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11.12.2015

Weiter sinkende Nettoverzinsung

Die Zinszusatzreserve (ZZR) hat in kurzer Zeit bereits eine enorme wirtschaftliche Bedeutung für die Lebensversicherungsbranche erlangt. Bereits seit 2011 wird die Nettoverzinsung maßgeblich von der ZZR bestimmt und beeinflusst. Eine vollständige Gegenfinanzierung der ZZR aus den Eigenmitteln ist wirtschaftlich allerdings nicht möglich - jede Erhöhung der Reserve gemäß Deckungsrückstellungsverordnung muss von der Versichertengemeinschaft gestellt werden. Die ZZR ist für die deutschen Lebensversicherer für alle Garantiezusagen oberhalb des Referenzzinssatzes verpflichtend zu bilden.

Im Jahr 2011 sank dieser erstmals unter die 4-%-Marke auf 3,92 %, im vergangenen Jahr sogar auf 3,15 %. Experten gehen davon aus, dass der Referenzzins auf 2,88 % fallen wird. Folglich stützt die ZZR derzeit nicht nur die 4-%er (1994-2000), sondern auch Verträge mit einer Garantie von 3,5 % (bis 1993) und 3,25 % (2001 bis 2003). Wahrscheinlich werden bald auch die 3-%er nachreserviert werden.

Für den Großteil der Finanzierung realisieren die Lebensversicherer vermehrt ihre Bewertungsreserven. Diese Gewinne aus dem Abgang von Kapitalanlagen erhöhen direkt das Kapitalanlageergebnis und damit die Nettoverzinsung laut Verbandsformel. Das führt tendenziell zu einer höheren Nettoverzinsung auf dem Papier.

Doch das Realisieren von Bewertungsreserven geschieht nicht freiwillig. Zwar stützt es die Finanzierung der ZZR, doch bei der Wiederanlage müssen sich die Lebensversicherer mit dem aktuell niedrigen Zinsniveau zufriedengeben. Die Nettoverzinsung, gepusht durch die Zwangshandlung der Auflösung von Bewertungsreserven, gibt also ein verzerrtes Zinsertragsbild wieder.

MAP-Report 879

Für eine realistischere Betrachtung wurde das Kapitalanlageergebnis um die Zuführung zur Zinszusatzreserve reduziert. Die so bereinigte Nettoverzinsung lag im Marktschnitt bei 3,6 % und damit deutlich unter den 4,63 % auf die man mittels GDV-Formel kommt. Die Werte der 82 teilnehmenden Gesellschaften liegen zwischen 5,79 % und 2,66 % bei Betrachtung der Standard-Nettorendite für 2014. Bei der bereinigten Nettorendite beträgt die Range von 5,54 % bis zu 2,04 %.

Bei einigen Anbietern beträgt die Differenz zwischen Nettoverzinsung und bereinigter Nettoverzinsung bis zu 1,8 Prozentpunkte. Hier einige Beispiele:

  • Die Bayerische (Neue Bayerische Beamten) konnte 5,79 %, bereinigt 5,54 % erreichen.

  • WWK 5,66 %, bereinigt 4,94 %.

  • Ideal 5,19 %, bereinigt 4,59 %.

  • Allianz, 4,9 % reduziert sich auf 4,06 %.

  • Alte Leipziger, die Nettoverzinsung reduziert sich von 5,03 % auf 3,91 %.

  • LVM, deren Nettoverzinsung von 4,3 % reduzierte sich auf 2,5 %.

  • Skandia, (Neugeschäft eingestellt) kam auf 2,90 %, bereinigt 2,22 %.

  • Interrisk (Vienna Insurance Group) erreichte noch bereinigte 2,04 %.