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09.10.2015

Geschlossene Fonds: Zum Abgewöhnen?

Den Markt für Geschlossene Fonds, insbesondere in Bezug auf deren Rendite, zu analysieren, ist aufgrund der Intransparenz dieser Anlageklasse zu weiten Teilen unmöglich. Finanztest hat es dennoch gewagt und das Ergebnis ist erwartungsgemäß zum Abgewöhnen.

Hintergrund

Jeder Geschlossene Fonds ist nun mal ein einzelnes Unternehmen mit individuellem Verlauf. Insofern ist jede auf den Gesamtmarkt bezogene Analyse angreifbar. Finanztest 10/2015 hat einen, soweit erkennbar, fairen Weg gefunden, Erfolg und Misserfolg dieser Anlageklasse darzustellen. Die Kompromisse, die man eingehen musste, erscheinen vertretbar.

Untersucht wurde das Ergebnis von 666 bereits aufgelösten Fonds, bei denen das Endergebnis also bereits feststeht und 473 noch laufenden Fonds. Die Untersuchung hat sich beschränkt auf Immobilienfonds, Schiffsfonds, Umweltfonds und Filmfonds. Für jede Fondsgruppe wurde ein separates Ergebnis ausgewiesen.

Ergebnisse

Die untersuchten bereits aufgelösten Fonds "verbrannten" Anlegergeld in Höhe von 4,3 Mrd. EUR. Dabei hatten diese Fonds versprochen, einen Gewinn von 15,4 Mrd. EUR zu liefern. Nach Aussage der Tester wurden allerdings eher die besseren der seit 1972 begebenen Geschlossenen Fonds untersucht, weil viele Pleitefonds in der genutzten Datenbank nicht enthalten seien.

Bei den einzelnen Fondsarten sollen 57 % der Immobilienfonds, 62 % der Umweltfonds, 81 % der Schiffsfonds und 96 % der Medienfonds einen Verlust des angelegten Kapitals bis hin zum Totalverlust erlitten haben. Von allen untersuchten 1139 Fonds schafften es 69 % nicht, das Kapital zu erhalten.

Angreifbar ist die Untersuchung natürlich zwangsläufig in einigen Details, was jedoch den Gesamteindruck kaum wirklich beeinflussen dürfte. So wurden bei der aktuellen Wertfeststellung der noch laufenden 473 Fonds Notierungen am sog. Zweitmarkt zugrunde gelegt. Da der Zweitmarkt für Geschlossene Fonds seinen Namen kaum verdient, weil die Umsätze eher zufällig und sehr niedrig sind und deshalb die veröffentlichten Kurse wenig über den aktuellen Wert der jeweiligen Fondsanteile aussagen, wird dieser Analyseteil in einem Kommentar bereits angegriffen. Dabei wird allerdings einseitig darauf abgehoben, dass der reale Wert deutlich höher liegen kann, obwohl das Gegenteil, ein wesentlich niedrigerer Wert, mindestens ebenso wahrscheinlich ist.

Zusammenfassung

Die Untersuchung und Veröffentlichung ist verdienstvoll und mutig, weil erstmals ein Schlaglicht auf diese Anlageklasse geworfen wird, das weitgehend untermauert erscheint. Die Fans aus Vertriebs- und Anbieterkreisen werden voraussehbar mit giftiger Kritik kaum sparen. Viele neutrale Marktbeobachter dürfte das Ergebnis jedoch kaum überraschen. Traurig nur, dass der größte Teil des mit dieser Anlageklasse vernichteten Kapitals der Altersvorsorge dienen sollte. Das Geld wird den betroffenen Anlegern sehr fehlen.