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16.12.2015

Flexi-Rente: Koalition erleichtert flexiblen Übergang in die Rente

Die Regierungskoalition beabsichtigt Arbeitnehmern in Deutschland fließende Übergänge in die Rente zu erleichtern. Wer mit 63 in Teilrente geht, soll mehr vom Zuverdienst behalten.

Derzeit wird die Rente ab einer Zuverdienstgrenze von 450 EUR bei der Teilrente mit 63 massiv gekürzt. Je nach Verdiensthöhe sinkt sie auf bis zu ein Drittel der Vollrente. Zukünftig sollen oberhalb von 450 EUR 40 % des Zuverdienstes von der Rente abgezogen werden. 2014 waren von den mehr als 800.000 Zugängen in die Altersrente nur 2.176 Teilrentner.

Wer nach Erreichen des regulären Rentenalters zusätzlich zur Rente etwa in Teilzeit weiterarbeitet, soll belohnt werden

Derzeit zahlen Arbeitgeber bei Beschäftigung eines Rentners den Arbeitgeberanteil, ohne dass sich das für den Betroffenen rentensteigernd auswirkt. Das Arbeiten über die Altersgrenze von derzeit 65 Jahren und vier Monaten hinaus soll sich zukünftig stärker auszahlen, indem die Arbeitnehmer Rentenbeiträge einzahlen können, die dann zu einer Steigerung der Rente führen.

Unternehmen werden entlastet, wenn sie über das Rentenalter hinaus beschäftigten - die Zahlung von 1,5 % des Lohns in die Arbeitslosenversicherung soll zukünftig entfallen.

Was wird das kosten?

Anfangs gehen rund 300 Mio. EUR zulasten der Rentenkasse, wenn 100.000 Menschen die Möglichkeiten zur Teilrente nutzen. Der Arbeitslosenversicherung würden rund 80 Mio. EUR pro Jahr entgehen. Die Regelung soll möglichst im Juli 2016 in Kraft treten.

Zudem sollen Vorbeugung und Rehabilitation zur Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess gestärkt und Langzeitarbeitslose nicht mehr gegen ihren Willen in Frührente geschickt werden. Dies ist bislang mit Abschlägen möglich, auch wenn sie dadurch dauerhaft auf Grundsicherung im Alter angewiesen sind.

Erste Stimmen zu den geplanten Neuregelungen:

  • Die Deutsche Rentenversicherung mahnte eine Klärung vieler Detailfragen und ausreichend Vorlauf für die Umsetzung der Vorschläge an.

  • Die Arbeitgebervereinigung BDA kritisierte, dass die entstandenen Fehlanreize durch die abschlagsfreie "Rente ab 63" nicht annähernd kompensiert werden.

  • Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall begrüßte den Kompromiss, da die Wirtschaft auf ältere Beschäftigte angewiesen sei.

  • Der DGB kritisierte, dass der Wegfall des Arbeitslosenbeitrages für arbeitende Rentner den Weg für einen Billigarbeitsmarkt für Betroffene bereiten werde.

  • Die IG-Metall bemängelte das Fehlen echter Übergangsoptionen für diejenigen, die nicht bis zum Rentenalter von künftig 67 Jahren durchhalten können.