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21.08.2015

Riesterrente: Es geht noch besser

Für Walter Riester ist die geförderte Altersvorsorge, die seinen Namen trägt, nach wie vor der richtige Weg, um den Ruhestand von möglichst vielen Menschen finanziell zu sichern. Allerdings müssen nach seiner Auffassung gravierende Geburtsfehler korrigiert werden, sagte er kürzlich während einer Diskussion des Deutschen Instituts für Altersvorsorge in Berlin.

Vor allem ärgert ihn, dass er sich vor dem Start der Riesterrente im Jahr 2002 nicht in allen Fragen so durchsetzen konnte, wie er es für richtig gehalten hat. Allerdings habe er nur durch Kompromisse politische Mehrheiten schaffen können, um das Projekt überhaupt auf den Weg zu bringen.

Dass das Riestersparen nur für Arbeitnehmer und deren Partner, nicht aber für die 3,5 Mio. Selbstständigen und die zahlreichen Kleingewerbetreibenden gelte, sei unverständlich, da auch sie Steuerzahler seien und entsprechend Anspruch hätten.

Finanzämter sollten Zulagen gutschreiben

Die Zahl von gut 16 Mio. Riester-Verträgen hält der frühere Bundesarbeitsminister daher zwar für "nicht wenig", aber auch nicht ausreichend. Angesichts der permanenten Kollision mit dem Konsum und "dank" der überaus kritischen Darstellung des Riestersparens in der Presse wundere ihn das allerdings nicht.

Er sei zudem von Anfang an der Auffassung gewesen, dass man das Riestern als zusätzliche Altersvorsorge werten müsse, um im Alter den Lebensstandard sichern zu können, nicht als Ausgleich für Rentenkürzungen. Ebenso wie er die Einrichtung einer zentralen Zulagenstelle damals und heute für grundfalsch hält. Er sei nach wie vor davon überzeugt, dass die Finanzämter die bessere Alternative seien.

Riester muss belohnt werden

Dennoch seien Riesterprodukte im Prinzip gut und richtig bekräftigte er, hätten aber permanent mit Missverständnissen und Irrtümern zu kämpfen. Weder stimme es, dass die Förderung fehlgeleitet werde und niedere Einkommen nichts davon haben, noch sei die Diskussion richtig, dass sich das Riestern für Menschen mit geringem Verdienst schon deshalb nicht lohnt, weil es ihnen später auf die Grundsicherung angerechnet wird. Dann müsste man auch die SV-Rente in Frage stellen, findet er. Entgegen seiner eigentlichen Überzeugung, dass Grundsicherung nur tatsächliche Lücken auffüllen dürfe, sei er angesichts der aktuellen Diskussion zu der Einsicht gelangt, dass Freibeträge beim Riestern unumgänglich seien. Nur so könne gesichert werden, dass Leute, die vorsorgen und auf Konsum verzichten, belohnt werden und nicht auf einer Stufe mit jenen stehen, die nicht gespart haben. "Ich bin mir aber nicht sicher, ob wir damit die Diskussion weghaben", meint er wenig hoffnungsvoll.

Riesterrente ist kein gewöhnliches Sparprodukt

Was die Behauptung betrifft, dass man sehr alt werden müsse, damit sich die Riesterrente überhaupt lohnt, wies er ebenso von sich: "Die Riesterrente ist keine Geldanlage, sie ist ein Versicherungsprodukt und lebt davon, dass Menschen sie unterschiedlich lange beziehen", argumentierte er. Das treffe übrigens auch auf Bank- und Investmentprodukte zu, die in der Rentenphase ebenfalls in eine Versicherung umgewandelt würden.

Um die Rendite von Riesterprodukten zu verbessern und angesichts der anhaltenden Niedrigzinsphase hält er es für wünschenswert, andere Anlageformen als Staatsanleihen hinzuziehen zu dürfen. Gleichwohl sei das Riestersparen kein gewöhnliches Sparen, sondern unterliege im Interesse der Sicherheit und des Vorsorgezwecks richtigen Zwängen. Nämlich zum einen dem, dass Anbieter nicht kündigen dürfen und zum Auszahlungszeitpunkt ein Mindestkapital bereithalten müssen. Auf Sparerseite ist festgelegt, dass bei vorzeitigen Ausstieg die Förderung zurückgezahlt werden muss.