behandelnden Ärzte diagnostizierten aufgrund erhöhter Werte von CRP (C-reaktive Proteinen) im Blut eine Infektion, die mit Antibiotika behandelt wurde. Auf eine erhebliche Verschlechterung des Gesundheitszustandes der Klägerin reagierten sie mit ihrer Verlegung in ein Hospital in Lissabon. Dort durchgeführte Untersuchungen ergaben einen weiter erhöhten CRP-Wert, Flüssigkeitsansammlungen im Becken und Anzeichen einer Sepsis.

Die Klägerin wurde stationär aufgenommen, ein dringend erforderlicher operativer Eingriff unterblieb jedoch. Am Tag darauf ließ sich die Klägerin nach Düsseldorf fliegen und von dort in eine Krefelder Klinik verbringen. In dieser wurde sie noch am Nachmittag desselben Tages notfallmäßig operiert. Sie litt an einer schweren Bauchfellentzündung mit Sepsis, beginnendem Multiorganversagen und entgleisenden Blutsalzen und schwebte in akuter Lebensgefahr.

Für den außergewöhnlichen Transport aus Lissabon zur Klinik nach Krefeld wandte die Klägerin - abzüglich üblicher Rücktransportkosten - ca. 21.500 EUR auf, deren Erstattung die Beklagte verweigerte. Die Beklagte hielt den Rücktransport für medizinisch nicht notwendig. Die Klägerin habe sich in Lissabon weiter medizinisch behandeln lassen können. Sofern in Lissabon eine medizinisch notwendige Behandlung aufgrund eines Behandlungsfehlers unterblieben wäre, sei der Versicherer hierfür nicht eintrittspflichtig.

Die Entscheidung

Die von der Klägerin gegen die Beklagte auf Erstattung der Transportkosten gerichtete Klage war erfolgreich. Ihr Rücktransport nach Deutschland war aus der Sicht des OLG medizinisch notwendig gewesen. Nach den objektiven medizinischen Befunden und Erkenntnissen sei es vertretbar gewesen, den Rücktransport am Morgen nach ihrer stationären Einlieferung in das Lissaboner Hospital zu veranlassen.

Gemäß der durchgeführten Beweisaufnahme stehe fest, dass die gebotene operative Behandlung der Klägerin im Hospital in Lissabon nicht gewährleistet war. Ein möglicher ärztlicher Behandlungsfehler der dortigen Ärzte stelle die Leistungspflicht der Beklagten nicht in Frage. Weder der Wortlaut noch der Sinn und Zweck der Versicherungsbedingungen geböten ein anderes Verständnis. Aus Sicht des Versicherungsnehmers mache es keinen Unterschied, ob eine gebotene Behandlung im Ausland unterbleibe, weil sie dort nicht durchgeführt werden könne oder weil die dortigen Ärzte nicht willens seien, sie durchzuführen.