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09.12.2015

Verbraucherzentrale Hamburg warnt vor Fondspolicen

Vielleicht wird gerade wieder eine Chance vertan, denn die Reaktionen auf die Mitte November auf der Homepage der Verbraucherzentrale Hamburg veröffentlichte Kritik an Fondspolicen ist, zumindest was die Äußerungen aus der Branche insbesondere des Vertriebs angeht, leider wenig sachlich. Eine Gesprächsgrundlage für eine sinnvolle Diskussion der Problempunkte sind sie jedenfalls nicht.

Hintergründe

Es liegt vermutlich daran, dass der Inhalt der Kritik der Verbraucherzentrale Hamburg kaum angreifbar ist, weshalb die Reaktionen aus der Branche stattdessen weitgehend aus Angriffen auf die Verbraucherzentralen selbst bestehen. Dabei könnte die Veröffentlichung der Verbraucherzentrale Hamburg dazu dienen, über die unbezweifelbaren Schwächen bei der Umsetzung der eigentlich durchaus sinnvollen Fondspolicenidee zu diskutieren

Kritik gerechtfertigt?

Die Kritik der Verbraucherzentrale richtet sich gegen die Kostenstruktur, die Intransparenz, die Risiken und die geringe Fungibilität. Und in der Tat, genau das sind die Schwächen des Produktes und das müsste nicht nur Anleger sondern auch Vermittler interessieren. Letztere deshalb, weil gerade die für den Vertrieb wirklich interessanten Zielgruppen immer weniger bereit sind, für Ihre Altersvorsorge blind in ein dunkles Loch hinein zu sparen.

Sind Änderungen überhaupt möglich?

Transparenz täte dringend Not, denn Anleger in Fondspolicen bekommen weder bei Abschluss noch im Versicherungsverlauf eine für sie immer les- und verstehbare Information darüber, welcher Teil ihres Geldes angelegt wird und welcher Teil in Kosten fließt. Es wäre natürlich für die Gesellschaften und den Vertrieb/die Berater eine Erschwernis, wenn sie das unleidige Kostenthema anhand von klaren verständlichen Zahlen beschreiben müssten. Dafür dürfte ein so informierter Kunde auch ein treuerer Kunde sein.

Bei gemanagten Fondspolicen auf Basis von Fondsportfolios erhalten die Anleger häufig nicht einmal eine eindeutige Beschreibung des Fondspolicenmanagements, dessen handelnden Personen und deren Eignung. Auch dazu, wie lange es dauert, bis sie während der Laufzeit an ihr Geld kommen, wenn sie als Anleger mit der Anlagepolitik der Versicherungsgesellschaft unzufrieden sind, erfahren Anleger/Versicherte kaum Verständliches.

Fazit

Das Ziel muss eine für Anleger und Vertrieb gleichermaßen akzeptable Produktgestaltung für Fondspolicen sein. Davon sind wir, das zeigt auch die Kritik der Verbraucherzentrale, noch weit entfernt. Auch die keineswegs berauschenden Neugeschäftszahlen signalisieren, dass das Produkt im Vertrieb teilweise noch gar nicht angekommen ist. Könnte es daran liegen, dass Versicherungsvermittler und -makler mit der aktuellen Produktgestaltung nicht zufrieden sind?

Dem GdV (Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft) sind die Fondspolicen im frei zugänglichen Statistikteil auf seiner Homepage nicht einmal eine gesonderte Rubrik wert. Dabei besteht dringender Bedarf nach einem sinnvollen sicherheitsorientierten Altersvorsorgeprodukt, an dessen Gestaltung nicht nur die Versicherungsgesellschaften sondern auch der Vertrieb mitwirken sollte.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.