Aktuelles

22.10.2015

Langfristige Folgen transparent machen

Angesichts des anhaltend niedrigen Zinsniveaus und der neuen Anforderungen an die Eigenkapitalausstattung, die ab dem nächsten Jahr auf die Versicherungswirtschaft zukommen, ist die Bedeutung der Rolle gewachsen, welche die Aktuare haben.

Seit April ist Wilhelm Schneemeier, Mitglied der Geschäftsleitung der Swiss Life Deutschland, Vorsitzender der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). In einem Interview in Heft 6 der Zeitschrift "Versicherungswirtschaft" beschreibt er die Herausforderungen, denen sich die Aktuare in den Unternehmen aktuell stellen müssen.

Am offensichtlichsten sind aktuell sicher die Auswirkungen, welche die niedrigen Zinsen auf die Altersvorsorge haben. Hier sollten die Aktuare aus seiner Sicht sich stärker in die öffentliche Diskussion einbringen, damit die politischen Entscheidungsträger nicht länger die Augen davor verschließen können. Trotz des weiter sinkenden Zinsniveaus empfiehlt der DAV aber, dass der Höchstrechnungszins im nächsten Jahr bei 1,25 % bleiben sollte. Allerdings geht Schneemeier davon aus, dass in Zukunft nicht mehr alle Versicherungsunternehmen den gleichen Garantiezins bieten werden. 2016 wird Solvency II in Kraft treten und damit werden klare Anforderungen an die Risikokapitalausstattung der Unternehmen gelten. Jedes Unternehmen müsse dann prüfen, ob es die Obergrenze, die der Höchstrechnungszins darstellt, wirklich ausschöpfen kann. Mit der BaFin sind die Aktuare deshalb im Gespräch darüber, wie dies in Zukunft ausgestaltet werden kann.

Neue Aufgaben

Darüber hinaus kommen mit der Umsetzung von Solvency II neue Aufgaben auf die Aktuare zu, so Schneemeier. Das betrifft u.a. den Aufbau einer unabhängigen Risiko-Kontrollfunktion. Dies erfordert eine kontinuierliche Weiterbildung der DAV-Mitglieder und eine Überarbeitung des Ausbildungssystems für zukünftige Aktuare, damit diese sich in einem stark globalisierten Arbeitsmarkt behaupten können. An anderer Stelle schlägt Schneemeier vor, dass der DAV stärker mit den Schulen zusammenarbeiten sollte, um bei den Abiturienten das Interesse an Versicherungsmathematik zu wecken und ihnen zu zeigen, wie anspruchsvoll und spannend die Aufgaben der Aktuare sind.

An die Zukunft denkt der DAV auch, wenn er sich mit eigenen Vorschlägen in die Diskussion einbringt. So ist er strikt dagegen, dass die Sicherheitsmarge der Zinszusatzreserve reduziert wird. Allerdings suchen die Aktuare zurzeit das Gespräch mit der BaFin darüber, ob angesichts weiter sinkender Zinsen ein weiterer Ausbau der Zinszusatzreserve vernünftig ist und wie ein ausreichend sichereres Zielniveau festgelegt werden könnte. Außerdem haben sie einen Vorschlag für einen zukünftigen zweistufigen Höchstrechnungszins in die Diskussion eingebracht. Danach würde sich die Zinsgarantie in der ersten Stufe oder den ersten 15 Vertragsjahren wie bisher an den am Kapitalmarkt erzielbaren Erträgen orientieren. Sodann gilt ein abschließender Wert, der wie der anfängliche Zins zu Beginn der Vertragslaufzeit festgelegt wurde. Er darf nicht höher als der Anfangszins sein, um der vorsichtigen Kalkulation Rechnung zu tragen.

Mit diesem neuen Ansatz wollen die Aktuare, so Schneemeier, dazu beitragen, dass neue Produktlösungen mit stärkerer Flexibilität entwickelt werden, damit die kapitalgedeckten Systeme trotz der Schwankungen an den Kapitalmärkten eine auf Dauer verlässliche Absicherung bieten. Das gilt insbesondere für die Altersvorsorge, aber auch für Haftpflichtversicherungen mit oft langen Zeiträumen zwischen Prämien- und Schadenzahlung und den dadurch erforderlichen hohen Kapitalrückstellungen.