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12.10.2015

Ein Jahr Honoraranlageberatungsgesetz - Fazit und Ausblick

Mit dem am 01.08.2014 in Kraft getretenen das Honoraranlageberatungsgesetz wurde vielfach ein Paradigmenwechsels postuliert. Endlich, so der Tenor, werde Transparenz geschaffen, damit der Kunde "bewusst zwischen provisionsgetriebener Anlageberatung und der provisionsfreien Honoraranlageberatung wählen könne". Tatsächlich ist das Gesetz mit dieser Zielsetzung gescheitert.

Aktuell stehen ca. 100 Honorar-Finanzanlagenberatern mit Erlaubnis nach § 34 h GewO rund 36.000 Finanzanlagenvermittler gegenüber. Die gewünschte Marktdurchdringung mit reinen Honorarberatungsmodellen ist nicht ansatzweise erreicht worden. Den Wert der Tätigkeit eines Honorar-Finanzanlagenberaters können Kunden nach wie vor kaum einschätzen.

Die (Un-)Abhängigkeit eines Anlageberaters konnte der Kunde bereits vor dem 1. August 2014 beurteilen: Wenn er an seinen Berater keine Vergütung gezahlt hat, musste sie entweder von dem Emittenten stammen oder von der Vertriebsstelle, die den Berater beauftragt hat. Die Größenordnung der Vergütung konnte der Kunde dann anhand der Informationsunterlagen zum Anlageangebot ablesen. Einen zusätzlichen Erkenntnisgewinn in dieser Richtung hat das Honoraranlageberatungsgesetz für den Kunden nicht gebracht.

Der Grundgedanke des Gesetzgebers, nämlich dem Kunden eine im Ursprung unabhängige Beratung zukommen zu lassen, indem bei dem Anlageberater keine Vergütung ankommt, die ihm einen Anreiz zur Vermittlung bestimmter Produkte bietet, hat in das Gesetz keinen Eingang gefunden. Die Grundlagen hierfür werden erst die Level-2-Maßnahmen der MiFiD II liefern. Die Provisionsgewährung wird dann an Dienstleistungen des Anlageberaters gebunden, die für den Kunden messbar qualitätserhöhend sind (unabhängige Beratung, Zugang zu einer breiten Produktauswahl und/oder sonstige, qualitativ relevante Dienstleistungen).

Dieser Weg ist auch der richtige: Die künstliche Trennung zwischen Beratung und Vermittlung, zwischen Provision und Honorar nützt dem Kunden nichts. Entscheidend ist, dass der Kunde für die Vergütung des Anlageberaters eine angemessene Dienstleistung erhält und er über die Inhalte dieser Leistung zutreffend informiert wird. Unerheblich ist dabei, ob diese Vergütung nun Provision oder Honorar genannt wird. Darüber hinausgehender regulatorischer Bedarf besteht nicht. Schon heute ist es gesetzlich möglich, gegen Anlageberater vorzugehen, die Kunden gegenüber die vermeintliche Unabhängigkeit als Werbeinstrument nutzen, obwohl sie von Dritten für die Vermittlung bestimmter Produkte eine Vergütung zu erwarten haben, die ihnen eine unabhängige Auswahl aus dem von ihnen vorgehaltenen Produktangebot nicht mehr ermöglicht. Denn solche Anlageberater verhalten sich wettbewerbswidrig i.S.d. UWG.

Die Norm des § 34 h GewO erweist sich als nutzlos. Geboten erscheint es vielmehr, die Vergütung zwischen Anlageberater und Kunde der Privatautonomie zu unterstellen, den Anlageberater jedoch zu verpflichten, den Kunden klar und verständlich über die Inhalte seiner Dienstleistung und mögliche Interessenkonflikte aufgrund der vereinbarten Art und Bemessung der Vergütung zu informieren.

Literaturtipp:

Unser neue Leitfaden "Provision versus Honorar" soll Sie als Vermittler oder Finanzdienstleiter dabei unterstützen, den unwissenden Kunden über Ihre Dienstleistung und die möglichen Vergütungsmodelle aufzuklären. Denn eines ist sicher: Transparenz und aktive Aufklärung schafft Vertrauen! In der Publikation werden die aktuellen Entwicklungen in der Vergütung von Leistungen im Versicherungs- und Finanzgeschäft aufgegriffen, die Honorarberatung näher erläutert, u.a. mit der Provisionsberatung verglichen und die gängigen Berechnungsmethoden vorgestellt. Ferner geht es um die Personen, die eine Honorarberatung anbieten. Weitere Informationen lesen Sie hier.